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Gipfelteilnehmer verpflichten sich zur atomaren Abrüstung

Am Nukleargipfel in Seoul haben die Staats- und Regierungschefs ihre Absicht bekräftigt, radioaktives Material besser zu sichern. Auch zivil genutzte Substanzen sollen künftig strenger kontrolliert werden.

Der Gipfel als Plattform fürs Networking: Bundesrat Didier Burkhalter mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak. (27. März 2012)
Der Gipfel als Plattform fürs Networking: Bundesrat Didier Burkhalter mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak. (27. März 2012)
Keystone
Warnte vor der anhaltenden Gefahr des nuklearen Terrorismus: US-Präsident Barack Obama. (27. März 2012)
Warnte vor der anhaltenden Gefahr des nuklearen Terrorismus: US-Präsident Barack Obama. (27. März 2012)
Keystone
Dankte den US-Soldaten: Barack Obama salutiert nach dem Flug in der Marine One. (25. März 2012)
Dankte den US-Soldaten: Barack Obama salutiert nach dem Flug in der Marine One. (25. März 2012)
AFP
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In der Abschlusserklärung des zweitägigen Atomgipfels in Seoul haben sich die Vertreter von mehr als 50 Staaten der atomaren Abrüstung und dem Kampf gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen verpflichtet. Der Atomterrorismus sei eine der grössten Herausforderungen für die internationale Sicherheit, heisst es in dem gestern veröffentlichten Papier.

Die Staaten wurden aufgerufen, bei der Kontrolle radioaktiven Materials enger zusammenzuarbeiten. Die Teilnehmer forderten konkret «energische Massnahmen auf nationaler Ebene und eine internationale Zusammenarbeit» zu diesem Zweck. Die Massnahmen zur Verstärkung der Atomsicherheit bedeuteten «keine Einschränkung des Rechts der Staaten, die Atomenergie zu friedlichen Zwecken zu entwickeln und zu nutzen».

US-Präsident Barack Obama hatte heute in einer Rede explizit vor einer anhaltenden Gefahr durch nuklearen Terrorismus gewarnt: «Die Bedrohung ist weiter da.»

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle hatte zudem dafür geworben, nicht nur atomwaffenfähiges Material in den Blick zu nehmen, sondern auch zivil genutzte Substanzen aus Medizin und Forschung besser zu sichern.

«Missbrauch könnte Hunderte und Tausende töten»

Staats- und Regierungschefs sowie Aussenminister aus mehr als 50 Ländern – darunter Bundesrat Didier Burkhalter – hatten in Seoul über Wege beraten, um ungeschütztes Nuklearmaterial weltweit zu schützen und den illegalen Handel damit einzudämmen. 2010 hatte es auf Obamas Initiative bereits ein erstes Gipfeltreffen dieser Art in Washington gegeben. Damals gaben die Teilnehmerländer das Ziel aus, innerhalb von vier Jahren jegliches atomwaffenfähiges Material auf der Welt zu sichern.

Obama sagte in seiner Rede weiter, in den vergangenen zwei Jahren hätten die beteiligten Staaten auf diesem Weg viele Fortschritte gemacht. Es gebe aber noch immer ungeschütztes atomares Material, das in die Hände von Terroristen gelangen könnte. Hunderte und Tausende Menschen könnten durch den Missbrauch solcher Substanzen getötet werden.

Globale Herausforderung

Die Sicherheit der Welt hänge in dieser Frage vom Handeln der internationalen Gemeinschaft ab, mahnte Obama. Keine Nation könne allein mit dieser Herausforderung fertig werden.

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle mahnte zudem, die Bemühungen nicht auf die Sicherung von atomwaffenfähigem Material zu beschränken. Auch zivil genutzte Substanzen seien eine Gefahr und könnten für «schmutzige Bomben» missbraucht werden, warnte er.

Auch Schutz vor medizinischen Apparaturen

Weniger als zehn Staaten seien im Besitz von Kernwaffen, nur etwa 30 Länder betrieben Atomkraftwerke, aber fast überall auf der Welt gebe es andere Strahlenquellen – in Medizin, Forschung und Industrie. Dieses Material müsse genauso geschützt werden wie etwa gefährliche Abfälle aus Kernkraftwerken.

Risikoreiche Apparaturen sind zum Beispiel Geräte zur Bestrahlung von Krebspatienten, die in vielen Krankenhäusern stehen. Die deutsche Bundesregierung hatte zur Sicherung solcher radioaktiver Quellen ein Papier in die Gipfelverhandlungen eingebracht. Der Vorschlag Deutschlands, auch zivil genutzte Materialien künftig strenger zu kontrollieren, wurde schliesslich in die Abschlusserklärung aufgenommen.

Nächster Gipfel 2014 in den Niederlanden

In der Gipfelerklärung bekennen sich die beteiligten Staaten zu ihrem Ziel, bis 2014 jegliches atomwaffenfähiges Material auf der Welt zu sichern. Neben dem neuen Fokus auf zivil genutzte Substanzen soll auch der Schutz beim Transport von radioaktivem Material verbessert werden, ebenso die Instrumente der nuklearen Forensik, die es möglich machen, die Herkunft solcher Materialien nachzuverfolgen.

Die beteiligten Staaten wünschen sich eine internationale Sicherheitsarchitektur und wollen ihre Bemühungen mit Hilfe der Internationalen Atomenergiebehörde besser koordinieren. Mehr als Willensbekundungen liefert das Abschlussdokument aber nicht. Die Bemühungen sind ausdrücklich freiwillig. Bereits steht der Ort für den nächsten Nukleargipfel fest: Die Niederlande sollen Gastgeber für das Folgetreffen 2014 sein.

dapd/sda/kle

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