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Leichtfertig und brandgefährlich

Es spielt keine Rolle, ob Wladimir Putin blufft oder ob er wirklich über die gepriesenen Wunderwaffen verfügt. In jedem Fall weckt er Erwartungen beim Publikum.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation eine Reihe neuer Waffensysteme vorgestellt. (1. März 2018)
Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation eine Reihe neuer Waffensysteme vorgestellt. (1. März 2018)
Alexei Nikolsky/Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP, Keystone
Er sprach aber auch zu gesellschaftlichen Themen. «Wir müssen ein Land sein, das offen ist für die Welt, für neue Ideen und Initiativen», so Putin. Russland habe sich in den vergangenen Jahren als «demokratische Gesellschaft auf einem freien, eigenständigen Weg» präsentiert.
Er sprach aber auch zu gesellschaftlichen Themen. «Wir müssen ein Land sein, das offen ist für die Welt, für neue Ideen und Initiativen», so Putin. Russland habe sich in den vergangenen Jahren als «demokratische Gesellschaft auf einem freien, eigenständigen Weg» präsentiert.
EPA/Maxim Shipenkov, Keystone
Putin war bereits von 2000 bis 2008 Präsident, amtete danach vier Jahre als Ministerpräsident und ist nun in der dritten Amtszeit, die neu sechs Jahre dauert. Putin dürfte also bis 2024 Präsident von Russland bleiben.
Putin war bereits von 2000 bis 2008 Präsident, amtete danach vier Jahre als Ministerpräsident und ist nun in der dritten Amtszeit, die neu sechs Jahre dauert. Putin dürfte also bis 2024 Präsident von Russland bleiben.
AP Photo/Alexander Zemlianichenko
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Die wahre Bedrohung für Russland ist nicht die Nato, es ist nicht die amerikanische Raketenabwehr, und es sind auch nicht die Sanktionen. Die wahre Bedrohung für Russland ist seine Rückständigkeit. Das ist nicht die Interpretation irgendeines Kremlkritikers, das hat Wladimir Putin selbst am Donnerstag in seiner Rede zur Lage der Nation gesagt.

Allerdings war das im ersten Teil seiner Ansprache, als es tatsächlich um die Situation im Land ging und Putin für seine nächste Amtszeit ein weiteres Mal einen grossen Sprung nach vorn versprach. Vielleicht hat er sich dabei selbst nicht richtig zugehört, so wie auch die meisten anwesenden Vertreter der politischen Elite im Saal. Sowohl der Redner als auch die Zuhörer kamen erst so richtig in Schwung, als es nach einer Stunde voller Ziffern, Statistiken und Appelle endlich echten Nervenkitzel gab: Mehrmals wurde in Computeranimationen der Beschuss der USA mit Atomwaffen simuliert. Wo doch die Bedrohung laut Putin gar nicht so ernst oder zumindest zweitrangig ist.

Putin verkörpert den Stillstand

Dagegen, dass sein Land im weltweiten Vergleich beim Lebensstandard, bei Innovationen, in der Wirtschaft immer weiter zurückfällt, hat Putin kein Rezept. Er lenkt die Geschicke des Landes seit 18 Jahren; zu lange, als dass noch jemand seinen Versprechen für eine echte Modernisierung Glauben schenken würde. Den Kampf mit den wahren Herausforderungen für Russland haben er und seine Umgebung längst aufgegeben. Am Vorabend seiner vierten Amtszeit verkörpert Putin selbst den Stillstand.

Aber ein Sieg über den alten Rivalen USA wirkt immerhin wie ein Trost, selbst wenn er nur in der Computergrafik zustande kommt. Vorerst. Denn das leichtfertige Reden von einem Atomschlag ist brandgefährlich. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, ob Wladimir Putin blufft oder ob er wirklich über die gepriesenen Wunderwaffen verfügt. In jedem Fall weckt er Erwartungen beim Publikum. Der russische Dramatiker Anton Tschechow hat dieses Gesetz so beschrieben: Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, muss es spätestens im letzten auch abgefeuert werden. Bei Tschechow war es nur Theater.

Video: Youtube/RT

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