Dutzende Opfer bei Fabrikfeuer in Indien

Ein Brand in einer illegalen Fabrik in Delhi hat Wanderarbeiter im Schlaf überrascht. Mindestens 43 Menschen sind ums Leben gekommen.

43 Menschen starben: Eine Frau beweint einen Angehörigen vor einem Leichenschauhaus in Delhi. Foto: Adnan Abidi (Reuters)

43 Menschen starben: Eine Frau beweint einen Angehörigen vor einem Leichenschauhaus in Delhi. Foto: Adnan Abidi (Reuters)

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Ein Kurzschluss war offenbar verantwortlich für einen der schlimmsten Brände in Indiens Hauptstadt Delhi, bei dem gestern mindestens 43 Menschen starben. Es traf vor allem Wanderarbeiter aus dem armen östlichen Bundesstaat Bihar, die auf der Suche nach einem Job nach Delhi gekommen waren und in einer illegal betriebenen Fabrik schliefen, als das Feuer zwischen vier und fünf Uhr morgens ausbrach. Gegen den Besitzer des Gebäudes in der Altstadt wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Wie die Zeitung «Times of India» berichtete, war der Mann zunächst geflohen, konnte aber am späten Nachmittag festgenommen werden.

Ein erster Alarm war bei der Feuerwehr gegen 5.20 Uhr morgens eingegangen, doch in den engen Gassen ist der Zugang für die Löschfahrzeuge schwierig. Die Rettungsarbeiten waren auch deshalb mühsam, weil die Feuerwehrleute erst Gitter vor den Fenstern beseitigen mussten, um überhaupt ins Innere zu gelangen. Dennoch konnten die Rettungsmannschaften 63 Überlebende bergen, sie wurden mit Brandwunden und Rauchvergiftungen in Spitäler eingeliefert.

Die meisten Opfer starben am Rauch, wie der Chefarzt eines Spitals mitteilte.

Rajesh Shukla war der erste Feuerwehrmann im Gebäude, er allein rettete 11 Menschen aus dem Feuer, bevor er sich an den Beinen verletzte. Die Feuerwehrleute mussten jeden Arbeiter einzeln aus dem vierstöckigen Gebäude ins Freie schleppen.

Die meisten Opfer starben am Rauch, wie der Chefarzt eines Spitals mitteilte. Im Inneren der Fabrik lagerte offenbar auch sehr viel Kunststoff, was die Entwicklung giftigen Qualms noch erheblich verstärkte.

Die Arbeiter sollen kaum mehr als zwei Dollar am Tag verdient haben und die Fabrik auch nachts nicht verlassen haben.

Das Unternehmen produzierte vor allem Papier, aber auch Hand- und Schultaschen für den lokalen Markt in Indien. Die Arbeiter sollen kaum mehr als zwei Dollar am Tag verdient haben und die Fabrik auch nachts nicht verlassen haben, hiess es in Medienberichten.

Viele kleinere Fabriken und Werkstätten in der Hauptstadt werden illegal betrieben, ihre Besitzer bestechen die Behörden, um ausserhalb der ausgewiesenen Industriegebiete Gebäude für ihre Produktion zu nutzen. Dabei werden Bauvorschriften oft nicht eingehalten, die Elektrik wird fahrlässig verlegt, und die Kontrollen sind mangelhaft. Die notwendigen Brandschutzpapiere fehlten auch dem jetzt abgebrannten Gebäude.

In den sozialen Medien entlud sich der Ärger über den Mangel an staatlicher Aufsicht, über Fahrlässigkeit und die grassierende Korruption, die solche Unfälle erst möglich machten.

Erstellt: 08.12.2019, 19:02 Uhr

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