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Japans Angst vor einem Absturz

Ein missglückter Raketentest Nordkoreas macht Tokio nervös. Offenbar wurde eine nordkoreanische Stadt getroffen, Industriegebäude sollen zerstört worden sein.

Christoph Giesen Peking
Nordkoreanische Soldaten marschieren in Pammunjom. Foto: Paul Barker (Reuters)
Nordkoreanische Soldaten marschieren in Pammunjom. Foto: Paul Barker (Reuters)

In New York hatte gerade der UNO-Sicherheitsrat getagt, da befahl Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un einen weiteren Raketentest. Es war der 28. April und der dritte Start in jenem Monat. Die Nachrichtenagenturen meldeten, die Rakete sei kurz nach dem Start explodiert und die Trümmer womöglich ins Meer gestürzt. Ein Flop für das Regime.

Laut dem in Japan ansässigen Magazin «The Diplomat» kam es bei dem Test aber zu einem schweren Zwischenfall. Statt im Meer unterzugehen, krachte die Rakete offenbar auf eine nordkoreanische Stadt. Nach Auswertung von Propagandafotos und frei zugänglichen Satellitenbildern kommt das Magazin zum Schluss, dass die Rakete vom Typ Hwasong-12 wenige Minuten nach dem Start von ihrer Bahn abwich und in der Stadt Tokchon zerschellte. Dabei soll sie Industrie- und Agrargebäude zerstört haben. Die Unglücksstelle liegt etwa zwei Autostunden von Pyongyang entfernt. Satellitenaufnahmen zeigen Trümmerteile und Verwüstung.

Die Tests liefern Abe Argumente

Ob bei dem Absturz Menschen zu Tode gekommen sind, lässt sich nicht klären. Raketen wie die Hwasong-12 werden mit hochflüchtigem Treibstoff betankt, was zu einer massiven Explosion hätte führen können. Glücklicherweise fand der Test an einem Samstag statt, zudem wurde offenbar kein Wohngebiet getroffen. Ein minimal veränderter Winkel, und die Sache hätte wohl deutlich dramatischer ausgehen können.

Vor allem in Japan sorgt das für Unruhe. Letzten August überflog eine nordkoreanische Rakete Hokkaido, die zweitgrösste Insel Japans. Bereits vier Minuten nach dem Start erhielten alle Bewohner, die in der Flugbahn der Rakete leben, eine Warnung auf ihre Handys. 2700 Kilometer legte die Rakete damals zurück, bevor sie im Ozean niederging. Es war auch eine Hwasong-12.

Was also, wenn bei einem künftigen Test ein Unglück geschieht, womöglich über japanischem Territorium? Tokio könnte das als Angriff ansehen. «Das Sicherheitsumfeld in Japan ist derzeit das schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg», sagt Japans Premier Shinzo Abe. Er werde das Militär stärken, um das Land zu schützen. Ausserdem hoffe er auf eine vertiefte Diskussion über eine Verfassungsreform. Artikel 9 schreibt eine streng pazifistische Politik vor. Abe will das ändern. Nordkoreas Tests liefern ihm die notwendigen Argumente.

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