Jetzt kommen die Hardliner

Nordkorea schickt eine Delegation zur Schlussfeier der Winterspiele. Sie wird von einem Ex-Spion angeführt. Politische Gespräche soll es trotzdem geben.

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Zur Eröffnung der Winterspiele in Pyeongchang schickte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un seine Schwester, zur Schlussfeier kommt sein Ex-Geheimdienstchef Kim Yong-chol. Der 72-jährige General, der schon mehrfach mit Südkorea verhandelte, leitet eine achtköpfige Delegation, der auch Ri Song-won angehört, Nordkoreas Mann für «innerkoreanische Angelegenheiten». Das teilte das Blaue Haus, der Amtssitz des südkoreanischen Präsidenten, am Donnerstag mit. «Wahrscheinlich», so hiess es weiter, werde Präsident Moon Jae-in die Delegation zu politischen Gesprächen empfangen.

Auf den emotionalen, symbolträchtigen Besuch von Kims Schwester, von der Südkoreas Medien melden, sie sei schwanger, folgen nun harte Verhandler. Diese bringen Seoul schon vor ihrer Ankunft in Verlegenheit. Der Hardliner Kim Yong-chol gehört zu jenen Nordkoreanern, über welche Südkorea Sanktionen verhängt hat. Eigentlich dürfte er folglich gar nicht ins Land einreisen.

Kim war ein Leben lang Soldat. Er begann seine Karriere 1962 bei den Truppen an der innerkoreanischen Grenze. Als 23-Jähriger wurde er Verbindungs­offizier für den Kontakt mit der UNO-Waffenstillstandskommission. Seit 1990 gehört er zur militärischen Aufklärung, zuletzt als ihr Chef. Er wird deshalb auch für die Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffs Cheonan im März 2010 und die Bombardierung der Insel Yeonpyeong im gleichen Jahr verantwortlich gemacht. Pyongyang weist jede Schuld am Untergang der Cheonan zurück, die 46 südkoreanische Marine­soldaten in den Tod riss.

Einige Zeit leitete Kim auch die Leibwache von Kim Jong-il, dem Vater Kim Jong-uns. Heute sitzt er im Zentralko­mitee der Partei, im Generalstab und in der zentralen Militärkommission. Er tritt oft als Gesicht des nordkoreanischen Militärs auf. Zum Beispiel 2013, als er den Waffenstillstand von 1953 für nichtig erklärte.

Ivanka Trump angekündigt

Kim Yong-chol ist einer der wenigen Vertrauten von Kim Jong-uns Vater, der auch die Gunst des Sohnes geniesst. Die beiden sind nicht verwandt – etwa 20 Prozent aller Koreaner heissen Kim. Der General soll geholfen haben, die Macht nach dem Tod des Vaters reibungslos auf den damals 30-jährigen Sohn zu übertragen. Dafür beförderte der junge Kim ihn 2012 zum Viersterngeneral. Er degradierte ihn jedoch bald wieder, laut Experten ist der Hard­liner schwierig zu führen. Später gab ihm Kim die vier Sterne wieder zurück.

Das Vereinigungsministerium in Seoul meint, der Besuch werde helfen, die Beziehungen zwischen den beiden Korea zu verbessern. Das schliesse die Denuklearisierung des Nordens ein. Die liberale Tageszeitung «Hankyoreh», die Moon einst mitbegründet hatte, kommentierte jüngst, Nordkoreas atomare Abrüstung könne nicht am Beginn eines Dialogs stehen; dies würde bedeuten, Nordkorea in die Knie zwingen zu wollen. Sie müsse aber das unbedingte Endziel bleiben.

Kims Delegation wird am Sonntag nach Südkorea kommen und drei Tage bleiben. Für die Schlussfeier der Winterspiele hat sich auch Ivanka Trump angekündigt. Eine Begegnung mit der nordkoreanischen Delegation sei jedoch nicht geplant, so das Blaue Haus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2018, 21:21 Uhr

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