Indonesien ist dem IS-Angriff gewachsen

Terroristen werden es nicht leicht haben, sich im toleranten Vielvölkerstaat zu etablieren.

Religiöse Toleranz hat eine lange Tradition: Frauen in einer Moschee in Indonesien beten zu Beginn des heiligen Monats Ramadan. Foto: Getty Images

Religiöse Toleranz hat eine lange Tradition: Frauen in einer Moschee in Indonesien beten zu Beginn des heiligen Monats Ramadan. Foto: Getty Images

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Die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates haben mit ihrem Anschlag in Jakarta eine weitere Front eröffnet. Sie zielen nun auf den Vielvölkerstaat Indonesien, wo mehr Muslime leben als in jedem anderen Land. 90 Prozent der 250 Millionen Bewohner bekennen sich zum Islam. Schon alleine deshalb kann es dem Westen nicht egal sein, ob es dem IS gelingt, sich auch im fernen Südostasien festzusetzen.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe der IS in Jakarta seine Stärke bewiesen. Aber manches spricht eher dafür, dass der Anschlag einem Fehlschlag nahekam. So zynisch es klingt – viele Indonesier reagierten mit Spott auf einen Angriff, den Experten als stümperhaft einstuften. Gleichzeitig hat die Polizei einen guten Job gemacht. So wurde Schlimmeres verhindert.

Niemand duckt sich weg

Staaten erscheinen im Kampf gegen den Terror oftmals schwach. Doch gerade Indonesien hat einige Stärken aufzuweisen: Die Reaktionen auf den Angriff haben gezeigt, dass sich dort eine breite Masse moderater Kräfte entschlossen gegen die islamistische Gewalt stemmt. Niemand duckt sich weg. Grosse muslimische Verbände, die gemeinsam mehr als 60 Millionen Mitglieder haben, verurteilten die Tat aufs Schärfste. Und diese Linie ist nicht neu. Kampagnen gegen den Terror und den Jihad werden von einheimischen muslimischen Gruppen mitgetragen.

Indonesier wehren sich gehen eine Arabisierung.

Vielerorts ist der Einfluss des wahhabitischen und salafistischen Islam auf dem Vormarsch, auch in Indonesien. Religiöse Toleranz hat eine lange Tradition im Land. Das macht den Vielvölkerstaat zwar nicht gänzlich immun gegen die Propaganda von Gewaltpredigern. Erkennbar ist aber, dass sich viele Indonesier gegen eine Arabisierung ihrer Kultur und ihres Glaubens wehren. Dieser Trend könnte jetzt noch zunehmen. Das Entsetzen über die Kriege in Nahost und das Wüten des IS setzt sich fest in den Köpfen, das Chaos schreckt ab.

In Indonesien herrscht Stolz auf das, was die eigene Nation erreicht hat. Das Land ist trotz mancher Defizite eine recht stabile Demokratie. Der Wohlstand wächst, Konflikte im Innern sind beherrschbar. Und die grosse Mehrheit steht hinter ihrem säkularen Staat. Bereits früher kannte das Land terroristische Anschläge. 2002 sprengten Verbündete von al-Qaida Clubs in Bali, weitere Anschläge folgten. Nun sieht es so aus, als löse der IS das Al-Qaida-Netz als Terrorpaten ab.

Gefürchtete Rückkehrer aus Syrien

Noch radikalere Kämpfer werden versuchen, Indonesien ins Wanken zu bringen. Dazu gehören Hunderte Indonesier, die in Syrien kämpfen und womöglich bald zurückkehren. Gleichwohl hat Jakarta eine gute Chance, terroristische Exzesse zu beherrschen. Schon nach den Anschlägen von Bali gelang es dem Staat, fast alle damaligen Terrorzellen zu zerschlagen. Nun muss Jakarta ebenso konsequent gegen den IS vorgehen.

Solange der Staat wachsam ist und sich auf eine breite Masse stützt, die sich ihre Erfolgsgeschichte nicht zerbomben lassen will, wird der IS diese neue Front kaum im Sturm erobern.

Erstellt: 20.01.2016, 21:07 Uhr

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