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Kims Internet besteht aus 168 Seiten

Die meisten Nordkoreaner haben mittlerweile Zugang zu Computer und Handy. Deren Nutzung wird vom Regime jedoch streng kontrolliert.

Abgeschottet und überwacht: Ein nordkoreanischer Schuljunge vor einem Computerbildschirm im Sci-Tech-Komplex in Pyongyang. (17. April 2017)
Abgeschottet und überwacht: Ein nordkoreanischer Schuljunge vor einem Computerbildschirm im Sci-Tech-Komplex in Pyongyang. (17. April 2017)
Wong Maye-E/AP
Wer nicht zu Nordkoreas Elite gehört, bewegt sich im nationalen Intranet namens Kwangmyong, was «Helligkeit» oder «Licht» bedeutet.
Wer nicht zu Nordkoreas Elite gehört, bewegt sich im nationalen Intranet namens Kwangmyong, was «Helligkeit» oder «Licht» bedeutet.
Wong Maye-E/AP
Besucher einer Messe in Pyongyang sehen sich einen in Nordkorea produzierten Tablet-Computer an.
Besucher einer Messe in Pyongyang sehen sich einen in Nordkorea produzierten Tablet-Computer an.
Jon Chol Jin/AP
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Der Sci-Tech-Glaskomplex in der nordkoreanischen Hauptstadt verfügt über 3000 Computer-Arbeitsplätze, die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Von den rund 25 Millionen Nordkoreanern besitzt mittlerweile jeder Zehnte ein Smartphone. Der Internetzugang scheint endlich auch im Land von Kim Jong-un angekommen zu sein.

Doch hat das nordkoreanische Internet wenig zu tun mit dem in westlichen Ländern. Es gleicht dem Intranet eines mittelgrossen Unternehmens, abgeschottet vom Rest der Welt. Über ein System namens Kwangmyong, was so viel wie «Licht» oder «Helligkeit» bedeutet, lassen sich nur etwa 168 Seiten aufrufen, wie ein Regierungsmitarbeiter laut der «Welt» berichtet. Das staatliche Betriebssystem heisst «Roter Stern», der Browser «Mein Land».

Nur Eritrea ist weniger internetfreundlich

Über Kwangmyong lassen sich zum Beispiel Textnachrichten schicken oder Videokonferenzen abhalten. Über die Suche gelangt man zu Informationen zu Restaurants, Kochrezepten oder zur Homepage der Universität. Privilegiertere erhalten Zugang zu E-Shopping und Internet-Banking.

Fast keiner besitzt einen eigenen PC, und selbst E-Mail-Adressen müssen geteilt werden. In puncto Internetfreundlichkeit belegt Nordkorea den zweitletzten Platz, unterboten nur noch von Eritrea.

Gehackte Versionen des nordkoreanischen Betriebssystems fördern verborgene Features zutage, die der Kontrolle der User dienen. Versucht man, die zentralen Funktionen zu verändern, führen die Rechner sofort einen Neustart durch. Um subversive Aktivitäten zurückzuverfolgen, werden von USB-Sticks hochgeladene Dateien automatisch mit einem Wasserzeichen versehen.

Auf Überwachung ausgelegt

Staatschef Kim Jong-un ist der erste Staatschef des Landes, der mit dem Internet aufgewachsen ist. Er sehe die Vorteile eines vernetzten Nordkorea – vor allem zur sozialen und politischen Kontrolle, glaubt «Die Welt».

Die Art der Zensur zeige eine neue Strategie der Informationskontrolle, sagt Nat Kretchun, stellvertretender Direktor des Open Technology Fund, der Zeitung. Früher seien Informationen mittels grossen personellen Aufwands kontrolliert worden. Heute hätten die Behörden Internetgeräte und -anwendungen für die Überwachung entwickelt. Handys und internetfähige Geräte in Nordkorea seien in erster Linie auf Überwachung und Kontrolle ausgelegt, sagt Ketchum.

Nordkoreanische Handys können keinen Kontakt zum Ausland aufnehmen. Dieses Defizit versucht das Regime mit Hunderten von Klingeltönen und der Möglichkeit, Selfies aufzunehmen, zu kompensieren.

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