Herr über Ölmilliarden

Yassir bin Othman al-Rumayyan, der Vertraute des saudischen Kronprinzen, soll den staatlichen Ölkonzern an die Börse bringen.

Gilt als Vertrauter des saudischen Kronprinzen und fungierte als Berater des Hofs: Yassir bin Othman al-Rumayyan. Foto: AFP

Gilt als Vertrauter des saudischen Kronprinzen und fungierte als Berater des Hofs: Yassir bin Othman al-Rumayyan. Foto: AFP

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Kronprinz Muhammad bin Salman hat kühne Pläne für den Umbau Saudiarabiens. Einer der wichtigsten Männer, die er betraut hat, seine in der «Vision 2030» dargelegten Vorstellungen umzusetzen, ist der frühere Investmentbanker Yassir bin Othman al-Rumayyan. Bislang ist er der Chef des saudischen Staatsfonds PIF, der Fonds ist einer der grössten institutionellen Investoren der Welt. Nun wurde dem 49-Jährigen per königlichem Dekret ein weiterer Job übertragen, der für die Zukunft des Königreichs nicht minder bedeutend ist: Er ist nun auch Präsident des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco und löst in dieser Funktion den Energieminister ab.

Die Firma ist der grösste Ölproduzent der Welt und gilt als profitabelstes Unternehmen; gerade hat sie dem saudischen Staat für das erste Halbjahr 2019 eine Dividende von 20 Milliarden Dollar gezahlt. Die Ernennung Rumayyans gilt als weiteres Zeichen, dass der Kronprinz den aufgeschobenen Börsengang des Konzerns vorantreiben will. Fünf Prozent der Anteile sollen verkauft werden. Der oft nur bei seinen Initialen MbS genannte Thronfolger hat davon gesprochen, dass er eine Bewertung des Unternehmens mit zwei Billionen Dollar für angemessen hielte. Der Aktienverkauf würde dann 100 Milliarden bringen.

Grösster Start-up-Investor in Amerika

Rumayyan dagegen gilt als Vertrauter des Kronprinzen und fungierte als Berater des Hofs, bevor er 2017 an die Spitze des Staatsfonds aufstieg. Den hat er seither nach den Vorstellungen seines Chefs vom schläfrigen, auf Saudiarabien konzentrierten Vermögensverwalter umgebaut in einen weltweit tätigen, schlagkräftigen Investor. Er hat Beteiligungen an Tesla gekauft, der Auto- und Energiefirma von Elon Musk, und an Uber, dem Technologieunternehmen und Transportdienstleister, Rumayyan sitzt dort auch im Verwaltungsrat.

Er hat den Staatsfonds überdies mit einem Volumen von mehr als zehn Milliarden Dollar zum grössten Start-up-Investor in Amerika überhaupt gemacht. Auf mittlere Sicht soll der Fonds 600 Milliarden Dollar verwalten. Das alles steht im Dienste des Umbaus der saudischen Wirtschaft, deren Abhängigkeit vom Öl das Königshaus bis 2030 lösen will.

Alles steht im Dienste des Umbaus der saudischen Wirtschaft, deren Abhängigkeit vom Öl das Königshaus bis 2030 lösen will.

Rumayyan ist nach dem Studium an der King-Faisal-Universität in Riad und einer Management-Ausbildung in Harvard mit allen Aspekten in Berührung gekommen, die beim angestrebt grössten Börsengang der Welt eine Rolle spielen: Er arbeitete als Investmentbanker und war Chef des Finanzdienstleisters Saudi Fransi Capital. In Riad war er sowohl für die Börse Tawadul tätig, die einen erheblichen Teil der Aramco-Aktien aufnehmen soll, als auch für deren Regulierungs- und Aufsichtsbehörde.

Saudiarabien soll nach Brancheninformationen schon Berater für den Börsengang angeheuert haben. Allerdings ist das Umfeld weiter schwierig: Der Ölpreis stagniert bei 60 Dollar, Riad benötigt 80 Dollar, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen – und die angestrebte Bewertung von Saudi Aramco. Diese Differenz zu verringern, ist dem für die Ölpolitik zuständigen Minister und bisherigen Aramco-Chefaufseher nicht gelungen. Und darin liegt auch Rumayyans grösste Herausforderung.

Erstellt: 04.09.2019, 22:24 Uhr

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