Interessanter als der Raketenstart

Nordkorea erklärt sein Atomprogramm mit dem jüngsten Test für beendet. Was heisst das? Eine Einschätzung.

Kann nicht zulassen, dass die Amerikaner behaupten, er teste nicht mehr: Kim Jong-un beim Test einer Hwasong-12 am 16. September 2017. Foto: Korea News Service via AP

Kann nicht zulassen, dass die Amerikaner behaupten, er teste nicht mehr: Kim Jong-un beim Test einer Hwasong-12 am 16. September 2017. Foto: Korea News Service via AP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nordkorea hat die Rakete, die es um 2.48 Uhr Ortszeit in der Nacht zum Mittwoch nach einer Test-Pause von 75 Tagen abgeschossen hat, in einer Erklärung als Hwasong-15 identifiziert. Pyongyang behauptet, diese Rakete könne das ganze Festland der USA erreichen – und dies mit einer grossen Nutzlast.

Wie amerikanische Armee-Quellen bestätigten, stieg die Rakete auf eine Höhe von 4475 Kilometer und stürzte 950 Kilometer östlich von ihrem Startplatz bei Pyongyang nach 53 Minuten in die See von Japan.

Video: Rakete soll USA erreichen können

Das Geschoss flog über 50 Minuten. Video: Tamedia/AP/AFP

Die Hwansong-15, die erstmals getestet wurde, ist eine verbesserte Hwasong-14, also eine zweistufige Rakete. Mit einem flacher verlaufenden Abschusswinkel könnte eine Rakete, die fast 4500 Kilometer hoch steigt, mehr als 10'000 Kilometer weit fliegen.

Die Gesetze der Physik

Allerdings nicht mit einer schweren Nutzlast. Das ist mit zwei Stufen nicht möglich, die Gesetze der Physik kann auch Diktator Kim Jong-un nicht aufheben. Deshalb dürften die USA weiterhin ausserhalb der Reichweite nordkoreanischer Atomsprengköpfe liegen.

Nordkorea hat bisher auch weder demonstriert, dass es den Wiedereintritt einer Rakete in die Atmosphäre kontrollieren kann, noch, dass seine Raketen ein Ziel treffen. «Bisher haben die Nordkoreaner nur gezeigt, dass sie den Pazifik treffen können», sagte der amerikanische Raketenexperte Lance Gatling jüngst in Tokio.

Südkorea reagierte auf den Test Pyongyangs innerhalb von fünf Minuten, indem es seinerseits drei Raketen auf ein vorbestimmtes Ziel abschoss. Die Politik in Seoul, Tokio und Washington dagegen gab sich nur gemässigt empört. Trump sagte: «Wir kümmern uns darum.»

Tatsächliche und symbolische Signale

Mit dem jüngsten Test war seit Beginn der Woche gerechnet worden, die japanische Aufklärung hatte entsprechende Signale aufgefangen. Zudem hatte US-Präsident Donald Trump den Norden auf die Liste der Staaten gesetzt, die den Terrorismus unterstützen.

Das tut Nordkorea kaum, sicher weniger als Länder wie Saudiarabien bis vor kurzem. Obwohl Trumps Massnahme vor allem symbolischen Charakter hatte, war zu erwarten, dass Kim mit einer Provokation antwortet. Kim kann es auch nicht zulassen, dass die Amerikaner behaupten, er teste nicht mehr, weil die Sanktionen Wirkung zeigten.

Interessanter als der Raketenstart ist die Erklärung dazu, die das Regime anschliessend im Staatsfernsehen verlesen lies. Darin hiess es, mit der Hwasong-15 sei das nordkoreanische Atomprogramm abgeschlossen. Damit öffnet Pyongyang sich eine Hintertür für ein Ende der Starts und Gespräche. Wenn sein Atom- und Raketenprogramm zur Abschreckung nun komplett ist, müsste es ja nicht weiter testen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.11.2017, 10:22 Uhr

Artikel zum Thema

Kims neue Rakete soll bis nach Washington fliegen können

Nordkorea hat erneut einen Raketentest durchgeführt. Experten stützen Angaben aus Pyongyang, wonach die Rakete das gesamte Staatsgebiet der USA erreichen könne. Mehr...

Satellitenbilder zeigen startbereite Rakete bei Pyongyang

Nordkorea bereitet womöglich den Start einer Hwasong-Rakete vor. Ein Modell könnte die Westküste der USA erreichen. Mehr...

So wollen die USA Nordkorea einschüchtern

Video Zum ersten Mal seit einer Dekade fahren im Westpazifik drei grosse Flugzeugträger gemeinsam auf. Was die US Navy damit bezwecken will. Mehr...

Paid Post

«Kaffee ist wie ein Gewürz»

Zum Abschluss eines guten Essens gehört ein Kaffee. Dieser kann aber auch eine raffinierte Zutat in schmackhaften Gerichten sein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...