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Krieg in Afghanistan: Geheime Akten enthüllen brisante Details

Mehr als 90'000 geheime US-Militärberichte über den Krieg in Afghanistan wurden dem «Spiegel», der «New York Times» und dem «Guardian» zugespielt. Sie zeigen Erstaunliches.

Harter Einsatz: US-Soldaten in Afghanistan.
Harter Einsatz: US-Soldaten in Afghanistan.
Reuters

Die auf Enthüllungsgeschichten spezialisierte Website WikiLeaks hat mit der Veröffentlichung von über 91'000 teils geheimen Dokumenten zum Afghanistan-Krieg für Furore gesorgt. Die Unterlagen zeigen die zusehends schlechte Lage für die USA und ihre Verbündeten.

Die Dokumente aus dem Zeitraum von 2004 bis 2010 zeichneten ein «düsteres Bild» von der Lage am Hindukusch, berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel», welches die Dokumente nach eingehender Prüfung auf ihre Authentizität übernahm und am Sonntagabend zeitgleich mit der «New York Times» und dem britischen «Guardian» ins Internet stellte.

«Ungefiltertes Bild»

Die brisanten Dokumente wurden dem Internetportal WikiLeaks von unbekannter Seite zugespielt. Wikileaks-Gründer Julian Assange erklärte, das gesamte Material sei vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden, ob durch Details Soldaten im Afghanistan-Einsatz oder deren Verbündete in Gefahr geraten könnten.

WikiLeaks wiederum gab das Material vor wenigen Wochen an die drei Medien weiter. Laut «Spiegel» zeichnen die Einsatzberichte und Dokumente aus dem US-Verteidigungsministerium aus unmittelbarer Sicht der Soldaten ein «ungefiltertes Bild des Krieges».

Es geht beispielsweise um Einsätze der Taskforce 373, einer US- Eliteeinheit. Sie sei darauf spezialisiert, Top-Taliban gezielt auszuschalten. Die Dokumente geben demnach auch Auskunft über Opfer unter Zivilisten bei den Kommandoaktionen.

Immer schlechter

Die afghanischen Sicherheitskräfte würden in den Unterlagen «als hilflose Opfer» von Anschlägen der radikalislamischen Taliban beschrieben. Zudem zeigten die Dokumente, dass der Krieg im Norden des Landes, wo die Bundeswehr stationiert ist, immer bedrohlicher werde.

Für den Norden Afghanistans gibt es demnach zahlreiche sogenannter «Threat Reports», Bedrohungsszenarien und konkrete Warnungen vor bevorstehenden Anschlägen. Aus den Meldungen gehe anschaulicher als aus den Informationen der Bundesregierung an den Bundestag hervor, dass die Sicherheitslage in der Region immer schlechter werde, berichtete der «Spiegel».

Die Dokumente offenbaren demnach auch, dass der pakistanische Geheimdienst der «vermutlich wichtigste ausserafghanische Helfer der Taliban» sei.

Abgesandte des pakistanischen Geheimdienstes sind dem Bericht zufolge dabei, wenn sich Aufständische zum Kriegsrat treffen, und sollen auch präzise Mordbefehle erteilen, etwa gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.

Washington verärgert

Das Weisse Haus reagierte verärgert auf die Enthüllungen. Diese könnten «das Leben der Amerikaner und ihrer Partner gefährden und unsere nationale Sicherheit bedrohen», sagte der Nationale Sicherheitsberater James Jones.

Der pakistanische Botschafter in den USA, Husain Haqqani, bezeichnete die Veröffentlichung der Geheimdokumente als «unverantwortlich», da sie nicht die «tatsächlichen Gegebenheiten» widerspiegelten.

Die USA, Afghanistan und Pakistan seien «strategische Partner», die militärisch wie politisch das Terrornetzwerk Al-Qaida und dessen Verbündete der Taliban bekämpfen wollten.

Problematische Verbindungen

Die US-Regierung räumte allerdings ein, dass ihr die Verbindungen des pakistanischen Geheimdienstes zu Aufständischen seit geraumer Zeit Sorgen bereiten.

Das Weisse Haus veröffentlichte als Beleg dafür mehrere Dokumente, unter anderem ein Schreiben von Verteidigungsminister Robert Gates vom 31. März 2009. Diese Kontakte seien eine «echte Sorge» für die USA. Dies sei Pakistan auch direkt mitgeteilt worden, heisst es darin.

Veröffentlichung verteidigt

WikiLeaks-Gründer Julian Assange, hat die Veröffentlichung der Dokumente verteidigt. Guter Journalismus sei «von Natur aus» kontrovers. Guter Journalismus müsse den Missbrauch der Mächtigen aufdecken, sagte Assange der britischen Tageszeitung «The Guardian» vom Montag weiter. Wenn dies geschehe, gebe es immer Gegenreaktionen. Diese «Kontroverse» sei gut, sagte der 39 Jahre alte Australier.

Die im Dezember 2006 gegründete Internetplattform WikiLeaks will mit der Veröffentlichung von geheimen Dokumenten aus anonymen Quellen Missstände öffentlich machen. Im April hatte ein von WikiLeaks veröffentlichtes armeeinternes Video der US-Streitkräfte weltweit für Bestürzung gesorgt, das den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten durch einen US- Kampfhelikopter zeigte. Anfang Juni wurde ein US-Soldat festgenommen, der das Video an WikiLeaks weitergereicht haben soll.

dapd/se

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