Korrespondenten: So sehen sie den Gipfel

Für den nordkoreanischen Diktator ist das Treffen an sich schon ein Erfolg. Die offene Frage ist: Wird es eine Einigung geben?

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Der Rote Teppich ist ausgerollt vor dem ehemaligen Offiziersgebäude der britischen königlichen Artillerie, um 9.04 Uhr treten US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un aufeinander zu, dann schütteln sie sich die Hände, 13 Sekunden lang. Trump greift Kim kurz an die rechte Schulter, er spricht zu ihm ohne zu lächeln, Kim hört zu und nickt.

Video: Der grosse Moment

Es ist der Moment, der in die Geschichte eingehen wird. Zum ersten Mal treffen ein amtierender US-Präsident und ein Regime-Führer von Nordkorea aufeinander. Selbst Kims Übersetzer ist beeindruckt. Kurz vor Beginn der gemeinsamen Gespräche soll er gesagt haben, dass dies alles auf viele Menschen wie ein «Science-Fiction-Film» wirken müsse.

Es ist noch gar nicht lange her, da hatten die beiden einander gedroht und sich gegenseitig wüst beschimpft. Trump nannte Kim einen «Raketenmann auf Selbstmordmission». Dieser revanchierte sich und bezeichnete Trump als einen «senilen Greis». Offiziell befinden sich beide Länder noch im Krieg. Seit 1953 herrscht bloss Waffenstillstand. Nun aber treffen sich ihre Staatschefs hier im Nobel-Hotel Capella auf Sentosa, einer vorgelagerten Insel von Singapur.

Zuerst kommt Kim Jong-un am Hotel an. Um 8.53 Uhr Ortszeit steigt er aus seiner schwarzen Stretchlimousine. Der nordkoreanische Diktator trägt schwarz, einen bis oben zugeknöpften Anzug, den sie in seinem Land eine Ziviluniform nennen. Die Haare sehen frisch geschoren aus, Kim wirkt ein wenig verschlafen, er war am Abend noch in Singapur unterwegs.

Nordkoreas grösste Tageszeitung Rodong Sinmun publizierte in ihrer Dienstagsausgabe auf der Titelseite Fotos von Kims nächtlicher Tour. Eine solche Offenheit ist ungewöhnlich in Nordkorea. In der Hand hält Kim seine Brille, mehrmals blickt er sich um, bevor er hineingeht.


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Sechs Minuten später fährt US-Präsident Donald Trump in seinem gepanzerten Wagen vor. «The Beast» nennen sie das Fahrzeug zu Hause. Auch er sieht mürrisch aus, kein Lächeln im Gesicht.

Kurz nach dem historischen Handschlag gehen beide einen Gang entlang, biegen ab in einen Raum und nehmen schliesslich auf zwei Sesseln vor den Flaggen ihrer Länder Platz. Trump formt die «Merkel-Raute», Kim schliesst die Hände vor dem Körper. Trump sagt: «Wir werden eine tolle Beziehung haben, ich habe keine Zweifel.» Kim sagt, dass beide Parteien vor dem Gipfel zahlreiche «Hindernisse» aus dem Weg räumen mussten. «Wir haben alle überwunden, und wir sind heute hier.» Trump nickt mit dem Kopf und sagt: «So wahr, so wahr». Er schüttelt erneut Kims Hand und zeigt ihm dann seinen hochgereckten Daumen.

Für Kim ist das Treffen jetzt schon ein Erfolg

Die nächsten 45 Minuten reden sie unter vier Augen, nur die Dolmetscher bleiben im Raum. Sie zeigen sich kurz den Fotografen, als sie zum nächsten Treffen gehen. Um 9.55 Uhr sitzen Kim und Trump an einem Tisch mit ihren Beratern. Auf nordkoreanischer Seite sind das Aussenminister Ri Yong-ho sowie der ehemalige Geheimdienstchef Kim Yong-chol, der den Gipfel, nachdem er zu scheitern drohte, in New York mit US-Aussenminister Mike Pompeo wieder vorantrieb. Auch der sitzt jetzt am Tisch, direkt neben Trump.

Ganz aussen hat US-Sicherheitsberater John Bolton Platz genommen, jener Mann, der die Nordkoreaner schwer verärgert hatte. Boltons Forderung: Nordkorea solle dem Vorbild Libyens folgen und sein Nuklearprogramm einstellen. Nordkoreanische Überläufer haben berichtet, dass Kim und sein Vater damals immer wieder die Bilder angeschaut hätten, als Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi, der selbst ernannte «König der Könige», im Oktober 2011 aus einem Abwasserrohr nahe der Hafenstadt Sirte gezogen wurde, kurz darauf war er tot.

Das Treffen findet also tatsächlich statt. Die offene Frage ist: Wird es eine Einigung geben? Und wie sieht diese aus? Davon wird abhängig sein, ob das Treffen ein Erfolg für Trump wird, oder ein Flop. Für Kim ist es jetzt schon ein Erfolg: Er ist der erste nordkoreanische Regime-Führer, der es geschafft hat, mit einen US-Präsidenten auf Augenhöhe an einem Tisch zu sitzen.

Erstellt: 12.06.2018, 06:49 Uhr

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