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Der Küsser aus Luxemburg

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker küsst wieder Staatsmänner. Diesmal: Chinas Präsidenten Xi Jinping.

Begrüssung wie in Luxemburg: Jean-Claude Juncker und der chinesische Präsident Xi Jinping in Hangzhou. (4. September 2016)
Begrüssung wie in Luxemburg: Jean-Claude Juncker und der chinesische Präsident Xi Jinping in Hangzhou. (4. September 2016)
Keystone
Sorgte für Gesprächsstoff: Juncker und Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Februar 2015.
Sorgte für Gesprächsstoff: Juncker und Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Februar 2015.
Keystone
Juncker und der bulgarische Premierminister Bojko Borisow treffen sich in Brüssel. (25. Oktober 2015)
Juncker und der bulgarische Premierminister Bojko Borisow treffen sich in Brüssel. (25. Oktober 2015)
Reuters
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Wieder einmal sorgte Jean-Claude Juncker für ein Raunen. Beim Empfang zum G-20-Gipfel in Hangzhou küsste der EU-Kommissionspräsident Chinas Präsidenten Xi Jinping auf beide Wangen. Xi Jinping liess das für China ungewöhnliche Ritual stoisch über sich ergehen. Im Medienzentrum hingegen amüsierte sich die internationale Presse.

Es ist nicht das erste Mal, dass Junckers informelle Begrüssungen zum Gesprächsstoff werden. Seit seiner Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten 2014 hat sich der Luxemburger einen Namen als «verschmustester Politiker aller Zeiten» gemacht. So zumindest beschrieb in das Magazin «Politico» einst. Zweifelsohne scheut Juncker keine körperliche Nähe. Umarmen, Küssen, Schulterklopfen und Handauflegen gehören zum Repertoire des 61-Jährigen.

Verbundenheit vs. Irritation

Dass Junckers Eigenheit auch nach bald zwei Jahren im Amt noch immer für Diskussionen sorgt, ist dennoch erstaunlich. Längst ist klar: Der Politiker setzt den «Kuss op de Bak», wie der Wangenkuss in Luxemburg heisst, gezielt als Charmeoffensive ein. Diese Gepflogenheit ist zwar ausserhalb von Westeuropa nach wie vor wenig bis gar nicht verbreitet. Dennoch ist der Wangenkuss auf dem internationalen politischen Parkett zu einem gängigen Ritual geworden, wie TA-Journalist Martin Halter letztes Jahr nach Junckers Kussattacke auf Simonetta Sommaruga schrieb: «Die mediale Inszenierung von Politik erfordert eine neue Ikonografie: Umarmung statt steifes Händeschütteln, Küsse statt verbindliches Lächeln.»

Der Diplomatie-Dozent Max Schweizer wertet Jean-Claude Junckers Begrüssung denn auch nicht nur negativ. Klar sei die Geste eine Gratwanderung. Sie vermittle einerseits freundschaftliche Verbundenheit, könne andererseits aber auch für Irritation sorgen. Trotzdem findet Schweizer: «Das ist volksnahe Kommunikation. Zu oft wird der EU vorgeworfen, sie agiere weit entfernt von den Bürgern. Dieses Signal wird aber überall verstanden.»

So oder so darf inmitten all des Amüsements eines nicht vergessen werden: Noch auf jeden Wangenschmatzer Jean-Claude Junckers, auf jeden seiner freundschaftlichen Schulterklopfer folgten stets harte Verhandlungen.

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