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Massenweinen in Pyongyang

Nach dem Tod von Kim Jong-il strömen in Nordkorea Menschen zusammen, um den Verlust zu beklagen. Im Westen herrscht Verunsicherung. Kommentatoren richten ihr Augenmerk aufs Militär.

Die Nachrichtensprecherin des nordkoreanischen Fernsehens kämpfte mit den Tränen als sie den Tod von Machthaber Kim Jong-il bekannt gab. Die Neuigkeit trieb in dem abgeschotteten, kommunistischen Staat zahlreiche Menschen auf die Strasse. Dort bekunden sie öffentlich ihren Schmerz über den Tod des «geliebten Führers».

Das Staatsfernsehen zeigt weinende Menschen. Vor Statuen werfen sie sich heulend auf die Knie, schlagen mit den Fäusten auf den Boden, als könnten sie es kaum fassen – als könnten sie ihre grosse Trauer kaum ertragen. Ob die Szenen inszeniert sind oder ob es sich um spontane Solidaritätsbekundungen handelt, ist nicht bekannt.

Aufruf zu Besonnenheit – Börsen geben nach

Die ersten Reaktionen der Nachbarländer bezeugen die Sorge, mit welcher sie auf den Tod des langjährigen, mysteriösen nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il reagieren. Südkorea hat seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Präsident Lee Myung Bak hat seine Landsleute zur Ruhe aufgerufen. Der Staatschef bitte die Menschen, «ohne Unruhe ihren gewohnten Geschäften nachzugehen», sagte ein Vertreter des südkoreanischen Präsidialamtes im Fernsehen. Der südkoreanische Won verlor nach Bekanntgabe von Kims Tod in wenigen Minuten mehr als ein Prozent gegenüber dem Dollar, der Leitindex Kospi schloss 3,4 Prozent tiefer als am Freitag bei 1,776.93 Punkten. Im Verlauf des Handelstages gab der Index um bis zu 4,9 Prozent nach. Auch andere asiatische Börsen reagierten mit Kursverlusten.

Nur zwei Stunden nachdem die Nachricht vom Tod Kim Jong-ils verbreitet wurde, habe Lee bereits mit US-Präsident Barack Obama telefoniert. Beide Politiker hätten vereinbart, eng zusammenzuarbeiten und die Lage in Nordkorea genau zu beobachten. Wie das Weisse Haus in Washington mitteilte, bekräftigte Obama in dem Telefonat, dass sich die USA weiter für Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und die Sicherheit Südkoreas einsetzten wollten.

Japan und China sprechen Beileid aus

In Japan trat das Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen. Danach hat Tokio Nordkorea überraschend sein Beileid ausgesprochen. «Die japanische Regierung hofft, dass diese Situation keine negativen Folgen für den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel hat», sagte Regierungssprecher Osamu Fujimura. Japan fühlt sich von den nordkoreanischen Raketen- und Atomwaffentests unmittelbar bedroht.

Auch China hat Nordkorea sein «aufrichtiges Beileid» ausgesprochen. Peking sei schockiert über Kims Tod und sende dem nordkoreanischen Volk «herzliche Grüsse», sagte der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Ma Zhaoxu. China gilt als engster Verbündetes des international weitgehend isolierten Regimes in Nordkorea und unterstützt das Nachbarland regelmässig mit Nahrungsmittel- und Benzinlieferungen. Allein in diesem Jahr war Kim zweimal zu Besuch in China.

Das verschwiegene Regime in Pyongyang ist zu unberechenbar, als dass man genau vorhersagen könnte, ob der Machtwechsel friedlich vonstatten gehen wird. Gemäss Drehbuch müsste nun Kims Sohn Kim Jong-un an seine Stelle treten. Sein genaues Alter ist nicht bekannt, doch er soll 27 oder 28 Jahre alt sein. Die staatlichen Medien haben ihn als Leiter des Bestattungskomitees für seinen Vater genannt. Formell muss der dritte Sohn des verstorbenen Diktators vom Volkskongress noch gewählt werden. Bis zum 29. Dezember wurde eine offizielle Trauerperiode angesetzt.

Zeit der Ungewissheit

«Nun beginnt eine besonders gefährliche Periode», sagt Jim Walsh, Sicherheitsexperte des Massachusetts Institute of Technology gegenüber der «New York Times». «Wir haben es mit einem jungen Führer zu tun, dem das Militär misstrauen könnte und der sich beweisen muss», sagt Walsh. «Und das kann zu Fehleinschätzungen führen und einen versehentlichen Krieg auslösen.» Der Tod Kims wurde fast zwei Tage geheim gehalten. Das könnte laut der «New York Times» ein Zeichen sein, dass das Regime um eine neue Positionierung gerungen hat.

Laut einem hochrangigen, nicht genannten amerikanischen Armeeangehörigen in Südkorea haben die USA verschiedene Szenarien für den Tod von Kim Jong-il ausgearbeitet. Weitere Regierungsbeamte haben gegenüber der «New York Times» die Einschätzung geäussert, Kim Jong-un hätte noch ein weiteres Jahr gebraucht, um seine Position in Partei und Armee zu stärken.

Er wurde erst im September 2010 in höhere Ämter eingeführt. Kim Jong-un wurde damals zum stellvertretenden Vorsitzenden der Militärkommission der Partei gemacht und zusätzlich ins Zentralkomitee aufgenommen. Er soll bis 1998 eine Schule bei Bern, in Köniz-Liebefeld, besucht haben, was jedoch nie offiziell bestätigt wurde.a

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