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Der Klimawandel bringt immer extremeren Regen

Der jährliche Monsun bringt Wasser über Südasien und spendet Leben. Aber er nimmt es auch. 1500 Menschen sind in dieser Monsunperiode schon umgekommen.

Überflutetes Mumbai: Ein Mann kämpft gegen die Wassermassen mit Muskelkraft an. Foto: «Hindustan Times», Getty Images
Überflutetes Mumbai: Ein Mann kämpft gegen die Wassermassen mit Muskelkraft an. Foto: «Hindustan Times», Getty Images

Der indische Arzt telefonierte noch mit seiner Frau. Er werde in fünf Minuten zu Hause sein. Doch dort ist er niemals angekommen. 36 Stunden später fanden ihn Retter am Strand. Deepak Amrapurkar (58), Bürger von Mumbai, war an jenem Abend in den Fluten in einen offenen Kanalschacht gestürzt. Man weiss das nur, weil man seinen Regenschirm fand, der sich im Loch verklemmt hatte. Der Doktor ist einer von mehr als 1500 Menschen, die in den Wassermassen in Südasien schon ihr Leben verloren haben. In Mumbai fielen an einem einzigen Tag 330 Millimeter Regen. In einer europäischen Stadt verteilt sich so eine Menge Niederschlag auf Monate.

Nach dem Regen kommen die Bagger, im Süden der 20-Millionen-Metropole graben sie sich gerade durch einen riesigen Schuttberg. Der Monsun weicht die Fundamente der alten Häuser auf. Ein fünfstöckiger Wohnblock ist eingestürzt, die Helfer retten mehrere Verletzte. Doch für die anderen Verschütteten gibt es kaum noch Hoffnung. Drei Dutzend Tote zählen sie allein in diesem einzelnen Gebäude.

Doch auch Mumbai zeigt nur einen kleinen Ausschnitt einer breiten Spur der Verwüstung, mit der etwa 40 Millionen Menschen im südlichen Asien kämpfen. Ärzte denken schon weiter: Jeder, der durch die Fluten von Mumbai gewatet sei, sollte zur Vorbeugung antibiotische Tabletten einnehmen, sagen sie. Die städtischen Behörden befürchten, dass Keime im Wasser schwere Infektionen auslösen, die tödliche Leptospirose zum Beispiel, die nach der grossen Flut im Jahr 2005 allein in Mumbai Dutzende Bewohner das Leben kostete.

Stromschläge im Wasser

Der jährliche Monsun bringt Wasser über den Subkontinent, er spendet Leben. Aber er nimmt es auch. Und in diesem Jahr schwemmt er so viele Menschen fort wie lange nicht mehr, Tag für Tag steigen die Opferzahlen. Die Metropole Karachi in Pakistan meldete allein am Donnerstag binnen Stunden 23 Tote, viele sterben an tödlichen Stromschlägen im Wasser. Die Leute kennen diese Tücken, aber wenn die Flut erst einmal über sie hereinbricht, haben sie keine Chance, sich davor noch zu schützen.

Der indische Bundesstaat Bihar meldet inzwischen, dass die Wasserpegel zurückgehen würden, aber nirgendwo ist die Bilanz so verheerend wie dort: 514 Tote, allein in Bihar. Weiter nördlich, in Nepals Bergen, töteten Erdrutsche mehr als 100 Bewohner, im Küstenstaat Bangladesh, dem Deltagebiet der grossen südasiatischen Ströme, haben die Fluten schon etwa 700'000 Gebäude beschädigt oder ganz zerstört. Zehntausende Schulen sind in Asiens Flutgebieten geschlossen. Fast 2 Millionen Kinder können nicht zum Unterricht. In ärmeren Gegenden heisst dies, dass sie vermutlich für lange Zeit keine Chance mehr haben, etwas zu lernen, wie die Organisation Safe the Children warnt.

Im Lichte der jüngsten Zerstörungen durch den Monsun dürften die Folgen des Klimawandels wieder stärker diskutiert werden. Zwar sind heftige Überschwemmungen und Zerstörungen im südlichen Asien vermutlich so alt wie der Monsun selbst. Jahr für Jahr entwickelt er eine Gewalt, durch die viele Bewohner ihr Leben verlieren. Doch warnen Experten gleichzeitig davor, dass sich die Probleme mit steigender Temperatur verschärfen werden.

Mit diesen Risiken beschäftigt sich Saleemul Huq, Direktor am International Centre for Climate Change and Development in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh. Huq erforscht, wie sich die Veränderungen auf die Entwicklungschancen armer Regionen auswirken werden. Die Experten seien sich zumindest so weit einig, dass sich das Muster der Regenfälle in der Region merklich verändere: «mit stärkerem Regenfall in der Monsunzeit und geringerem Niederschlag in der Trockenperiode». Die Folge: Mehr Überschwemmungen in der Regenzeit und mehr Dürren in der Trockenzeit, ohne dass sich die Gesamtmenge des Regens übers Jahr stark ändert.

Und wie steht es um den Katastrophenschutz? Er ist in vielen Gegenden stark unterentwickelt. Notfallpläne fehlen oft. Doch es gibt auch Fortschritte, wie Architekt und Stadtentwickler Pankaj Joshi aus Mumbai schreibt. Während die Stadt 2005 der Flut völlig unvorbereitet begegnet sei, habe die Behördenkoordination zwölf Jahre später weit besser funktioniert. «Die Stadt war dieses Mal besser organisiert», schreibt er in einer Analyse für den «Indian Express».

Allerdings zeigten frühere Überflutungen in verschiedenen Bundesstaaten auch, dass natürliche Abflüsse planlos zugebaut würden, ohne Rücksicht darauf, dass diese Bausünden die Flutprobleme in Monsunzeiten vergrösserten. «Der Staat scheint aus diesen Fehlern nur zögerlich zu lernen», sagt Joshi.

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