Geklonte Hunde sind nur der Start

Der Betrüger Hwang Woo-suk hilft beim Bau einer Tierfabrik.

Geniestreich eines Betrügers: Hwang Woo-Suk ist Meister im Hundeklonen.

Geniestreich eines Betrügers: Hwang Woo-Suk ist Meister im Hundeklonen. Bild: Park Ji-Ho/Keystone

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Die Schlagzeilen waren grossartig. Und erschreckend. In China soll die «weltgrösste Klon-Fabrik» entstehen – mit dem nur sehr vorläufigen Ziel, jährlich 100'000 Rinder industriell zu reproduzieren. Im globalen Staunen ging eines unter: Mit den dreisten Plänen verknüpft ist das erstaunliche Comeback eines Betrügers. Um ihre Tierfabrik zum Laufen zu bringen, sind die Chinesen auf die Hilfe des Südkoreaners Hwang Woo-suk angewiesen. Dem einstigen Tierarzt war vor zehn Jahren die unverschämteste Fälschung in der Geschichte der Genetik nachgewiesen worden.

Hwang hatte als Genie gegolten. Er behauptete, es sei ihm als Erstem gelungen, einen menschlichen Embryo zu klonen. Seine Forschungsergebnisse kamen auf die Frontseite der Wissenschaftszeitschrift «Science». Die Welt bewunderte – oder verdammte – den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Selfmade-Frankenstein. Ein Nobelpreis galt als sicher. Hwang wurde in Kinderbüchern und auf Briefmarken verewigt. Kritik galt in Südkorea als Zeichen von mangelndem Patriotismus.

2005 säte ein Mitarbeiter erste Zweifel. Hwangs Daten erwiesen sich als gefälscht. Die einzigen echten Klone in seiner Arbeit über menschliche Embryos waren die kopierten Fotografien, die er als Illustration seinen Forschungsberichten beigelegt hatte. Als eine Untersuchungskommission den Sumpf trockenlegte, kam an den Tag, dass Hwang viel mehr Eizellen benutzte, als er behauptet hatte. Viele stammten aus Quellen, die nicht einmal im fortschrittsseligen Südkorea ethisch zu verantworten sind. Hwang hatte zudem Forschungs­gelder auf sein Privatkonto umgeleitet – als hätte er beweisen wollen, dass er mehr ist als ein fehlgeleiteter Professor. Nämlich ein ganz gewöhnlicher Gauner. Die Kinderbücher wurden eingestampft. Hwang war am Boden, was seinen Ruf anging sowieso, aber auch finanziell.

Im Skandal war nur zu leicht zu übersehen, dass Hwang eines tatsächlich beherrscht: Er kann Hunde klonen wie niemand vor ihm. Ohne zu flunkern. Und darauf baute er seine zweite Karriere. Seine Firma Sooam Biotech hat Hunderte von Hunden kopiert. Hwang ist so weit, dass er einem Hundebesitzer für umgerechnet 100'000 Franken eine exakte Kopie seines besten Freundes garantiert.

Das ist die Fähigkeit, für die Hwang jetzt nach China geholt wurde. Das Biotechunternehmen Boyalife liess den heute 62-Jährigen vor den Augen wichtiger Leute wie dem örtlichen Sekretär der Kommunistischen Partei zwei Tibetdoggen klonen. Die Hunde, von denen nur noch wenige reinrassige Exemplare existieren, sind ein Statussymbol. Reiche Chinesen zahlen dafür Fantasiepreise. Damit ist der Anfang gemacht für die geplante Fabrik, in der dann alles, was tierisch, nützlich und lukrativ ist, massenweise reproduziert werden soll.

Erstellt: 01.12.2015, 10:53 Uhr

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