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Eine Million Kirgisen sind auf der Flucht

In den Unruhegebieten des Landes werden Trinkwasser und Nahrung knapp. Die USA und Russland drücken gemeinsam ihre Sorge über die Gewalteskalation in Kirgisien aus.

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In Kirgisien sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Million Menschen von der Gewalt direkt oder indirekt betroffen. Rund 300'000 Menschen sind nach dieser Einschätzung ins benachbarte Usbekistan geflohen, 700'000 verliessen ihr Zuhause, um woanders im Land Zuflucht zu suchen.

«Die Lager sind überfüllt», sagte Andreas Bründer, der für Ärzte ohne Grenzen MSF die Hilfe in Usbekistan koordiniert. Wasser und sanitäre Anlagen reichten vermutlich schon bald nicht mehr aus. Unterdessen trafen weitere Hilfslieferungen ein. Russland schickte erneut drei Flugzeuge mit insgesamt 120 Tonnen Nahrung, Medikamenten und Zelten an Bord. Ein Hilfsflug des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) traf am Sonntag in Osch ein. Die UNO will von ihren Mitgliedern 71 Millionen Dollar verlangen. Damit solle den insgesamt mehr als eine Million Betroffenen geholfen werden.

Nach den ethnischen Unruhen mit schätzungsweise 2000 Toten bleibt die Lage in dem zentralasiatischen Land gespannt. Der Ausnahmezustand in der grösstenteils zerstörten Stadt Osch im Süden wurde bis 25. Juni verlängert. Das teilte die Interimsregierung in der Hauptstadt Bischkek am Sonntag mit. «Es gibt gewaltige Sicherheitsprobleme», sagte auch Alexandre Baillat von MSF. Trinkwasser und Nahrungsmittel seien rar.

Geld aus Washington

Der US-Diplomat Robert Blake forderte bei einem Besuch im Konfliktgebiet eine internationale Untersuchung der Zusammenstösse zwischen Kirgisen und der Minderheit der Usbeken. Bischkek müsse «eine Atmosphäre von Vertrauen und Sicherheit schaffen, damit die Flüchtlinge aus Usbekistan und innerhalb des Landes nach Hause zurückkehren können».

Washington stockte seine Hilfe von 5 auf 32 Millionen Dollar auf. «Wir hoffen, dass diese Unterstützung denjenigen helfen wird, die von dieser Tragödie betroffen sind», sagte Blake am Samstag nach einem Treffen mit Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa.

Clinton telefonierte mit russischem Aussenminister

Die USA und Russland äusserten sich «beunruhigt» über die Lage in Kirgisien. US-Aussenministerin Hillary Clinton telefonierte am Sonntag mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow.

Bei dem Gespräch hätten Clinton und Lawrow ihre «Besorgnis über die jüngste Gewalt und die andauernden Spannungen zwischen den Volksgruppen geteilt», hiess es in einer Erklärung des US-Aussenministeriums in Washington. Die beiden Länder wollten auch ihre humanitäre Hilfe für die Betroffenen in der Region koordinieren.

Ermittlungen wegen Mordes

Die Behörden in Osch eröffneten Dutzende Ermittlungsverfahren wegen Mordes und Brandstiftung. Nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Kanbolot Tutujew fuhren am Sonntag in einigen Regionen wieder öffentliche Busse. Auch Märkte hätten geöffnet, sagte er der kirgisischen Agentur Akipress.

Die Armee beseitigte in Osch Barrikaden rings um die von Usbeken bewohnten Viertel; mancherorts halfen usbekische Einwohner, die aus Autowracks, Betonteilen und Bäumen errichteten Sperren wegzuschaffen.

Verdacht gegen gestürzten Präsidenten

Übergangspräsidentin Otunbajewa hält an einer für den 27. Juni geplanten Volksabstimmung über eine neue Verfassung fest. «Das wird auch ein Votum über meine Politik», sagte sie dem Magazin «Der Spiegel». «Danach werden wir freie Wahlen organisieren, zunächst für das Parlament, dann für das höchste Amt im Staat.»

Die kirgisische Übergangsregierung macht den im April gestürzten und nach Weissrussland geflohenen Präsidenten Kurmanbek Bakijew für die schweren Zusammenstösse in der früheren Sowjetrepublik verantwortlich.

(SDA)

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