Der Superlativ als Tiefpunkt

Gouverneur Eikei Suzuki beherbergt widerwillig die G-7.

Gouverneur Eikei Suzuki beherbergt am kommenden Donnerstag und Freitag die Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten in seiner kleinen Präfektur Mie. Foto: AP

Gouverneur Eikei Suzuki beherbergt am kommenden Donnerstag und Freitag die Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten in seiner kleinen Präfektur Mie. Foto: AP

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Eikei Suzuki ist der jüngste Präfektur-Gouverneur Japans und, wenn man den Medien glaubt, der bestaussehende Politiker des Landes. Seine Frau Miho Takeda hat als Synchronschwimmerin fünf Olympiamedaillen gewonnen, mehr als jede andere Japanerin. Das WEF in Davos hat den 41-jährigen Ökonomen in die Liste der Young Global Leaders aufgenommen. Als vorläufigen Höhepunkt dieser Kette von Superlativen beherbergt Suzuki am kommenden Donnerstag und Freitag die Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten in seiner kleinen Präfektur Mie. Dafür hat er die letzten Monate die Werbetrommel vor allem für den Tourismus gerührt. Mie unterteilt sich in einen industrialisierten Norden, waldige Berge, aus denen die legendären Ninja stammen; attraktiv ist aber vor allem die Shima-Halbinsel mit vielen Inselchen, wilder Natur und dem Ise-Schrein, dem wichtigsten Heiligtum der Shinto-Religion.

Die Wallfahrtsstätte, eine weiträumige Anlage im Wald, ist der Sonnengöttin gewidmet, nach der Legende die Urmutter des japanischen Kaiserhauses. Die Japaner pilgern seit Jahrhunderten her, zurzeit fast zehn Millionen pro Jahr. Nun wird die G-7 in deren Nähe tagen. Bis 1945 galt der Tenno, der japanische Kaiser, als Gott. Er zieht sich vor seiner Inthronisierung jeweils für Weiherituale in den Schrein zurück. Dann degradierten die US-Besatzer ihn zum Menschen und verordneten Japan eine strikte Trennung von Religion und Staat. Premier Shinzo Abe, der das Vorkriegs- Japan nostalgisch verklärt, setzte sich über diese Trennung schon früher hinweg. Er pilgerte mit seinen Ministern nach Ise.

Als Tokio im Vorjahr die Präfekturen aufrief, sich als Tagungsstätten für die verschiedenen G-7-Treffen zu bewerben, kam nichts von Mie. Die Meldefrist war bereits abgelaufen, als Abe Suzuki drängte, eine Bewerbung nachzureichen. Der Premier wollte die Mächtigen der G-7 unbedingt zum Schrein bringen, wie er der Presse sagte. Es hiess sogar, sie erhielten Zugang zu heiligen Räumen, die eigentlich gesperrt seien. Dem Einwand, das verletze die Trennung von Staat und Religion, hält die Regierung entgegen, der Ise-Schrein sei ein Kulturgut. Und offen für alle Religionen.

Bahnbrechendes wird vom Gipfel nicht erwartet, Obamas Besuch in Hiroshima nach Abschluss des Treffens wird die Schlagzeilen dominieren. Gouverneur Suzukis Präfektur, die viel Geld für Infrastruktur und Sicherheit ausgegeben hat, gerät in den Hintergrund. Und von einem Besuch des Ise-Schreins ist auf dem provisorischen Programm von Obama, Merkel, Holland und Co. bisher keine Rede. Warum das so ist, kann niemand sagen. Es wird gemunkelt, einzelne der hohen Gäste hätten Vorbehalte, Abe einen solchen Gefallen zu tun. So haben sich Suzuki und seine Provinz-Präfektur, die sich gar nicht bewerben wollten, die zwei Tage als Mittelpunkt der Welt wohl nicht vorgestellt.

Erstellt: 22.05.2016, 18:11 Uhr

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