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Fukushimas nächste Katastrophe

Leckende Tanks und tödliche Strahlenwerte: In Fukushima wird die Lagerung des verstrahlten Kühlwassers zur grossen Herausforderung. Laut Experten war das Problem absehbar und dürfte noch grösser werden.

Die Tanks mussten innert kürzester Zeit bereit sein: Japanische Regierungsmitglieder besichtigen die Lagerstätte für verstrahltes Kühlwasser.
Die Tanks mussten innert kürzester Zeit bereit sein: Japanische Regierungsmitglieder besichtigen die Lagerstätte für verstrahltes Kühlwasser.
Keystone

Gleich zwei Hiobsbotschaften musste Tepco am Wochenende aus Fukushima verkünden: Die Strahlung um die Wassertanks, die vor zwei Wochen leckten, ist mit 1800 Millisievert pro Stunde 18-mal höher, als man bisher meinte. Zudem entdeckte der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks an einer Leitung zwischen zwei Kühltanks ein weiteres Leck.

Die beiden Meldungen aus Fukushima dürften nicht die letzten dieser Art gewesen sein, befürchten kritische Stimmen aus Japan. Ein Arbeiter, der am Bau der Tanks für das verstrahlte Kühlwasser beteiligt war, fand gegenüber «Kyodo News» deutliche Worte: Der rasche Bau der Tanks sei 2011 wichtiger gewesen als die Qualität.

Gefahr von Lecks war bekannt

«All diese Tanks sind Behelfskonstruktionen, deren Zustand sich über die Jahre verschlechtern wird; es wird mehr solche Lecks geben», so der Mann, der anonym bleiben wollte. Für ihn kämen die Probleme in Fukushima auch nicht überraschend. Die Angst vor künftigen Lecks sei schon während der Bauphase der Tanks allgegenwärtig gewesen.

Die Aussagen des Arbeiters unterschreibt auch ein Experte für Nuklearenergie und Berater der japanischen Regierung im «Telegraph»: «Zahlreiche Personen in unseren Reihen wussten, dass es früher oder später zu diesen Lecks kommen würde. Radioaktives Wasser in Stahltanks, da ist die Katastrophe programmiert.» Auch der Experte gab der britischen Zeitung nur anonym Auskunft.

Hauptproblem der Konstruktionen ist laut BBC, dass Tepco aus Zeitgründen Verbindungsstellen nicht verschweisste, sondern mit Nieten verband. Die Stellen wurden dann mit Dichtungen aus Plastik abgeschlossen.

Unebener Boden

Schwierigkeiten bereitet offenbar auch der Untergrund, auf dem ein Teil der Behälter steht. «Es ist höchst beunruhigend, dass grosse mit Wasser gefüllte Tanks in einem Erdbebengebiet auf unebenem Boden aufgestellt wurden», so der Experte des «Telegraph». Jener Tank etwa, aus dem vor zwei Wochen rund 300 Tonnen verstrahltes Wasser auslief, hatte offenbar schon kurz nach dem Aufbau für Probleme gesorgt: Der Tank musste demontiert und neu aufgebaut werden, weil er sich stark abgesenkt hatte.

Werde das Gebiet von einem starken Erdbeben erschüttert, müsse man zudem mit starkem Schwappen in den Tanks rechnen. «Entsteht eine harmonische Welle, kommt es zur Katastrophe.»

Tepco lagert heute bereits 300'000 Tonnen verstrahltes Wasser in Fukushima. Bis in drei Jahren soll die Kapazität auf 800'000 Tonnen erhöht werden.

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