Kims bester General

Kim Jong-un hat viele Kader seines Vaters entfernen oder hinrichten lassen. General Kim Rak-gyom dagegen blieb und geniesst eine Sonderrolle: Er darf seine persönliche Meinung publizieren.

Diktator Kim Jong-un inspiziert Kräfte seiner Volksarmee. Nordkoreas Propaganda-Agentur veröffentlicht nur gezielt Bilder. Eines von General Kim Rak-gyom ist nicht dabei. Bild: AFP

Diktator Kim Jong-un inspiziert Kräfte seiner Volksarmee. Nordkoreas Propaganda-Agentur veröffentlicht nur gezielt Bilder. Eines von General Kim Rak-gyom ist nicht dabei. Bild: AFP

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Für Nordkoreas Propaganda gibt es nur einen lebenden Helden: Kim Jong-un. Dazu seinen Vater und den Grossvater Kim, die toten Helden Nordkoreas. Alle andern Figuren, die in der Öffentlichkeit auftauchen, sind Statisten in diesem Personenkult-Theater. Austauschbare Zuarbeiter, welche die drei Lichtgestalten noch heller scheinen lassen sollen.

Einer dieser Nebendarsteller, der in jüngster Zeit oft an der Seite Kim Jong-uns zu sehen war, ist Kim Rak-gyom. Der Vier-Sterne-General befehligt die «Strategischen Streitkräfte» Nordkoreas, die Raketen- und Atomwaffen-Einheit. Zuvor war der Raketen- und Luftfahrtexperte schon Kommandant einer Artillerie-Einheit und fünf Jahre stellvertretender Chef der Raketen-Truppe. Kim Jong-un hat viele Kader seines Vaters weggesäubert oder sogar hinrichten lassen, selbst seinen Onkel Jang Song-taek. Kim Rak-gyom dagegen blieb, er übernahm im Jahr 2012 das Kommando der Raketeneinheit und wurde auch in der «Arbeiterpartei» befördert.

Es ist selten, dass einem General so viel persönliche Publizität zugebilligt wird

Nach dem Abschuss einer angeblichen Langstreckenrakete Ende Juli, die, wie die Propaganda behauptet, das amerikanische Festland erreichen könnte, gaben Kim Jong-un und seine Frau ein Bankett für den General und seine Raketen-Einheit. Zusammen feierten sie den «militärischen Grosserfolg», so die Parteizeitung Rodong Sinmun. Fast alle Bankette Kims, über die das Parteiblatt seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren berichtete, galten übrigens der Armee und oft der Raketeneinheit. Die übrigen seinem Vater und Grossvater.

Anfang August war es Kim Rak-gyom, der verkündete, als Antwort auf die Drohungen von US-Präsident Donald Trump bereite seine Einheit vier Raketenabschüsse vor, welche die von den USA kontrollierte Insel Guam 30 bis 40 Kilometer vor ihrer Küste einkreisen würden. Guam treffen wollte Nordkorea nie. Anschliesend beschimpfte der General Trump persönlich; Der US-Präsident sei «senil», er verbringe zu viel Zeit auf dem Golfplatz. Seiner Truppe gehe er «extrem auf die Nerven». Es ist ungewöhnlich, dass die nordkoreanische Propaganda einem General so viel persönliche Publizität zubilligt.

Kim Jong-uns Vater Kim Jong-il regierte mit der sogenannten Songun-Politik, was bedeutet «das Militär zuerst». Songun sei «die Garantie für die Wiedervereinigung des Vaterlandes», so behauptet die Propaganda. Damit machte Kim die Armee zum Staat in dem verarmten Staat. Die Armee versorgt sich über eine Parallelwirtschaft, unterhält eigene Fabriken und andere Firmen, und sie betreibt auch illegale Geschäfte wie Schmuggel. Das Militär sicherte dem alten Kim die Macht, nicht nur gegen aussen, sondern mehr noch nach innen. Die Partei verlor unter ihm viel von ihrer Bedeutung.

So viel Rampenlicht für einen Statisten Kim Jong-uns ist auch gefährlich

Kim Jong-un dagegen nutzt die Partei wieder als Instrument der Machtausübung. Er hat sich in den vergangenen Jahren auch bemüht, die Versorgung der Menschen zu verbessern, vor allem der Elite in Pyongyang. Dazu duldet er eine halblegale Marktwirtschaft. Zum Schutz gegen Interventionen von aussen, insbesondere vor einem vom Regime permanent befürchteten Versuch der Amerikaner, Kim zu stürzen, setzt er ganz auf die Abschreckung mit Raketen und Atomwaffen. Aus Sicht Pyongyangs ist das die billigste Lebensversicherung für das Regime.

Damit sind die «strategischen Streitkräfte» wichtigster Zweig der Armee geworden – und der, mit dem man den USA Respekt abfordern kann, so glaubt das Regime. Das dürfte General Kim Rak-gyoms relative Prominenz erklären. Allerdings ist so viel Rampenlicht für einen Statisten Kim Jong-uns auch gefährlich. Als der General im Mai 2016 einige Ämter abgeben musste und bei Militäranlässen fehlte, vermuteten Nordkorea-Experten, sein Posten sei wegen einiger verpatzter Raketenstarts gesäubert worden.

Erstellt: 31.08.2017, 15:18 Uhr

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