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«Im Krieg verteilt man keine Süssigkeiten»

Wer angesichts der eskalierenden Gewalt in Afghanistan Hoffnungslosigkeit auf der «Friedens-Jirga» in Kabul erwartet hatte, der wurde eines Besseren belehrt.

Liess sich trotz Taliban-Angriffe zu Beginn der dreitägigen Versammlung nicht aus der Ruhe bringen: Präsident Hamid Karzai.
Liess sich trotz Taliban-Angriffe zu Beginn der dreitägigen Versammlung nicht aus der Ruhe bringen: Präsident Hamid Karzai.

Zum Abschluss der Jirga am Freitag schienen die rund 1600 Delegierten überzeugt davon zu sein, einen ersten Schritt in Richtung Frieden unternommen zu haben. Ihre Kollegen seien «enthusiastisch», sagte die Delegierte und Parlamentarierin Azila Wardak aus der zentralafghanischen Provinz Maidan Wardak.

Enthusiasmus dürfte angesichts der vagen Ergebnisse des Treffens zwar übertrieben sein, Frieden wird es am Hindukusch in absehbarer Zeit nicht geben. Dennoch: Dass die Jirga überhaupt stattfand - und dass die Taliban sie nicht zum Entgleisen bringen konnten -, darf schon als Erfolg gewertet werden.

Offene Fragen bleiben

Präsident Hamid Karzai hatte die Ratsversammlung einberufen. Wie erwartet gaben die Delegierten ihm das klare Mandat, die Aufständischen an den Verhandlungstisch zu bringen. Ausserdem forderte die Jirga in ihrer Resolution unter anderem, Taliban- Anhänger von der UNO-Sanktionsliste zu streichen.

Ob damit auch die Taliban-Führung unter Mullah Mohammad Omar gemeint ist, liess die Abschlusserklärung offen - wie viele andere Punkte auch.

Erfolg für Karzai

Dennoch kann Karzai den Taliban nun im Auftrag des Volkes gegenübertreten. Die Jirga hat den angeschlagenen Präsidenten gestärkt.

Die einstimmige Unterstützung für seinen Versöhnungskurs dürfte auch ein wenig von der Schmach gemildert haben, die Karzai angesichts der Betrugsvorwürfe bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr empfunden hat. Entsprechend gut gelaunt dankte der Präsident den Delegierten für ihre «Botschaft des Friedens».

Diese richtete sich ausdrücklich an alle afghanischen Aufständischen. Die im Westen immer noch verbreitete Vorstellung, es könne nur mit sogenannten moderaten Taliban - also mit unideologischen Mitläufern - gesprochen werden, dürfte langfristig nicht eintreten.

Mit Mullah Omar reden?

«Es ist Krieg, und im Krieg werden keine Süssigkeiten verteilt», sagt der Delegierte Baki Hilaman Ghasnawi aus der südostafghanischen Provinz Ghazni. «Sie müssen mit den Menschen sprechen, die tatsächlich kämpfen.»

Auch mit Mullah Omar müsse verhandelt werden. Verbrechen müssten später aufgearbeitet werden. «Es muss erst Frieden geben, dann können wir über Gerechtigkeit reden.»

Keine Offerten an al-Qaida

Gespräche mit der Terrororganisation al-Qaida schlossen die Delegierten aber ebenso aus wie Karzai, etwas anderes hätten die USA auch nicht zugelassen. Im Gegensatz zu al-Qaida verfolgen die Taliban keine globalen Ziele - ihre Forderung nach einem islamischen Emirat erstreckt sich nur auf Afghanistan.

Zentrale Frage bleibt, ob die Taliban jemals in Friedensgespräche einwilligen. Der Jirga-Delegierte und einstige Taliban- Religionsminister Maulawi Arsala Rahmani bemüht sich schon seit einiger Zeit um eine Aussöhnung zwischen der Regierung und den Aufständischen, und er ist vorsichtig optimistisch.

Wie reagieren die Taliban?

Rahmani glaubt, dass die Taliban-Anführer, zu denen er «indirekte Kontakte» pflegt, von ihrer starren Ablehnung von Gesprächen abweichen werden. «Wenn Sie die neuen Ideen (der Jirga) hören, dann wird sich ihr Denken ändern.» Es gehe nun darum, Vertrauen zwischen den Aufständischen und der Regierung aufzubauen.

Wardak ist zurückhaltender. Auf die Frage, warum die Aufständischen mit der bedrängten Regierung verhandeln sollten, statt wie bisher auf eine Eskalation der Gewalt zu setzen, sagt sie: «Darauf habe ich keine Antwort.»

SDA/mt

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