Veganerin stirbt am Everest – sie wollte der Welt etwas beweisen

100 Höhenmeter unter dem Gipfel kehrte Maria Strydom um. Ihr Mann erreichte das Ziel, seine spätere Hilfe kam aber zu spät.

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Sie starb, als sie beweisen wollte, was eigentlich längst bewiesen ist. Maria Strydom, eine ­34-jährige Uni-Dozentin aus Australien, erlag am Wochenende in der Todeszone am Mount Everest der Höhenkrankheit. Die Expedition auf den höchsten Punkt der Erde hatte sie unternommen, «um zu beweisen, dass Veganer alles können – und noch mehr». Das hatte sie dem Blog ihrer Universität in Melbourne kurz vor ihrem Aufbruch nach Nepal gesagt. Die Leute hätten diese verzerrte Idee, dass Veganer unterernährt und schwach seien.

Jetzt gehört Strydom zu den ersten drei Everest-Toten dieser Besteigungssaison. Laut einer offiziellen Mitteilung ihres Expeditions­leiters Arnold Coster war Marisa, wie sie von ihren Freunden gerufen wurde, lang problemlos auf der Südroute zum Everest unterwegs. Die Gruppe profitierte vom guten Wetter in der Nacht auf letzten Freitag. Sie machte sich vom obersten Lager am South Col zum Gipfel auf. Die anderen Gipfelstürmer und Sherpas waren plangemäss unterwegs, aber Strydom wurde immer langsamer. Morgens um 8 Uhr, nur 100 Höhen­meter unter dem Ziel, beschloss sie umzukehren. Begleitet von einem Sherpa machte sie sich auf den Abstieg. Sie wurde aber immer langsamer, wirkte verwirrt und konnte sich schliesslich kaum noch fortbewegen. Es dauerte bis am nächsten Morgen um 2 Uhr, bis sie wieder im Lager IV ankam, 31 Stunden nach dem Aufbruch.

Mit Medikamenten und zusätzlichem Sauerstoff versorgt, erholte sich Strydom. Am nächsten Tag begann sie den weiteren Abstieg. Aber zwei Stunden später kollabierte sie in der Gegend des Genfer Sporns, einer markanten Fels- und Eisformation, deren Name von der Schweizer Everest-Expedition von 1958 herrührt. Ihr Mann, Robert Gropel, der den Gipfel erreicht hatte, war bei ihr, aber konnte ihr nicht mehr helfen. Der Tod ist wahrscheinlich auf die Höhenkrankheit zurückzuführen, die viele Bergsteiger unabhängig von Training und Konstitution befällt. Noch ist nicht einmal sicher, ob man Marisa Strydoms Leiche aus der Todeszone bergen kann. Viele der bisher über 200 Everest-Toten liegen noch am Berg.

Es gibt viele Gründe, mit einer Everest-Besteigung etwas zu beweisen. Am Tag vor Strydoms Tod gelang sie einem Engländer mit Zystischer Fibrose, einer Stoffwechselkrankheit, die die Lunge schwächt. Auch Blinde, Bein- und Handamputierte kamen schon sicher vom Berg zurück. Als Veganerin hätte Strydom aber nichts mehr zu beweisen gehabt. Eine der bekanntesten Höhenbergsteigerinnen, die 45-jährige Öster­reicherin Gerlinde Kaltenbrunner, ernährt sich seit vielen Jahren vegan. Und sie hat schon sämtliche 14 Gipfel über 8000 Meter bestiegen, alle ohne Sauerstoffflaschen. Aber die wichtigste Motivation für ein Everest-Abenteuer ist immer der eigene Ehrgeiz.

Erstellt: 24.05.2016, 10:28 Uhr

Maria Strydom gehört zu den ersten drei Everest-Toten dieser Besteigungssaison. Foto: Chris Miller

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