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In Südkorea gilt Kim nicht als verrückt

Asienkorrespondent Christoph Neidhart über Nordkoreas nukleare Drohungen.

Zuweilen scheint es, die Aufregung über Nordkorea werde umso grösser, je weiter weg das isolierte Land liegt. In Südkoreas Hauptstadt Seoul, 40 Kilometer südlich der innerkoreanischen Grenze, nehmen die Menschen es kaum zur Kenntnis, wenn Pyongyang wieder eine Rakete abschiesst. Das Agenturbild von Südkoreanern, die den Start auf einem Bildschirm verfolgen, stammt vom immer gleichen Fernseher im Hauptbahnhof Seoul.

Manche Leute werfen den Südkoreanern vor, sie ignorierten die Gefahr aus dem Norden. Die endlosen Provokationen und die Propaganda hätten sie abgestumpft. Oder sogar, sie liessen sich einlullen von der Linken, der Südkoreas Konservative vorwerfen, sie sei «pro Pyongyang».

In der Tat fühlt es sich in Seoul an, als sei der Bruderstaat im Norden weiter weg als Zürich. Ausserdem versieht Nordkorea seine oft surrealen Drohungen – etwa, es werde Seoul in ein Feuermeer verwandeln – meist mit Nebensätzen wie «falls dies oder das geschehe». Die Agenturen lassen das weg, und Nordkoreas martialischer Ton richtet sich ans eigene Volk.

12'000 Artilleriekanonen und 2300 Raketenwerfer

In Südkorea gilt Kim nicht als verrückt. Er spielt seine schlechten Karten gut. Die meisten halten ihn auch nicht für so selbstmörderisch, dass er sein Regime ins Verderben stürzen würde. Dabei kann Seoul durchaus nervös werden, wie etwa während der ersten Nuklearkrise 1994. Und ein wenig auch nach Präsident Donald Trumps Amtsantritt. Nordkoreas angebliche Fortschritte im Raketenbau jedoch ändern für die Leute in Seoul wenig. Die Hauptstadt liegt so nahe an der Grenze, dass Nordkorea keine Raketen brauchte, um sie zu zerstören. Seine 12'000 Artilleriekanonen und 2300 Raketenwerfer genügten.

Wenn Nordkorea das US-Festland mit einer Rakete treffen könne, heisst es, wäre Washington nicht mehr bereit, Südkorea zu verteidigen. Doch viele Südkoreaner zweifeln schon heute an der Bereitschaft der Amerikaner, für sie in den Krieg zu ziehen. In einen Krieg, der am ehesten durch ein fatales Missverständnis vom Zaun gebrochen würde. Ein solches ist mit Trump im Weissen Haus wahrscheinlich geworden.

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