Kopfschmerzen für Putin

Putin fegt blutjunge Demonstranten weg wie lästige Fliegen. Damit riskiert er einen Aufstand seiner treuen Wähler.

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Es wird ein schönes Fest, wenn Wladimir Putin diesen Montag im glitzernden Kreml zum vierten Mal ins Amt des russischen Präsidenten eingesetzt wird. Da spielen auch die paar Tausend Demonstranten keine grosse Rolle, die hinausschreien, Putin sei nicht ihr Zar. Denn auf die schweigenden 144 Millionen Russen gerechnet, sind das nicht viele. Grund zu Kopfschmerzen hat Putin nach dem Fest trotzdem. In sechs Jahren soll er Russland neu ordnen, denn dann muss er abtreten. Die Ereignisse in der ehemaligen Sowjet­republik Armenien zeigen, dass auch die geduldigsten Untertanen es nicht schätzen, wenn sich die obersten Chefs nicht an die Regeln halten. Dort hatte sich der Präsident einfach zum Premier wählen lassen, um weiterzuregieren. Diesen Trick hat Putin auch schon angewendet – und ist damit nur knapp an der Katastrophe vorbeigeschlittert. Am Tag vor der Inauguration 2012 kam es in Moskau zu Grossprotesten.

Die kommenden Jahre werden ihm zudem jene Kopfschmerzen bereiten, die er dieses Wochenende wie lästige Fliegen wegfegen liess: die blutjungen Demonstranten, die sich vom Kreml nichts vorschreiben lassen wollen. Sie steuert und manipuliert Putin nicht mehr so einfach per Staatsfernsehen. Sie haben dank Smartphone und sozialen Medien ein Fenster in eine andere Welt geöffnet. Wie das Verbot des Messenger-Dienstes Telegram zeigt, der seine Kunden nicht dem Geheimdienst ans Messer liefern wollte, versucht der Kreml, dieses Fenster nach alter Manier wieder zuzunageln.

Doch so einfach ist das nicht. Das kann sich jeder vorstellen, der schon einmal versucht hat, einem Teenager das Handy zu verbieten. Und sollte die Polizei mit zu viel Härte gegen die jungen Leute vorgehen, riskiert Putin einen Aufstand der Eltern und Grosseltern, die zu seinen treuen Wählern zählen. Denn es sind diesmal nicht ein paar abgehobene Oppositionelle, die für abstrakte und für viele Russen hohle Slogans demonstrieren. Es sind die Kinder des Landes, die den Russen über alles gehen. Wenn er sie anrührt, könnte Wladimir Putins vierte, so triumphal gewonnene Amtszeit in Katzenjammer enden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2018, 21:55 Uhr

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