Der Tag im Rückblick: 13 Sekunden für die Galerie der Geschichte

Das denkwürdige Treffen mit Trump und Kim geht zu Ende. Die wichtigsten Stationen.

Gesten, Symbolik und schöne Worte: Der Gipfel in Singapur brachte die Staatslenker der verfeindeten Mächte USA und Nordkorea an einen gemeinsamen Tisch.
Video: Tamedia-Webvideo / Agentur

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Es war 03:04 Uhr, als die beiden Staatsoberhäupter im Luxushotel Capella auf der Insel Sentosa bedeutungsvoll aufeinander zugingen, sich die Hände schüttelten und in die Kameras lächelten. Donald Trump und Kim Jong-un hatten sich zum Auftakt des Gipfels vor jeweils sechs Flaggen der USA und Nordkoreas in dem Kolonialbau den Kameras gestellt.

Bei dem 13 Sekunden dauernden, historischen Handschlag wirkten beide Politiker ernst und angespannt, doch fasste Trump seinem Gegenüber freundschaftlich kurz an die Schulter. Das Treffen hat für Nordkorea immensen symbolischen Wert. Es signalisierte, mit der Supermacht USA auf gleicher Augenhöhe zu stehen.

Nach dem ersten Handschlag mit Trump sagte Kim: «Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier.» Trump pflichtete den Bemerkungen seines Gesprächspartners bei: «Das ist wahr.»

Rückzug zum Vier-Augen-Gespräch

Der US-Präsident äusserte anschliessend in einem kurzen Statement vor laufenden Kameras die Erwartung, dass der Gipfel zu einem «grossartigen Erfolg» werde. Auch gehe er davon aus, dass er eine «grossartige Beziehung» zu Kim haben werde. Daran habe er «keinen Zweifel», sagte der US-Präsident.

Bildstrecke: Der Gipfel in Singapur

Nach ihrer Begrüssung und den Statements für die Medien zogen sich Trump und Kim zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück, bei dem sie nur eine Übersetzerin und einen Übersetzer an ihrer Seite hatten. Dieser Auftakt endete nach rund einer Dreiviertelstunde. Direkt danach begannen Gespräche in erweiterter Runde, an denen die Berater beider Staatenlenker dabei waren.

«Wir werden jetzt unterzeichnen»

Nach mehrstündigen Beratungen kündigte Trump die Unterzeichnung eines gemeinsamen Dokuments an. «Wir werden jetzt unterzeichnen», sagte der US-Präsident - wobei er nicht präzisierte, um was für ein Dokument es sich handelte. Das wurde erst später klar.

Der Präsident sprach von einem «wirklich fantastischen Treffen» mit Kim, bei der es «viele Fortschritte» gegeben habe. Die Gespräche seien besser gelaufen, «als irgendjemand hätte erwarten können», sagte Trump, als er Seite an Seite mit dem nordkoreanischen Machthaber aus dem Inneren des «Capella-»Hotels hinaustrat.

Trump zeigt Kim seine Limousine

Trump und Kim gingen dann allerdings keineswegs direkt zu einer Unterzeichnung - vielmehr zeigte der US-Präsident dem Nordkoreaner seine gewaltige Cadillac-Limousine, die als «The Beast» bezeichnet wird.

Trump zeigt Kim die US-Präsidentenlimousine.

Später hiess es, Trump habe sich mit Kim auf erste Schritte zur atomaren Abrüstung verständigt. Diese werde «sehr, sehr schnell beginnen», sagte Trump dann bei der Unterzeichnung des gemeinsamen Dokuments. Im Gegenzug sagte er «Sicherheitsgarantien» für Nordkorea zu.

Video: Die zelebrierte Unterzeichnung des gemeinsamen Dokuments

Nach den Verhandlungen über die schwerverdauliche Denuklearisierung sind die beiden Staatslenker noch zu einem Mittagessen zusammengekommen. Bei dem Drei-Gänge-Menü hatten sie die Auswahl zwischen einer Reihe erlesener Speisen aus Ost und West.

Der vom Weissen Haus veröffentlichten Speisekarte zufolge konnten Trump und Kim am Tagungsort im luxuriösen «Capella»-Hotel zwischen westlichen, koreanischen, chinesischen und malaysischen Gerichten wählen. Als Vorspeise wurde Krabbencocktail mit Avocadosalat aufgetischt, ausserdem ein «Grüne-Mango-Kerabu mit Honig-Limetten-Dressing und frischem Oktopus» sowie «Oiseon», ein koreanisches Gericht mit gefüllter Gurke.

Der Menueplan für die beiden Machthaber

Nach dem Ende des Gipfeltreffens trat Donald Trump später dann noch alleine vor die Medien. Er sprach überdreht und in bester Laune an einer langen Pressekonferenz.

Dabei feierte er den Gipfel als Erfolg. Die Sanktionen sollen aber bestehen bleiben. Allerdings stellte Trump schon aus Kostengründen ein Ende der «Kriegsspiele» der USA mit dem Verbündeten Südkorea in Aussicht.

Video: Ein gut gelaunter Trump gibt den Medien Auskunft

«Feinde können auch Freunde werden»: Donald Trump an einer eigens angesetzten Pressekonferenz.

In der Vereinbarung hatte Kim sein «festes und unerschütterliches Bekenntnis» zu einer «umfassenden» atomaren Abrüstung erklärt. Auf konkrete Abrüstungsschritte legte er sich aber nicht fest. Auf kritische Journalistenfragen dazu verteidigte der US-Präsident die «ziemlich umfassende Vereinbarung». Für mehr habe es aber nicht gereicht: «Es gab nicht genug Zeit.»

Zudem verkündete Trump überraschend, dass er die gemeinsamen Militärmanöver seines Landes mit dem Verbündeten Südkorea stoppen wolle. Er liess aber offen, ab wann. «Diese Kriegsspiele sind sehr teuer», sagte Trump. Südkorea leiste seinen Beitrag für die Manöver, «aber nicht 100 Prozent».

Südkorea zeigte sich überrascht. An diesem Punkt sei es nötig, die «Bedeutung und Absicht» der Bemerkungen Trumps zu klären, teilte ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul später mit.

Baldiger Friedensschluss geplant

Trump stellte einen baldigen Friedensschluss in Korea in Aussicht. «Der Krieg ist seit 70 Jahren nicht beendet, aber er wird bald enden», sagte Trump. «Die Vergangenheit muss nicht die Zukunft definieren.» Der Nordkorea-Konflikte müsse nicht zu einem Krieg in der Zukunft führen. «Gegner können zu Freunden werden», sagte Trump.

In ihrer gemeinsamen Gipfelerklärung bekannten sich Trump und Kim auch zu einem «robusten» Frieden auf der koreanischen Halbinsel, an dem sie arbeiten wollten. «Nur die Mutigsten können Frieden schaffen», sagte Trump. Es wurden aber keine Schritte zur formellen Beendigung des Kriegszustandes auf der koreanischen Halbinsel beschlossen.

Weltweit positive Reaktionen

Die Gipfelergebnisse stiessen weltweit auf positive Reaktionen. Südkoreas Präsident Moon Jae In lobte Trump und Kim für ihre «mutigen Entscheidungen»: «Das ist nur ein Anfang. Es werden wohl zahlreiche Schwierigkeiten vor uns liegen.»

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sah «einen Schritt hin zu einer umfassenden Lösung der verschiedenen Probleme mit Nordkorea». China sprach von einem «wichtigen Fortschritt». Russland schlug vor, die Gespräche in dem 2009 festgefahrenen Sechser-Format aufzunehmen. Daran hatten ausser den USA und Nordkorea auch China, Südkorea, Japan und Russland teilgenommen.

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Trump will Kim nun «zu einem angemessenen Zeitpunkt» auch nach Washington einladen. Das kann aber noch etwas dauern. «Wir wollen den Weg noch ein bisschen weitergehen.» Umgekehrt kann sich Trump auch vorstellen, «zu einem bestimmten Zeitpunkt» selbst Pyongyang zu besuchen. Das kommunistisch regierte Land steht international wegen massiver Verstösse gegen die Menschenrechte seit Jahrzehnten in der Kritik. (cpm/sda/afp/dpad)

Erstellt: 12.06.2018, 16:05 Uhr

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