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Indonesien verschont Philippinerin – sieben Ausländer exekutiert

Jakarta hielt an acht der neun Todesurteilen fest: Eine zweifache Mutter wurde kurz vor der Hinrichtung verschont.

Mahnwache für Mary Jane Veloso: Polizisten sperren den Platz mit Schilden ab. (28. April 2015)
Mahnwache für Mary Jane Veloso: Polizisten sperren den Platz mit Schilden ab. (28. April 2015)
Ted Aljibe, AFP

Indonesien hat weltweite Proteste ignoriert und acht zum Tode verurteilte Drogenschmuggler hingerichtet. Die Hinrichtungen seien vollzogen, berichteten die «Jakarta Post» und «Jakarta Globe» am Mittwochmorgen (Ortszeit).

Eine Philippinerin sei in letzter Minute nicht vor ein Erschiessungskommando gestellt und verschont worden. Die Familie reagierte überwältigt: Sie sei ausser sich und in Tränen, teilte sie auf Twitter mit.

Gemäss der britischen Tageszeitung «The Guardian» wurde Mary Jane Veloso vorerst verschont, weil sich eine mutmassliche Komplizin, Maria Kristina Sergio, bei der Polizei gestellt hat. Veloso behauptete, Sergio hätte ihr die Drogen untergejubelt und sie ohne ihr Wissen als Drogenkurierin benutzt. Velosos Hinrichtung wurde nun verschoben, damit sie als Zeugin im Prozess aussagen kann.

Gnadengesuche vergeblich

Neben der verschonten Philippinerin (dritte von links) handelt es sich bei den anderen verurteilten Drogenschmugglern um einen Brasilianer, einen Indonesier, zwei Australier und vier Nigerianer.

Ihre Regierungen hatten in den vergangenen Wochen vergeblich Gnadengesuche eingereicht. Die Häftlinge warteten im Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Nusakambangan auf die Exekution durch ein Erschiessungskommando, nachdem sämtliche Berufungsanträge und Gnadenappelle negativ beschieden worden waren.

Besonders Australien hatte die Todesurteile gegen die beiden australischen Drogenhändler Myuran Sukumaran und Andrew Chan scharf kritisiert. Sukumaran und Chan sind die Anführer der «Bali Nine» genannten Schmugglerbande. Deren Anwalt kommentierte die Hinrichtung via Twitter: «Ich habe versagt. Ich habe verloren.»

Von den neun wegen Heroinschmuggel Verurteilten ist neben der verschonten Philippinerin auch der Franzose Serge Atlaoui noch am leben. Seine Hinrichtung wurde nach Protesten der französischen Regierung zunächst zurückgestellt.

Angehörige nahmen bereits Abschied

Die Angehörigen der beiden Australier nahmen heute bei einem letzten Besuch von den Männern Abschied. Sukumarans Mutter Raji flehte unter Tränen den indonesischen Präsidenten Joko Widodo an, ihren Sohn zu verschonen.

«Sagen Sie die Hinrichtung ab. Bitte nehmen Sie mir nicht meinen Sohn.»

Raji, Mutter eines Todeskandidaten

Die anderen Todeskandidaten hatten sich bereits am Wochenende von ihren Angehörigen verabschiedet. Chan wurde am Montag sein letzter Wunsch gewährt: Er heiratete im Gefängnis seine indonesische Lebensgefährtin.

Vor der Hinrichtung wurden bereits neun Särge ins Gefängnis von Nusakambangan gebracht. In australischen Medien kursierten Fotos von Kreuzen für die Särge, auf denen Mittwoch als Todesdatum steht.

Indonesien zählt zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen weltweit. Erst im Januar waren unter internationalem Protest sechs Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet worden, darunter fünf Ausländer.

Trotz Appellen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und anderen Politikern hält Präsident Widodo an den Hinrichtungen fest, die seiner Darstellung nach notwendig sind, um einen nationalen Notstand wegen des steigenden Drogenkonsums zu bekämpfen.

Mahnwache in Sydney

In Sydney versammelten sich am Abend 300 Unterstützer der verurteilten Drogenhändler zu einer Kundgebung.

Letzter Abschied: Unterstützer der australischen Verurteilten halten in Sydney eine Mahnwache. Bild: Reuters (28. April 2015)
Letzter Abschied: Unterstützer der australischen Verurteilten halten in Sydney eine Mahnwache. Bild: Reuters (28. April 2015)

Australiens Aussenministerin Julie Bishop kritisierte den «chaotischen Umgang» mit den Fällen der Todeskandidaten. Zuvor hatten Australien, Frankreich und die Europäische Union in einem gemeinsamen Appell den Stopp der Hinrichtungen gefordert und vor den Auswirkungen auf Indonesiens Ansehen in der Welt gewarnt.

AFP/pst

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