Zum Hauptinhalt springen

Jagd auf Ausländer

Eine Kampagne der Polizei in Peking richtet sich gegen illegale Einwanderer. Dabei werden laut einem Bericht aber auch gezielt Videos eingesetzt, um Stimmung gegen westliche Touristen zu machen.

Drei kleine Männchen, die mit «illegal» beschriftet sind, sollen weggewischt werden: Karikatur der Agentur China Foto Press.
Drei kleine Männchen, die mit «illegal» beschriftet sind, sollen weggewischt werden: Karikatur der Agentur China Foto Press.
PD
Die Polizei wolle den «ausländischen Abfall» entsorgen: Der Moderator Yang Rui holte auf Twitter zum Rundumschlag aus.
Die Polizei wolle den «ausländischen Abfall» entsorgen: Der Moderator Yang Rui holte auf Twitter zum Rundumschlag aus.
CCTV
Visum verweigert und des Landes verwiesen: Melissa Chan, Korrespondentin bei al-Jazeera.
Visum verweigert und des Landes verwiesen: Melissa Chan, Korrespondentin bei al-Jazeera.
al-Jazeera
1 / 3

Die Polizei von Peking hat für die nächsten 100 Tage eine Kampagne angekündigt, um illegale Ausländer in der Stadt aufzuspüren. Die Massnahme gehe mit einer für China beispiellosen nationalistischen Kampagne einher, schreibt die NZZ. Dabei würden auch Ressentiments gegen westliche Touristen geschürt.

Die Sicherheitskräfte betonen, die Kampagne ziele nur auf illegale Arbeiter ab, die sich unrechtmässig in China aufhalten. Im Internet spricht die Polizei von einer «Säuberung» Pekings und schlägt Massnahmen vor, die von vermehrten Kontrollen von Ausländern bis hin zu Wohnungsdurchsuchungen reichen sollen.

Video von verprügeltem Touristen

Neben der Illegalen-Thematik werden aber auch Vorfälle ins Feld geführt, die ungebührliches Verhalten von westlichen Touristen zeigen sollen. Auf einem Youtube-Video wird gezeigt, wie ein Mob einen angeblichen britischen Touristen auf brutale Weise verprügelt. Der Tourist soll zuvor eine chinesische Frau belästigt haben.

Das Video erfuhr auf der Onlineplattform grossen Zuspruch. Ein weiteres Video zeigt einen russischen Musiker, der sich während einer Zugfahrt in China ungehobelt benimmt.

Moderator gegen «ausländisches Biest»

Öl ins Feuer giesst momentan auch der berühmte Fernsehmoderator Yang Rui. Yang, der eine vielbeachtete Gesprächssendung im chinesischen Staatsfernsehen leitet, beschuldigte auf Twitter ausländische Touristen der Spionage. Diese würden eigentlich «Daten sammeln für Japan, Korea und den Westen». Weiter lässt sich Yang auf dem Kurznachrichtendienst über die dem Land verwiesene Al-Jazeera-Korrespondentin Melissa Chan aus. Chan sei ein «ausländisches Biest».

Obwohl Yang eigentlich eine Sendung speziell für Ausländer moderiert, entschuldigte sich der Sender nicht für dessen Aussagen. Yang selber relativierte die Tweets zwar später, stellte sich dann jedoch selbst als Opfer einer Rufmordkampagne dar.

Nur 20'000 Illegale in ganz China

Die freimütige Wortwahl des Moderators und die ausbleibende öffentliche Empörung über Yangs Aussagen enthüllen laut dem China-Korrespondenten der NZZ tief sitzende Ressentiments in der chinesischen Bevölkerung. Dies stehe konträr zur vergleichsweise geringen Anzahl von Ausländern in China: Nur rund 120'000 Ausländer leben momentan in Peking. Die Anzahl illegaler Einwanderer in ganz China wird auf 20'000 geschätzt. Diesen stehen 1,3 Milliarden Chinesen gegenüber.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch