Geheimdienstchef in offizieller Mission

Südkorea schickt eine Delegation nach Nordkorea – ganz im Kontrast zu Donald Trump, der keine Leute hat, die mit Pyongyang verhandeln könnten.

Südkoreas Geheimdienstchef Suh Hoon. Bild: Reuters/Jung Yeon-Je

Südkoreas Geheimdienstchef Suh Hoon. Bild: Reuters/Jung Yeon-Je

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Südkoreas Präsident Moon Jae-in schickt eine hochrangige Delegation nach Pyong­yang, die an seine Treffen mit nordkoreanischen Offiziellen am Rande der Olympischen Winterspiele anknüpfen soll. Sie soll das Gespräch fortsetzen, wie man «auf der koreanischen Halbinsel Frieden schaffe» und «die Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea entwickeln» könne. Geleitet wird die fünfköpfige Delegation von Moons Geheimdienstchef Suh Hoon und dem Leiter des Nationalen Sicherheitsbüros Chung Eui-yong. Das gab das Blaue Haus, der Amtssitz des Präsidenten, am Sonntag bekannt.

Die fünf Südkoreaner fliegen an diesem Montag mit einer Sondermaschine nach Pyongyang, sie werden zwei Tage bleiben. Ihr wichtigster Auftrag ist es, mit dem Regime im Norden «darüber zu diskutieren, wie man die richtigen Bedingungen für einen Dialog zwischen Nordkorea und den USA schaffen» könne, so das Blaue Haus weiter.

USA haben noch keinen Botschafter ernannt

Allerdings fehlen Washington die Diplomaten für einen solchen Dialog. US-Präsident Donald Trumps Sonderbeauftragter für Nordkorea, Joseph Yun, der selbst während der Krise voriges Jahr in Oslo Geheimgespräche mit Nordkorea führte, ist am Freitag völlig überraschend zurückgetreten. Der 63-Jährige gehe «aus persönlichen Gründen» in den Ruhestand, hiess es offiziell.

Die «Washington Post», die Yun noch am Montag interviewt hatte, schrieb jedoch, der Karrierediplomat, der sich stets für Verhandlungen mit Nordkorea eingesetzt hatte, habe «wie viele Diplomaten» aus Frustration über Trump aufgegeben. Zumal der US-Präsident noch immer keinen Botschafter für Südkorea ernannt hat. Der ehemalige Nordkorea-Unterhändler Christopher Hill schimpfte vorige Woche, bei den Beziehungen zu Südkorea gehe es nicht «um ein paar Tweets» und Geschäfte, die Allianz sei für beide Seiten wichtig. «Aber für Diplomatie braucht man normalerweise Diplomaten.»

Strategie der «blutigen Nase»

Eigentlich hätte Victor Cha Botschafter in Seoul werden sollen, einst Bushs Nordkorea-Berater. Cha ist wie Yun in Südkorea geboren. Aber er hatte sich in Gesprächen mit der Trump-Administration gegen die Strategie einer «blutigen Nase» ausgesprochen. Das kostete ihn die Nomination.

Unter der «blutigen Nase» versteht man im Weissen Haus einen limitierten Militärschlag gegen nordkoreanische Atom- und Raketenanlagen. Damit, so die Theorie, könnte Washington den Diktator Kim Jong-un mit Stärke und Entschlossenheit derart einschüchtern, dass er seine Atomwaffen und Raketen aufgebe und an den Verhandlungstisch komme. Denn damit müsse er einsehen, dass tatsächlich «alle Optionen auf dem Tisch» seien und die Vereinigten Staaten von Amerika bereit seien zum offenen Krieg. Victor Cha hält dem entgegen, es sei unmöglich, das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas auszuschalten, die Anlagen seien weit verteilt und tief im Boden verbunkert. Pyongyang wäre nach einem Schlag gefährlicher als je zuvor, so Cha, und eher bereit, Atomwaffen an Drittländer oder Terroristen zu verkaufen.

Erstellt: 04.03.2018, 20:59 Uhr

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