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Japanischer Finanzminister krebst nach Nazi-Kommentar zurück

Wie könnte Japan seine Verfassung ohne «laute Diskussion» ändern? Der japanische Finanzminister Taro Aso fand eine Antwort, die auf heftige Kritik stiess.

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Sagt, er sei missverstanden worden: Taro Aso (vorne rechts) umringt von Reportern beim Finanzministerium in Tokio. (1. August 2013)
Sagt, er sei missverstanden worden: Taro Aso (vorne rechts) umringt von Reportern beim Finanzministerium in Tokio. (1. August 2013)
Keystone

Nach einem Sturm der Empörung hat der japanische Finanzminister Taro Aso einen positiven Kommentar über die Politik der nationalsozialistischen NSDAP zurückgezogen. Seine Aussage, wonach Japan bei der geplanten Änderung seiner Verfassung dem Vorbild der Nationalsozialisten folgen solle, die heimlich das Grundgesetz der Weimarer Republik ersetzt hatten, sei missverstanden worden, sagte Aso heute vor Reportern.

Aso erklärte, er habe lediglich sagen wollen, dass eine allzu laute Diskussion darüber, ob Japan seine nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstandene, pazifistisch orientierte Verfassung ändern solle, um dadurch dem Militär mehr Bedeutung zukommen zu lassen, nicht hilfreich sei.

Rede vor ultrakonservativer Gruppe

Aso hatte seine umstrittenen Äusserungen am Montag bei einer Rede vor Mitgliedern einer ultrakonservativen Gruppe in Tokio gemacht. Jüdische Gruppen und asiatische Nachbarländer kritisierten den Kommentar des Finanzministers als Beispiel dafür, dass Japan nicht aus seiner militaristischen Vergangenheit gelernt habe.

Laut einer Abschrift der Rede, die von der Zeitung «Ashai Shimbun» veröffentlicht wurde, kritisierte Aso die fehlende Unterstützung vor allem älterer Japaner für die von den regierenden Liberaldemokraten diskutierte Verfassungsänderung. «Ich will nicht, dass das (die Änderung der Verfassung) inmitten eines Aufschreis passiert», sagte Aso demnach. «Es leise zu machen, so wie einst die Weimarer Verfassung zur Nazi-Verfassung geändert wurde, ohne dass es jemand gemerkt hat; warum lernen wir nicht aus dieser Art von Taktik?»

«Schlechtes Beispiel einer Verfassungsänderung»

Am Donnerstag betonte Aso, der in der Vergangenheit immer wieder wegen kontroversen Aussagen in die Kritik geraten war, dass er sich auf die Nationalsozialisten bezogen habe als «schlechtes Beispiel einer Verfassungsänderung, die ohne nationales Einvernehmen oder Diskussion gemacht wurde».

Kritik an Asos Äusserungen kam unter anderem vom Simon-Wiesenthal-Zentrum, aber auch von den Nachbarländern Südkorea und China. Die internationale Gemeinschaft müsse ihre «Wachsamkeit über die Richtung der japanischen Entwicklung erhöhen», sagte der chinesische Aussenamtssprecher Hong Lei.

Während des Zweiten Weltkrieges besetzte das mit Deutschland verbündete Japan grosse Teile Asiens, auch in China. Korea war bereits vor dem Krieg von den Japanern kolonialisiert worden, erhielt aber nach 1945 seine Eigenständigkeit zurück.

(AP)

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