60 Tote bei IS-Angriff auf Hochzeit in Afghanistan

Ein Selbstmordattentäter hat in Afghanistan mehr als 60 Hochzeitsgäste getötet. Die radikalislamischen Taliban verurteilen den Anschlag.

Ein pakistanischer IS-Kämpfer zündete die Bombe vor einer Bühne mit Musikern. Foto: Wakil Kohsar (AFP)

Ein pakistanischer IS-Kämpfer zündete die Bombe vor einer Bühne mit Musikern. Foto: Wakil Kohsar (AFP)

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Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft sind in Afghanistans Hauptstadt Kabul mindestens 63 Menschen getötet worden. Während die Taliban jede Verantwortung für das Blutbad zurückwiesen, bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu dem Bombenattentat auf die schiitische Familienfeier mit mehr als eintausend Teilnehmern. Der IS sprach von einem Angriff auf «Ungläubige».

Das Attentat fällt in eine Zeit, in der sich die Gespräche der radikalislamischen Taliban mit der US-Regierung in der katarischen Hauptstadt Doha einem Ergebnis nähern. Präsident Donald Trump will den seit 18 Jahren andauernden Einsatz der US-Armee beenden. Die Taliban sollen im Gegenzug an der Macht in Kabul beteiligt werden. Sie sollen aber garantieren, dass von dem Land kein Terror mehr ausgeht wie am 11. September 2001.

Der Anschlag war nicht der erste Angriff des IS auf eine Hochzeitsgesellschaft, es war aber die tödlichste Attacke in Afghanistan seit Jahresbeginn. 

So erscheint es naheliegend, dass nicht die Taliban, sondern der Islamische Staat Urheber des Attentats auf die schiitische Hochzeitsgesellschaft ist. Die Hochzeit hatte in einer riesigen Hochzeitshalle stattgefunden; der Selbstmordattentäter hatte seinen Sprengstoffgürtel offenbar kurz vor 23 Uhr direkt vor einer Bühne mit Musikern gezündet. Unter den Toten sind einem Regierungssprecher zufolge viele Frauen, Kinder und Jugendliche. Ein Überlebender sagte, bis zu 1200 Menschen hätten an der Hochzeitsfeier teilgenommen.

Der radikal-sunnitische IS, der in Afghanistan seit einigen Jahren stärker wird, setzt ganz gezielt auf den Konflikt zwischen den muslimischen Konfessionen der Sunniten und Schiiten. Er ­attackiert deshalb immer wieder Schiiten der afghanischen Volksgruppe Hazara. Unklar blieb, ob nach dem Attentat beim Eintreffen von Polizei und Helfern auch noch eine Autobombe gezündet worden ist, wie dies der IS behauptet. Das afghanische Innenministerium bestätigte nur das Selbstmordattentat in der Hochzeitshalle.

Vorwürfe an die Taliban

Der Kabuler Anschlag war nicht der erste Angriff des IS auf eine Hochzeitsgesellschaft, es war aber die tödlichste Attacke in ­Afghanistan seit Jahresbeginn. In der Internetbotschaft des Islamischen Staats, die auf einer der Terrormiliz nahestehenden Internetseite erschien, hiess es, ein pakistanischer IS-Kämpfer habe «als Märtyrer» sterben wollen und die Schiiten-Hochzeit angegriffen.

Die ebenfalls sunnitischen Taliban, die in der Vergangenheit selbst immer wieder schwere Anschläge in der Hauptstadt und auch gezielt gegen Schiiten verübt hatten, verurteilten die Tat hingegen als «verboten und nicht zu rechtfertigen». Der Grund dafür dürfte sein, dass die Taliban-Islamisten nach monatelangen Gesprächen mit der US-Regierung einer Einigung zur Beendigung des Konflikts inzwischen recht nahe gekommen sind. Hauptthema in Doha ist der Abzug der US-Truppen nach 18 Jahren Krieg, den Präsident Trump den amerikanischen Wählern versprochen hat. Die USA sollen sich auf einen Zeitplan für den phasenweisen Abzug ihrer Soldaten verpflichten.

Im Gegenzug sollen die Taliban garantieren, dass Afghanistan nicht erneut zum Ausgangsort für globale Terroranschläge wird. Zudem sollen sie eine dauerhafte Waffenruhe ausrufen und Gespräche mit der amtierenden, frei gewählten afghanischen Regierung in Kabul aufnehmen. Die Doha-Verhandlungen beziehen die derzeitige afghanische Regierung allerdings bestenfalls am Rande ein, die Taliban erkennen diese bisher nicht einmal an. Präsident Ashraf Ghani fand nach dem Anschlag auf die Hochzeitsgesellschaft klare Worte und twitterte: «Die Taliban können sich nicht von Schuld freisprechen, da sie eine Plattform für Terroristen bieten.»

Erstellt: 18.08.2019, 20:08 Uhr

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