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Düstere Prognose für Afghanistan

Bei einem Zwischenfall an einem Kontrollposten in Afghanistan stirbt ein US-Soldat. Damit steigt die Zahl der getöteten US-Soldaten seit Kriegsbeginn auf 2000. Experten prognostizieren eine weitere Zunahme interner Angriffe.

Neue Marke erreicht: Soldaten drapieren eine Flagge über einen gefallenen Soldaten. (Archivbild vom 29. Juli 2010)
Neue Marke erreicht: Soldaten drapieren eine Flagge über einen gefallenen Soldaten. (Archivbild vom 29. Juli 2010)
AFP

Elf Jahre nach Kriegsbeginn ist die Zahl der getöteten US-Soldaten in Afghanistan auf 2000 gestiegen. Das geht aus einer Zählung der Nachrichtenagentur AP hervor, nachdem die US-Streitkräfte heute den Tod eines US-Soldaten bestätigten. Ein Sprecher der Provinzregierung sagte, der Zwischenfall habe sich an einem Kontrollposten der Nationalarmee in der Provinz Wardak im Osten des Landes ereignet.

Zuvor erklärte die Nato, einer der Soldaten des Bündnisses und ein ziviler Auftragnehmer seien gestern mutmasslich von einem Mitglied der afghanischen Sicherheitskräfte getötet worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden dabei auch drei afghanische Soldaten getötet. Unklar blieb, ob der Täter unter ihnen war. Die Zahl der Isaf-Soldaten, die in diesem Jahr Angriffen aus den eigenen Reihen zum Opfer fielen, stieg auf über 50 (In der Nato auch «Green on Blue» genannt, s. Grafik).

Die Vorfälle haben zugenommen und gelten als eine der grössten Herausforderungen für die Nato-Mission. Die Angriffe afghanischer Soldaten oder Extremisten, die sich als solche ausgeben, säen Misstrauen gegenüber den afghanischen Sicherheitskräften. Wobei die gute Zusammenarbeit mit den Afghanen vor dem geplanten Ende der Isaf-Mission Ende 2014 ein zentraler Teil der Nato-Strategie ist. Der von den USA angeführte Militäreinsatz in Afghanistan begann am 7. Oktober 2001.

Karzai auf Machterhalt aus

Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) zeichnet jedoch nach Informationen des deutschen Nachrichtenmagazins «Spiegel» ein pessimistisches Bild von der Lage in Afghanistan. Das Nachrichtenmagazin zitierte heute in einer Vorabmeldung aus einem internen BND-Bericht mit dem Titel «Afghanistan bis zum Jahr 2014 – eine Prognose».

Die deutschen Geheimdienstler werfen darin dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai vor, sich nur auf den eigenen «Machterhalt» zu konzentrieren. Wichtige Reformen und der Kampf gegen die Korruption würden dagegen vernachlässigt. Karzai versucht laut dem BND, seinen älteren Bruder Abdul Qayum bei der geplanten Präsidentschaftswahl im Jahr 2014 als Kandidaten durchzusetzen.

«Korruptionsanfälligkeit und Nepotismus»

Auf diese Weise wolle der Amtsinhaber «die Wahrung der familiären Interessen und den Machterhalt» absichern. Nach Einschätzung des deutschen Geheimdienstes wird die Entwicklung Afghanistans auch in Zukunft gebremst durch die «Korruptionsanfälligkeit, die persönliche Vorteilsnahme Einzelner und Nepotismus».

Die Zahl der Angriffe von Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskräfte auf Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppen wird dem Bericht zufolge weiter zunehmen. Nach Einschätzung der deutschen Geheimdienstler würden überdies auch nach dem geplanten Abzug der Internationalen Isaf-Truppe bis Ende 2014 bis zu 35'000 ausländische Soldaten in Afghanistan gebraucht. Dabei handele es sich um Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte, Kampftruppen zum Schutz der Ausbilder und um Spezialeinheiten zur Jagd auf Rebellenmilizen.

dapd/kle

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