Faule Äpfel

Apple knickt vor Chinas Zensoren ein. Das hat bei den grossen US-Techkonzernen Tradition. Das Sündenregister.

Erst das Fressen, dann die Moral: China ist inzwischen der zweitwichtigste Markt für Apple.

Erst das Fressen, dann die Moral: China ist inzwischen der zweitwichtigste Markt für Apple. Bild: Keystone

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Chinas Führung sei daran, eine grosse Dunstglocke über das Land zu legen, berichtet unser Korrespondent Kai Strittmatter aus Peking. Nein, er schreibt nicht über Smog, sondern über Zensur. In China bereitet sich Staatschef Xi Jinping gerade auf den Parteitag der Kommunisten vor – neben der Beseitigung von unliebsamen Konkurrenten gehört da auch dazu, dass das chinesische Internet noch stärker abgeschottet wird als bisher.

Die traurige Wahrheit ist, dass Xi dabei tatkräftige Unterstützung von Techgiganten aus dem Westen erhält. Das jüngste Beispiel: Am Wochenende wurde bekannt, dass Apple auf Befehl von Peking Dutzende Programme aus seinem China-Store gelöscht hat, die bislang das Umgehen der Zensur ermöglicht haben. Apple ist damit in «bester» Gesellschaft. Hier ein kurzes, unvollständiges Sündenregister:

  • Apple: Bleiben wir noch bei den Damen und Herren aus Cupertino. Anfang Jahr hat der Konzern auf Druck Chinas schon die der «New York Times» aus seinem China-Store entfernt – und zwar die chinesische und die englische Version. Ebenfalls bekannt ist, dass Apple derzeit in China ein Datencenter baut. Apple muss – wie andere ausländische IT-Unternehmen auch – künftig persönliche Daten ihrer chinesischen Kunden in China selber speichern.
  • LinkedIn: Das Netzwerk zur Pflege von Geschäftskontakten ist ziemlich erfolgreich in China. Warum lässt Peking das zu? Weil es sich schon seit Jahren an die Regeln der chinesischen Zensoren hält. LinkedIn, das heute Microsoft gehört, ist damit so etwas wie ein Ursünder. Einer der schärfsten Konkurrenten von LinkedIn ist dagegen in China blockiert: das Netzwerk Xing.
  • Microsoft: LinkedIn-Mutter Microsoft hat unlängst selber einen grossen Schritt auf China zugemacht. Im Mai gab der Konzern die Lancierung eines speziellen China-Windows für die Regierung bekannt. Verschlüsselungstechniken made in China inklusive. Einige Jahre zuvor hatte China seinen Beamten den Einsatz von Windows verboten.
  • Facebook: Seit bald zehn Jahren ist auch Facebook in China gesperrt. Das hält Gründer Mark Zuckerberg aber nicht davon ab, sich in Peking anzubiedern. Der peinliche Höhepunkt: Vor einem Jahr rannte er demonstrativ ohne Schutzmaske durch die smoggeplagte chinesische Hauptstadt. Diese und andere Versuche haben an der Facebook-Sperre jedoch nichts geändert.
  • WhatsApp: In China aktiv ist dagegen die Facebook-Tochter Whatsapp. Unklar ist jedoch, wie hier die Geschichte weitergeht: Seit einigen Tagen werden Fotos, Videos und Sprachnachrichten auf Whatsapp von der chinesischen Zensurbehörde blockiert. Textnachrichten sollen weiterhin verschickt werden können.
  • Google ist seit 2010 raus

    Nicht alle US-Techgiganten knicken vor China ein. Google hat sich bereits Anfang 2010 aus dem Land zurückgezogen. Zu einem Zeitpunkt, als die Zensur im Land noch deutlich milder war als heute. Das Beispiel Google machte jedoch nicht Schule.

    Warum nicht? Kurz gesagt: Xi Jinping und seine Partei sind am längeren Hebel. China ist nicht nur ein sehr grosser, sondern auch ein brutaler Markt für Techfirmen. Die US-Konzerne sind hier mit unzähligen einheimischen Konkurrenten konfrontiert, die noch weniger Skrupel haben, mit dem Regime zu kooperieren.

    Mächtiger als die meisten seiner Vorgänger: Chinas Staatschef Xi Jinping an einer Militärparade am Sonntag. (Bild: Keystone, 30. Juli 2017)

    Erstellt: 31.07.2017, 11:44 Uhr

Die chinesische Regierung will die Medien und das Internet zukünftig noch strenger zensieren. (Video: Reuters )

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