Zum Hauptinhalt springen

Er hat die Hölle von innen gesehen

Ahn Myong-chol war Wächter im Gulag in Nordkorea. Sieben Jahre lang diente er im Lager 22 bei Hoeryong – bis zu seiner Flucht. Nun erzählt er seine Geschichte.

Ahn Myong-chol ist ein wichtiger Zeuge im ersten Menschenrechtsbericht der UNO zu Nordkorea. Heute befasste sich der Menschenrechtsrat in Genf mit dem Regime in Pyongyang.
Ahn Myong-chol ist ein wichtiger Zeuge im ersten Menschenrechtsbericht der UNO zu Nordkorea. Heute befasste sich der Menschenrechtsrat in Genf mit dem Regime in Pyongyang.
Olivier Vogelsang/Tribune de Genève
Das Buch «Evidence Jeongeori Prison» enthält Zeichnungen, die aufgrund von Erzählungen ehemaliger nordkoreanischer Häftlinge angefertigt wurden. Die Zeichnungen dokumentieren die Menschenrechtsverletzungen in den geheimen Straflagern in Nordkorea, wie zum Beispiel Foltermethoden des Regimes. Die Menschenrechtskommission der UNO verwendete unter anderem auch diese Zeichnungen als Beweismittel.
Das Buch «Evidence Jeongeori Prison» enthält Zeichnungen, die aufgrund von Erzählungen ehemaliger nordkoreanischer Häftlinge angefertigt wurden. Die Zeichnungen dokumentieren die Menschenrechtsverletzungen in den geheimen Straflagern in Nordkorea, wie zum Beispiel Foltermethoden des Regimes. Die Menschenrechtskommission der UNO verwendete unter anderem auch diese Zeichnungen als Beweismittel.
Kim Kwang-il/OHCHR
Trotz strenger Kontrollen in den nordkoreanischen Straflagern gelang es manchen Insassen, codierte oder geheime Botschaften an die Aussenwelt zu schicken. Beispielsweise war bei einem Brief an Familienangehörige in Japan die Klebeseite der Briefmarke beschriftet  – dort war zu lesen, wie schlimm die Zustände in Nordkoreas Lager wirklich sind.
Trotz strenger Kontrollen in den nordkoreanischen Straflagern gelang es manchen Insassen, codierte oder geheime Botschaften an die Aussenwelt zu schicken. Beispielsweise war bei einem Brief an Familienangehörige in Japan die Klebeseite der Briefmarke beschriftet – dort war zu lesen, wie schlimm die Zustände in Nordkoreas Lager wirklich sind.
OHCHR
1 / 9

Friedrich Dürrenmatt hat die Schweiz als Gefängnis bezeichnet, in dem die Schweizer zugleich als Gefangene und als Wärter leben. In Nordkorea ist das, was Dürrenmatt für die Schweiz gesagt hat, kein Gedankenspiel, sondern Realität. Eine unglaublich brutale Realität.

Ahn Myong-chol war Wärter in mehreren politischen Gefängnissen in Nordkorea. Das war vor 20 Jahren, doch noch immer plagen ihn Albträume. «Gerade gestern hatte ich wieder einen», sagt er beim Gespräch in der Lobby eines Genfer Konferenzzentrums. «Selbst wenn ich hier durch die Strasse gehe, sehe ich neben mir Geister mit bekannten Gesichtern.» Es sind die Gesichter der Häftlinge, vor allem aus dem Lager 22 bei Hoeryong im Nordosten Nordkoreas, wo Ahn sieben Jahre als Wachsoldat gedient hat bis zu seiner Flucht im Herbst 1994.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.