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Erdogans Herausforderer nominieren ihren Kandidaten

Türkeis grösste Oppositionspartei CHP schickt Muharrem Ince für die Präsidentenwahl in den Ring. Anhänger skandierten «Präsident Ince» und buhten Erdogan aus.

Der ehemalige Lehrer Muharrem Ince steigt am 24. Juni in den Ring. (4. Mai 2018)
Der ehemalige Lehrer Muharrem Ince steigt am 24. Juni in den Ring. (4. Mai 2018)

Bei der Präsidentenwahl in der Türkei schickt die grösste Oppositionspartei CHP den langjährigen Abgeordneten Muharrem Ince gegen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan ins Rennen. Mit Ince hat die türkische Opposition nun fünf Kandidaten für den 24. Juni.

Die Mitte-Links-Partei CHP nominierte den ehemaligen Lehrer Ince am Freitag in Ankara. Ince sagte im Anschluss vor jubelnden Anhängern, er wolle kein Präsident der CHP, sondern aller Menschen in der Türkei sein. In einem symbolischen Schritt ersetzte der 54-Jährige das Parteiabzeichen, das er an seinem Revers trug, mit einem Anstecker mit der türkischen Flagge.

Ince kündigte an, im Falle seiner Wahl zum Präsidenten den alten Amtssitz im Istanbuler Regierungsviertel Cankaya zu beziehen. Vor seinen Anhängern fügte er hinzu: «Und was mache ich aus dem Palast? Den Palast übergebe ich den schlauesten Kindern dieses Landes. Ich mache ihn zur Bildungsstätte.»

Kritiker wie die Architektenkammer in Ankara werfen Erdogan vor, das gigantische Anwesen in einem Naturschutzgebiet errichtet zu haben. Erdogan hatte den Amtssitz nach seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 2014 bezogen und den Neubau gegen Kritik verteidigt. «Dieser Palast gehört nicht mir, dieser Palast gehört dem Volk», sagte er.

Nach Erdogans eigenen Angaben hat der neue Präsidentenpalast «etwas mehr als 1150 Zimmer». Türkische Medien hatten berichtet, der Bau des Palastes habe Hunderte Millionen Euro gekostet.

Fünf Oppositions-Kandidaten

CHP-Anhänger bei dem Nominierungsparteitag skandierten «Präsident Ince» und buhten Erdogan aus. CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu kritisierte, unter Erdogan sei die Gewaltenteilung abgeschafft worden. Die Pressefreiheit sei am Ende, die Demokratie in Gefahr.

Die Opposition befürchtet eine Ein-Mann-Herrschaft, sollte Erdogan die Wahl gewinnen. Mit der zeitgleichen Parlaments- und Präsidentenwahl am 24. Juni soll der Umbau zu dem von Erdogan angestrebten Präsidialsystem abgeschlossen werden. Der Präsident ist dann Staats- und Regierungschef.

CNN Türk berichtete, die Abgeordneten der CHP hätten sich einstimmig für Ince als Kandidaten ausgesprochen, der dem Parlament in Ankara seit 2002 angehört. Ince - der am Freitag seinen 54. Geburtstag feierte - hatte im Februar versucht, Kilicdaroglu als Parteivorsitzenden abzulösen, war aber gescheitert.

Mit Ince ist das Feld der Kandidatinnen und Kandidaten der türkischen Opposition auf fünf angewachsen. Trotz intensiver Gespräche war es den Parteien nicht gelungen, sich auf eine gemeinsame Kandidatur zu einigen.

Sollte Erdogan aber in der ersten Wahlrunde keine absolute Mehrheit erhalten, könnte sich die Opposition in der Stichwahl noch hinter dem stärksten Gegenkandidaten zusammenschliessen.

SDA/sep

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