Ist Flug MH 370 senkrecht ins Meer gestürzt?

Nach einem Absturz im Meer tauchen normalerweise Wrackteile auf. Die Boeing 777, die als Flug MH 370 unterwegs war, ist jedoch spurlos verschwunden. Physiker haben untersucht, wie das möglich ist.

Ist es möglich, dass die Boeing 777 senkrecht ins Meer stürzte? Physiker haben versucht, diese Möglichkeit zu berechnen.

Ist es möglich, dass die Boeing 777 senkrecht ins Meer stürzte? Physiker haben versucht, diese Möglichkeit zu berechnen. Bild: Texas-A-&-M-Universität, Katar

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Am 8. März 2014 verschwand eine Boeing 777 von Malaysia Airlines knapp eine Stunde nach dem Start in Kuala Lumpur von den Radarschirmen. Bis heute ist das Schicksal von Flug MH 370 mit Ziel Peking ungeklärt. Zwar gehen die meisten Experten davon aus, dass das Flugzeug im Indischen Ozean abgestürzt sein muss. Doch Wrackteile wurden nie gefunden. Wie kann das sein?

Nach dem Absturz der Air-France-Maschine AF 447 in den Atlantik am 1. Juni 2009 wurden anschliessend rund 3500 Wrackstücke aus dem Meer geborgen. Das völlige Fehlen von Überresten im Falle von MH 370 nährt verständlicherweise diverse Verschwörungstheorien.

Wissenschaftler sind nun der Frage nachgegangen, ob es physikalisch möglich ist, dass der Absturz der MH 370 keinerlei Wrackteile an der Meeresoberfläche hinterlassen haben könnte. Professor Goong Chen von der Texas A & M University in Katar simulierte dazu mithilfe eines Supercomputers verschiedene Absturzszenarien. Das Eintauchen eines Körpers in Wasser ist ein klassisches «Problem» der Physik beziehungsweise der Flüssigkeitsdynamik.

Physiker untersuchen den Absturzwinkel

Der Wissenschaftler Theodore von Kármán (1881–1963) legte mit seinen Modellen die Grundlage für jene komplizierten mathematischen Berechnungen, die Chen jetzt durchgeführt hat. Sein Team spielte numerisch fünf verschiedene Szenarien durch, die sich insbesondere durch den Absturzwinkel unterschieden.


Bei einem senkrechten Eintauchen wäre es möglich, dass die Maschine unbeschadet die Wasseroberfläche durchbrochen hat. Bild: Texas-A-&-M-Universität, Katar


Sie deckten den Bereich von einem flachen, landungsähnlichen Aufsetzen bis hin zu einem senkrechten Fall mit Eintauchen der Flugzeugnase in das Wasser ab. So aufwendig und kompliziert die Berechnungen waren, so einfach und klar ist das Ergebnis der Forscher, das sie in einer Fachzeitschrift veröffentlicht haben. Nur wenn das Flugzeug senkrecht mit der Nase voran in das Wasser eintaucht, sind die auftretenden Biegekräfte klein genug, dass der gesamte Rumpf nahezu unzerstört bleiben und komplett in die Tiefe sinken kann.

Mit der Nase voran ins Meer

Zwar reissen beim Aufprall die beiden Tragflächen ab, doch auch sie können dabei fast vollständig erhalten bleiben und sehr schnell in eine Tiefe von zunächst 30 bis 40 Metern abtauchen, sodass auch von ihnen nichts an der Wasseroberfläche zu sehen ist. Bei allen anderen Szenarien würden beim Aufprall auf der Wasseroberfläche Trümmer entstehen, die anschliessend auf dem Meer treiben würden. Flugzeugexperten bestätigen, dass ein senkrechter Absturz mit der Flugzeugnase voran grundsätzlich möglich ist – zum Beispiel wenn der Treibstoff aufgebraucht ist.

Chen betont jedoch, dass seine forensische Analyse selbstverständlich kein Beweis dafür ist, dass sich die Dinge tatsächlich in dieser Weise abgespielt haben. Sie zeigen nur auf, dass es ein solches Szenario gibt, das mit den Gesetzen der Physik im Einklang steht. «Die Wahrheit über die letzten Sekunden der MH 370 werden wohl so lange ein Mysterium bleiben, bis vielleicht eines Tages doch noch die Blackbox des Flugzeugs gefunden wird», sagt Chen, «doch vieles spricht dafür, dass der Jet mit der Nase voran ins Meer gestürzt ist.»

Erstellt: 17.06.2015, 10:51 Uhr

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