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Kim in Peking – Was das mit Trump zu tun hat

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un provozierte China monatelang, nun zeigt er sich demütig. Die Bedeutung seines Besuchs in Peking.

Es ist eine kleine Sensation: Die erste Auslandreise von Nordkoreas Diktator seit der Machtübernahme 2011. (Video: Tamedia/AFP)

Er war es tatsächlich: Am Mittwoch feierten Chinas und Nordkoreas Propagandamedien das überraschende und historische Zusammentreffen des chinesischen Partei- und Staatschefs Xi Jinping mit Nordkoreas Führer Kim Jong-un.

Da hatte der zwei Tage in Peking weilende gepanzerte Sonderzug Kim, seine Ehefrau Ri Sol-ju und hochrangige Begleiter schon in ihr Heimatland zurückgebracht. Es war die erste Auslandsreise Kims seit seiner Machtübernahme 2011, es war auch das erste Mal, dass er ein fremdes Staatsoberhaupt traf.

Chinas Nachrichtenagentur Xinhua nannte den Besuch einen «inoffiziellen». Doch der zeremonielle Pomp und die Aufmerksamkeit, die Chinas Staatsmedien dem Überraschungsgast im Nachhinein schenkten, verrieten, welche Bedeutung Peking dem Treffen beimisst.

Kim hatte China mehrfach provoziert

Kims Antrittsbesuch in Peking war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Er fand nur wenige Wochen vor dem angedachten Gipfel zwischen Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump statt, wo die beiden über Nordkoreas Atomwaffenprogramm verhandeln wollen. Und er kam nach Monaten und Jahren grosser Spannungen zwischen Peking und Pyongyang.

China ist der grösste Handelspartner des isolierten Landes, war aber stets gegen dessen atomare Bewaffnung. In den vergangenen Monaten hat Peking infolge neuer UN-Sanktionen gegen das Land unter anderem die Importe von Kohle, Eisen und Meeresfrüchten ausgesetzt.

Pyongyang seinerseits provozierte im vergangenen Jahr mit seinen Raketentests nicht bloss die USA, sondern offenbar gezielt auch den Nachbarn China: Mehrmals wurden Raketen genau dann abgeschossen, wenn Chinas Führer gerade Gastgeber grosser internationaler Gipfeltreffen waren.

Kim gab sich in Peking nun betont demütig

Bei seinem Pekingbesuch nun verkündete Kim Jong-un Xinhua zufolge, er halte weiter am Ziel einer «Denuklearisierung» der koreanischen Halbinsel fest. Natürlich unter Voraussetzungen, nämlich dann, wenn «Südkorea und die USA mit gutem Willen auf unsere Anstrengungen reagieren und eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität schaffen».

Mindestens ebenso sehr aber schien Kim daran gelegen zu sein, nach Jahren der Provokationen und mitunter auch gegenseitiger Beschimpfungen gute Stimmung bei den Gastgebern zu machen. Kim gab sich in Peking betont demütig. Dass er Peking für seine erste Auslandsreise ausgesucht habe, sei «selbstverständlich», zitierte ihn die amtliche koreanische Nachrichtenagentur KCNA.

«Seine Atomwaffen haben ihm Status und Prestige verliehen»

Kim nannte es demzufolge seine «feierliche Pflicht» der Freundschaft zwischen Pyongyang und Peking «so viel Wert beizumessen wie meinem eigenen Leben». Xi Jinping gab die Blumen zurück. «Wir sprechen mit grosser Wertschätzung von diesem Besuch», sagte er laut Xinhua. KCNA zitierte ihn mit den Worten, die nordkoreanisch-chinesische Freundschaft sei «mit Blut besiegelt» – eine Anspielung auf den Koreakrieg (1950 bis 1953), in dem die Länder Seite an Seite gegen US-Truppen kämpften.

Die Gastgeber führten Kim durch eine Ausstellung mit Chinas technologischen Errungenschaften, zudem habe das Ehepaar Xi mit den Gästen eine «künstlerische Aufführung» besucht, meldete Xinhua.

Und so scheint Kims riskante Strategie der vergangenen Jahre erst einmal aufgegangen zu sein. Donald Trump möchte ihn treffen, Xi Jinping empfängt ihn mit allen Ehren. «Seine Atomwaffen haben ihm Status und Prestige verliehen», schreibt der amerikanische Nordkorea-Experte Ankit Panda.

Experte: Kim ist unsicher vor dem Gipfel mit Trump

Die Wirtschaftssanktionen aber belasten sein Land. Aus seiner Position neu gefundener militärischer Stärke heraus macht Kim Jong-un seit Jahresanfang an vielen Fronten diplomatische Avancen.

Zu den olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang entsandte er seine Schwester, an diesem Donnerstag treffen sich erneut Unterhändler der beiden Koreas, um einen Gipfel zwischen Kim Jong-un und Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in vorzubereiten, der Ende April im Grenzort Panmunjom stattfinden soll.

«Nordkorea kann jetzt glaubhaft mit Atomwaffen drohen, nun hat Kim ein strategisches Motiv, das Verhältnis mit China zu entspannen», sagt der Nordkoreabeobachter Zhao Tong vom Carnegie-Zentrum an Pekings Tsinghua-Universität. Er glaubt, Kim sei unsicher vor dem grossen Gipfel mit US-Präsident Trump: «Die Haltung der USA ist sehr hart, und jetzt formiert sich in Washington so etwas wie ein Kriegskabinett.

Trumps Falken warten nur auf ein Scheitern

Die Falken um Donald Trump warten nur auf ein Scheitern des Gipfels, damit sie harte Massnahmen gegen Nordkorea einleiten können. Wenn Nordkorea aber wieder eng und freundschaftlich mit China zusammenarbeitet, dann können die USA nicht so leicht militärisch losschlagen.«

Die chinesische Propaganda verbreitete am Mittwoch vor allem Optimismus. Ein Kommentar auf der Webseite des Staatsfernsehens sprach von einem «historisches Treffen, das den Weg zum Frieden beschleunigt». Von einer «Wende zum Besseren» sprach auch Lü Chao, der Direktor des Korea-Forschungszentrums an der Akademie für Sozialwissenschaften in Liaoning.

Redaktion Tamedia gegenüber sagte er: «Ich glaube, das gibt dem geplanten Gipfel zwischen Nordkorea und den USA einen Schub in eine gute Richtung.» Am Ende, so Lü, müssten allerdings multilaterale Gespräche stehen, an denen auch China beteiligt wird.

Der Grundkonflikt wird sich so schnell nicht auflösen

Der in Seoul lebende Koreawissenschaftler Robert E. Kelly schrieb in einem Aufsatz, wenn das Treffen in Peking eines zeige, dann dies: China habe sehr wohl Einfluss auf Nordkorea. Das nächste Mal, wenn Chinas Aussenministerium wieder behaupte, China sei nur ein Vermittler, «dann wissen wir, dass sie lügen».

Zhao Tong vom Carnegie-Zentrum erinnert daran, dass sich der Grundkonflikt zwischen Nordkorea und den USA so schnell nicht auflösen wird: «Ich gehe nicht davon aus, dass Nordkorea wirklich sein Nuklearprogramm aufgeben wird. Ihr Ziel ist es, mithilfe der Diplomatie die internationale Gemeinschaft dazu zu bringen, die Realität eines atomar bewaffneten Nordkoreas zu akzeptieren. Aber das ist echt schwer.»

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