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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Atomtest

Zum dritten Mal hat Nordkorea eine nukleare Explosion ausgelöst. Wie war der Atomtest aus der Ferne zu erkennen und wie weit bringt er Nordkorea nun auf dem Weg zur Atommacht?

Der Test soll auf dem Stützpunkt Punggye-ri im nördlichen Nordkorea stattgefunden haben: Ein Mitarbeiter des Seismologischen Zentrums in Taiwan zeigt den Ort auf einer Karte. (12. Februar 2013)
Der Test soll auf dem Stützpunkt Punggye-ri im nördlichen Nordkorea stattgefunden haben: Ein Mitarbeiter des Seismologischen Zentrums in Taiwan zeigt den Ort auf einer Karte. (12. Februar 2013)
AFP
Das südkoreanische Fernsehen zeigt eine Satellitenaufnahme des mutmasslichen Testgeländes Punggye-ri. Darauf sind ein Tunneleingang (oben) vermerkt sowie ein Haufen mit Gesteinsmaterial, der nun geschrumpft sein soll. Mit dem Material könnte vor der Sprengung der Hohlraum abgedichtet worden sein, in dem sich die Atombombe befand. (12. Februar 2013)
Das südkoreanische Fernsehen zeigt eine Satellitenaufnahme des mutmasslichen Testgeländes Punggye-ri. Darauf sind ein Tunneleingang (oben) vermerkt sowie ein Haufen mit Gesteinsmaterial, der nun geschrumpft sein soll. Mit dem Material könnte vor der Sprengung der Hohlraum abgedichtet worden sein, in dem sich die Atombombe befand. (12. Februar 2013)
Reuters
Die Ausschläge sind nach Angaben von Seismologen charakteristisch für einen Atomtest. (12. Februar 2013)
Die Ausschläge sind nach Angaben von Seismologen charakteristisch für einen Atomtest. (12. Februar 2013)
AFP
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Trotz internationaler Warnungen hat Nordkorea den dritten Atomtest in der Geschichte des Landes vorgenommen. Offiziellen Angaben zufolge erfolgte der Test unterirdisch. In den vergangenen Jahren arbeitete das abgeschottete Land kontinuierlich an seinem Nuklearprogramm – und steht entsprechend unter Beobachtung.

Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten zum Atomwaffentest:

Wie ist ein Atomtest aus der Ferne zu erkennen?

Ein Atomtest löst in der Erde eine Erschütterung aus, die wie ein Erdbeben von den Seismografen der Erdbebenwarten rund um die Welt registriert wird. Auch die Schweizerische Erdbebenwarte hat die Erschütterung registriert.

Laut Stephan Husen, dem diensthabenden Seismologen der Erdbebenwarte, sind Explosionen von Erdbeben nicht einfach zu unterscheiden. «Prinzipiell unterscheidet sich der Bruchvorgang einer Explosion und eines Erdbebens. Bei einer Explosion gibt es nur eine Volumenänderung, das heisst, das Gestein dehnt sich rund um die Explosion aus, während es bei einem Erdbeben auch zu einer Scherbewegung kommt, bei der sich die Gesteinsplatten verschieben.»

Dadurch würden die von den Seismografen bei Sprengungen registrierten Wellenformen üblicherweise anders aussehen als im Falle von Erdbeben. Die Wellenformen, die an den Seismografen der Schweizerischen Erdbebenwarte registriert wurden, unterscheiden sich in der Tat von denen eines herkömmlichen Erdbebens. Ob es sich um eine Explosion handle, sei aber nicht eindeutig feststellbar, sagt Husen. «Allenfalls kann es sich doch um ein ungewöhnliches Erdbeben handeln.»

Wer überwacht die seismischen Daten auf Atomtests?

Die Erdbebenwarten der Länder, die wie die Schweiz in den Atomwaffensperrvertrag eingebunden sind, übermitteln ihre Messdaten an eine Organisation der Vereinten Nationen. Die Vorbereitungskommission für die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) wertet die Daten von verschiedener Messstationen aus, darunter auch solche, die Unterwasser- und Infraschall messen sowie radioaktive Teilchen in der Luft, die bei Atomtests freigesetzt werden. Beim Erkennen von Explosionen spiele jeweils auch der Ort der Erschütterung eine wichtige Rolle, sagt Stephan Husen von der Schweizerischen Erdbebenwarte. Das betreffende Gebiet in Nordkorea beispielsweise sei nicht für eine hohe seismische Aktivität bekannt.

Welchem Ziel dient der dritte Atomtest?

Nordkorea hatte einen Test «auf hohem Niveau» angekündigt, was Experten vermuten liess, dass es sich im Gegensatz zu den früheren Atomtests, bei denen Plutonium verwendet wurde, diesmal um einen Test mit hoch angereichertem Uran handeln könnte. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea seit Jahren heimlich waffenfähiges Uran anreichert. Entscheidend wird sein, wie weitreichend und technisch fortgeschritten der Test war. Sollte sich herausstellen, dass Nordkorea waffenfähiges Uran herstellen kann, dürften die Alarmglocken schrillen.

Wo wurde der Test vorgenommen?

Die Tests 2006 und 2009 fanden auf dem im Nordosten gelegenen Teststützpunkt Punggye Ri statt, ebenso wurde das Zentrum der heutigen Explosion nun dort lokalisiert. Das abgelegene bergige Gelände liegt rund hundert Kilometer von der Grenze zu China entfernt und verfügt über drei Testtunnel – von denen zwei 2006 und 2009 verwendet wurden. Die Anlage wurde von Spionage-Satelliten eingehend beobachtet und dokumentiert, insbesondere in den vergangenen Wochen.

Welche Konsequenzen wird der neuerliche Test haben?

Ein Atomtest Nordkoreas gibt immer Anlass zur Sorge. Der Test wird genau ausgewertet werden, allerdings dürfte ein gut ausgeführter unterirdischer Test nur wenig Hinweise liefern, um die Angaben Nordkoreas zu bestätigen oder zu widerlegen. Angesichts eines fehlenden Trägersystems dürfte der Test das militärische Gleichgewicht in der Region kurzfristig nicht gefährden. Allerdings sagen Beobachter, dass es schwieriger wird, Nordkorea von seinem Atomprogramm abzubringen, je weiter dieses voranschreitet. Mit dem jüngsten Test schwinden zugleich die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Atomgespräche.

Wie ist der Raketentest vom Dezember zu werten?

Mitte Dezember schoss Nordkorea eine Langstreckenrakete ab – nach offiziellen Angaben, um einen Beobachtungssatelliten zur Forschung ins All zu befördern. Der Westen vermutete dahinter aber einen unzulässigen Raketentest für das Atomprogramm, der UNO-Sicherheitsrat verhängte daher Sanktionen. Der Test gilt als Fortschritt und zeigte, dass Nordkorea ein Objekt ins All befördern kann. Jedoch kann es nicht zur Erde zurückgebracht werden. Experten zufolge ist Nordkorea von einer funktionierenden Interkontinentalrakete noch Jahre entfernt.

Welche Reaktion ist von der UNO zu erwarten?

Bereits kurz nach den ersten Berichten über die Explosion vom Dienstag erklärten Diplomaten, dass der UNO-Sicherheitsrat zusammenkommen werde. In der UNO-Resolution zur Verurteilung des Raketentests vom Dezember war bereits von «entschiedenen Massnahmen» die Rede, sollte Nordkorea tatsächlich einen neuen Atomtest vornehmen. China drohte Nordkorea mit einer Reduzierung der Wirtschaftshilfen, allerdings weiss auch Peking, dass seine Druckmittel beschränkt sind. Zu befürchten ist eine Destabilisierung der Region mit unvorhersehbaren Folgen.

Ist Nordkorea offizielle eine Atommacht?

Noch nicht. Zwar bezeichnet sich das Land seit vergangenem Jahr in seiner Verfassung selbst als Atommacht. Ausserdem nahm Nordkorea bereits 2006 und 2009 Atomwaffentests vor. Das Land ist also im Besitz von Nuklearwaffen, allerdings ist bislang nicht bewiesen, dass es auch über ein funktionierendes Trägerssystem – etwa Interkontinentalraketen oder U-Boote – dafür verfügt. Nordkorea war zudem bislang nicht in der Lage, einen Sprengkopf herzustellen, der atomar bestückt und auf einer Rakete platziert werden kann.

AFP/mw

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