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In nur zehn Tagen drei Kilo zugelegt

Thailands Mönche werden seit Jahren immer dicker. Schuld ist das Essen, das sie bei der Bevölkerung einsammeln.

Jeder vierte Geistliche leidet an gesundheitlichen Problemen, die in Zusammenhang mit Übergewicht stehen: Buddhisten ehren Mönche im thailändischen Chiang Mai. (22. Februar 2016)
Jeder vierte Geistliche leidet an gesundheitlichen Problemen, die in Zusammenhang mit Übergewicht stehen: Buddhisten ehren Mönche im thailändischen Chiang Mai. (22. Februar 2016)
Athit Perawongmetha, Reuters

Für viele junge Thailänder ist es eine wichtige Phase auf ihrem Lebensweg, sie werden Mönch, verbringen Zeit im Kloster, ein paar Wochen, Monate oder Jahre, das kann variieren. Spirituell ist das eine besondere Erfahrung, man gewinnt neue Einsichten, erweitert den eigenen Horizont – aber womöglich auch den Bauchumfang. Der Thailänder Teerawit Eakpatcha hat kürzlich der «Bangkok Post» anvertraut, wie das ist, wenn der Leib unter dem Mönchsgewand schon in kürzester Zeit zulegt. «Ich habe in nur zehn Tagen drei Kilogramm zugenommen», erinnert er sich an seine Ordination im Kloster.

«Die Roben werden eng», titelte das Blatt und widmete sich damit einem heiklen Thema, das im Königreich zunehmend Sorge bereitet. Thailands Mönche, die einem in ihren safranfarbenen Gewändern ständig irgendwo auf den Strassen begegnen, sind zu dick. Jeder vierte Geistliche hat mit Problemen zu kämpfen, bei denen Übergewicht im Spiel ist. Sie leiden an Diabetes, Bluthochdruck, überhöhten Cholesterinwerten, Nierenkomplikationen und an kaputten Kniegelenken.

In Thailand ist Buddha oft als schlanke Figur zu sehen

Schon im Mai hatte Amporn Bejapolpitak, leitende Beamtin im Ministerium für Gesundheit, gewarnt, dass jeder zweite Mönch fettleibig sei. Nun sollen Ernährungsseminare, bessere Aufklärung und medizinische Untersuchungen den etwa 250'000 Mönchen im Land helfen, Gesundheitsrisiken auf dem Weg zur buddhistischen Erleuchtung in den Griff zu bekommen. Nun mag mancher sogleich an das Bild vom «lachenden Buddha» denken, auch «Budai» genannt. Den glatzköpfigen chinesischen Bettelmönch aus dem 10. Jahrhundert sieht man auf Darstellungen meist sehr vergnügt und mit einem kugelrunden Bauch, im Theravada-Buddhismus allerdings, der Thailand geprägt hat, dominiert eine andere Darstellung. Dort ist der Buddha oft als schlanke und asketische Figur zu sehen, und selten erweckt sie beim Betrachter den Eindruck, dass er den Verlockungen süsser, fetter oder öliger Speisen erlegen sein könnte.

Anderseits: Haben Thailands Mönche eine Wahl? Ihr Alltag wird vom Sammeln der Almosen bestimmt, sie sitzen mit ihren Edelstahlschalen auf den Strassen oder gehen von Haus zu Haus, wo sie von den Leuten mit Essen beschenkt werden, selbst haben sie kein Einkommen, um sich etwas zu kaufen. Und die Gläubigen spenden, um ihr Karma aufzubessern. Milde Gaben für die Mönche lassen auf Glück und Belohnungen in der Zukunft hoffen. Ernährungsexpertin Wantanee Kriengsinyos von der Mahidol University nahe Bangkok sagt: «Natürlich ist es so, dass Buddhisten den Mönchen geben, was ihnen auch selbst schmeckt.» Deshalb möchte sie erreichen, dass die gesamte Gesellschaft stärker auf gesundes Essen achtet.

«Eine tickende Zeitbombe»

Jahrhundertelang scheint es den kahl geschorenen Männern in den safranfarbenen Roben nicht geschadet zu haben, dass sie ihr Essen bei den Leuten einsammeln – das ist vorbei. Ernährungswissenschaftler Jongjit Angkatavanich aus Bangkok nannte das Übergewicht der Mönche bereits «eine tickende Zeitbombe». Und seine Kollegin Wantanee ist sich sicher, dass daran nur breite Erziehung etwas ändern kann.

Gesundheitsexpertin Amporn drängt die Leute, für die Mönche weissen Reis mit braunem Reis zu mischen, ihnen nicht zu fettes Fleisch mitzugeben und nur ungesüsste Früchte. Traditionell mischt die thailändische Küche zwar Fisch und Fleisch mit viel gesundem Gemüse, doch Salz und Zucker sind überall auf dem Vormarsch, zumal auf den Tellern der Mönche auch immer öfter fertige Snacks aus Supermärkten landen. Im Leben der Mönche wirken sich offenbar gerade Getränke besonders übel aus. Sie essen nur zweimal am Tag, morgens und mittags, danach ist Schluss, dann halten sich die Geistlichen oftmals an Säfte. Doch wenn die stark gesüsst sind, werden sie zum Problem, ebenso wie der übermässige Konsum von Energy-Drinks. Daten, die das Ministerium in den Jahren 2016 und 2017 in 200 Tempeln und 50 Distrikten gesammelt hat, zeigen: Jeder zweite Geistliche hat erhöhte Blutzuckerwerte.

Mangel an Bewegung

Mangelnde Bewegung macht den Mönchen ebenfalls zu schaffen, Fussball dürfen sie nicht spielen, aber dann sollten sie sich zumindest auf Yoga und Gymnastik konzentrieren, raten Ernährungswissenschaftler. Auch schon das Fegen des Klosters kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken, was immer den Körper eben ein wenig auf Trab hält.

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