Japan könnte Kims Rakete abschiessen

Nordkorea sei laut eigenen Angaben in wenigen Tagen bereit, die US-Pazifikinsel Guam anzugreifen. Nun hat sich Japan in den Konflikt eingeschaltet.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Falls Nordkorea eine Rakete Richtung US-Territorium abfeuert, könnte Japan diese abschiessen. Das kündigte Verteidigungsminister Itsunori Onodera heute während einer Parlamentssitzung an, nachdem Nordkorea mit einem möglichen Angriff auf die Gewässer um das US-Aussengebiet Guam im Pazifik gedroht hatte.

Ein Raketenangriff würde die Abschreckungswirkung, die durch die militärische Allianz mit den USA besteht, aushebeln und die Existenz Japans bedrohen, sagte Onodera. In diesem Fall könne Japan von seinem Recht auf kollektive Selbstverteidigung Gebrauch machen und das Raketenabwehrsystem Aegis einsetzen.

Onoderas Aussage signalisiert eine Abkehr von der bisherigen Haltung Japans, nur Raketen abschiessen zu können, die auf das eigene Land zielen. Vergangenes Jahr trat in dem Land ein Gesetz in Kraft, dass es Japan erlaubt, die USA und andere Verbündete zu verteidigen, falls sie von einem Feind angegriffen werden.

Mündlicher Schlagabtausch

Nordkorea hat unbeeindruckt auf jüngste Drohungen von US-Präsident Donald Trump reagiert und ihn für seine martialischen Äusserungen verspottet. In wenigen Tagen soll der Einsatzplan stehen, um vier Mittelstreckenraketen auf Guam abzufeuern. Der Pentagonchef dagegen warnte Nordkorea vor der «Vernichtung» des eigenen Volkes.

«Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen», hiess es in einer Stellungnahme der Streitkräfte, aus der die nordkoreanische Staatsagentur KCNA zitierte.

In der von KCNA verbreiteten Stellungnahme hiess es, Trump verkenne offensichtlich den Ernst der Lage und der jüngsten Warnungen aus Pyongyang. Dem nordkoreanischen Militär gehe das «ziemlich auf die Nerven».

Zuvor hatte Trump Nordkorea offen wie noch kein US-Präsident militärisch gedroht: «Nordkorea sollte besser keine weiteren Drohungen gegen die USA ausstossen. Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat.» Nordkorea reagierte darauf trotzdem mit der Drohung, mehrere Raketen auf Guam abzufeuern. Auf der von 160'000 Menschen bewohnten US-Pazifikinsel befindet sich ein strategisch wichtiger Stützpunkt des amerikanischen Militärs.

Pläne bis Mitte August

In der neuen Stellungnahme aus Pyongyang heisst es nun, man werde bis Mitte August Pläne fertigstellen, nach denen vier Mittelstreckenraketen über Japan fliegen und etwa 30 bis 40 Kilometer vor Guam ins Meer stürzen sollen. Die Flugdistanz von knapp 3360 Kilometern könnten die Raketen binnen weniger als 18 Minuten zurücklegen. Sobald die Einsatzpläne fertiggestellt seien, entscheide Präsident Kim Jong-un über das weitere Vorgehen.

Südkoreas Streitkräfte reagierten ihrerseits mit einer Drohung: Sollte das kommunistische Nachbarland seine «Provokationen» nicht unterlassen, werde es «die harte und resolute Vergeltung der Alliierten» zu spüren bekommen, sagte Generalstabschef Roh Jae-cheon. Man sei darauf vorbereitet, die «Provokationen» Nordkoreas umgehend zu kontern. Südkoreas Nationaler Sicherheitsrat sollte am Donnerstag (8 Uhr MESZ) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten.

Äusserung nicht abgesprochen

Nach Informationen der «New York Times» hatte Trump seine weltweit beachteten «Feuer und Wut»-Äusserungen nicht vorher mit seinem Stab abgesprochen. Der Präsident habe spontan auf eine Reporterfrage reagiert, berichtet die Zeitung. Sie stützt sich dabei auf Aussagen von Beratern Trumps.

US-Aussenminister Rex Tillerson hatte sich danach mässigend geäussert. Bei einem Stopp auf Guam sagte Tillerson, er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen. Trump habe nur die nordkoreanische Rhetorik in gleicher Sprache beantworten wollen.

Verteidigungsminister James Mattis richtete dagegen eine Warnung an Pyongyang: «Die Demokratische Volksrepublik sollte jeden Gedanken an Handlungen aufgeben, die zum Ende ihres Regimes und zur Vernichtung ihres Volkes führen würden.» Zwar versuche das US-Aussenministerium alles, um der Bedrohung mit diplomatischen Mitteln Herr zu werden. Allerdings verwies Mattis auch auf die Erfahrung und überlegene Schlagkraft der US-Streitkräfte. Einen Rüstungswettlauf könne Nordkorea nur verlieren.

Zur atomaren Bewaffnung der USA hatte Trump am Mittwoch getwittert: «Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren. Jetzt ist es weit stärker und kraftvoller als jemals zuvor.» Die «Washington Post» und zahlreiche US-Militärexperten wiesen darauf hin, dass eine Modernisierung des Arsenals binnen sechs Monaten schlicht unmöglich sei.

China kritisiert Schlagabtausch

Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kritisierte den verbalen Schlagabtausch zwischen den USA und Nordkorea scharf. In einem Kommentar hiess es, ohne eine «Rückkehr zur Vernunft» werde «alles noch schlimmer». Nordkorea sollte sein Atom- und Raketenprogramm einstellen, während die USA und Südkorea ihre Militärmanöver aussetzen, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch Japans Regierung rief zur Mässigung auf, richtete ihren Appell aber ausschliesslich an Pyongyang.

Trotz Verboten des UNO-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10'000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UNO-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

(chk/sda)

Erstellt: 10.08.2017, 03:38 Uhr

Artikel zum Thema

«Trump benutzt eine Rhetorik, die ihn noch mehr unter Druck setzt»

Interview Im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea verschärft sich der Ton. Wie gross ist die Gefahr einer militärischen Eskalation? Einschätzungen von ETH-Sicherheitsexperte Oliver Thränert. Mehr...

«Unser Atom-Arsenal ist mächtiger als je zuvor»

US-Präsident Donald Trump lässt den Streit mit Nordkorea weiter eskalieren. Die Kritik an der verbalen Kraftmeierei nimmt zu. Mehr...

Nordkorea droht USA mit «totalem Krieg»

Das Regime in Nordkorea reagiert auf verbale Provokationen von Donald Trump und zieht einen Angriff auf die US-Insel Guam «ernsthaft in Erwägung». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts für Tierliebhaber: Fuchspelze werden von einem Arbeiter auf dem chinesischen Chongfu Pelzmarkt verarbeitet (14. Dezember 2017).
(Bild: William Hong) Mehr...