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Deutschen Soldaten in Afghanistan droht der Krieg

Die Bundeswehr ist Jahren im afghanischen Kunduz auf Friedensmission. Doch nun droht sie in der bislang eher friedlichen Region zwischen die Fronten zu gelangen.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat bei einem Besuch im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Kunduz an die Aufständischen appelliert, ihren Kampf gegen die ausländischen Truppen aufzugeben. «Ihr beschwert euch, dass hier Fremde sind. Aber solange ihr kämpft, werden sie nicht gehen», erklärte Karzai am Sonntag bei einem Treffen mit Stammesvertretern. Einen anschliessend geplanten Besuch im Feldlager der Bundeswehr in Kundus sagte der afghanische Präsident ab, offenbar aus Sicherheitsgründen.

Bei einem Gefecht in der Nähe der Stadt Kunduz waren am Karfreitag drei deutsche Soldaten getötet worden. Kurz vor Karsais Besuch wurden am Sonntag drei Raketen auf die Stadt abgefeuert, verletzt wurde aber nach offiziellen Angaben niemand.

Gouverneur fordert Militäroffensive

Der Gouverneur von Kunduz, Mohammad Omar, zeichnete vor Journalisten ein düsteres Bild der Lage und forderte eine einmonatige Militäroffensive gegen die Taliban, um die Aufständischen an einer Machtübernahme zu hindern. Ein Taliban-Befehlshaber in der Nachbarprovinz Tachar habe geschworen, Kundus innerhalb eines Jahres zu erobern, berichtete Omar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält trotz der tödlichen Gefahren für deutsche Soldaten am Einsatz in Afghanistan fest. «Der Auftrag heisst, die Sicherheit unseres eigenen Landes sicherzustellen», sagte die CDU-Politikerin am Samstag bei einem Besuch des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Die Bundeswehr wies indes Mutmassungen zurück, der Angriff der Taliban auf die Bundeswehr am Karfreitag habe eine neue Qualität. Die versehentliche Tötung von sechs afghanischen Soldaten ebenfalls am Karfreitag ist nach ersten NATO-Ermittlungen auf extrem schlechte Sicht zurückzuführen.

Italiener wegen Mordkomplotts verhaftet

In der afghanischen Provinz Helmand wurden unterdessen drei italienische Sanitäter unter dem Vorwurf eines Mordkomplotts gegen den Gouverneur festgenommen. Insgesamt wurden in der Provinzhauptstadt Lashkar Gah am Samstag neun Personen verhaftet, wie ein Sprecher der Provinzregierung mitteilte.

Bei den drei italienischen Sanitätern handelt es sich um Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums. Ihnen wird nach Angaben der Behörden vorgeworfen, sie hätten Gouverneur Gulab Mangul bei einem Besuch in der Einrichtung ermorden wollen. Der Politiker behauptete, die Taliban hätten den Leitern der Einrichtung dafür eine halbe Million Dollar (rund 374.000 Euro) gezahlt. In einem Lagerraum des Zentrums wurden Sprengstoffwesten für Selbstmordattentäter, Handgranaten und Pistolen gefunden.

In der Provinz Kandahar kamen am Sonntag fünf afghanische Mitarbeiter eines Minenräumtrupps beim Anschlag auf ihren Bus ums Leben. In der Provinz Ghazni schoss ein afghanischer Soldat im Streit einen polnischen Kollegen nieder.

(ddp)

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