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Mikrofon-Bombe tötet afghanischen Gouverneur

Ein besonders heimtückisches Attentat: Während der Rede eines Gouverneurs explodierte ein in einem Mikrofon versteckter Sprengsatz. Auch andernorts überschatten Anschläge das muslimische Opferfest.

Durch einen Sprengsatz getötet: Der Gouverneur der afghanischen Provinz Logar, Arsala Jamal.
Durch einen Sprengsatz getötet: Der Gouverneur der afghanischen Provinz Logar, Arsala Jamal.
Reuters

In Afghanistan ist ein Provinzgouverneur einem besonders heimtückischen Attentat zum Opfer gefallen. Der Provinzgouverneur von Logar, Arsala Jamal, wurde am Dienstag bei einer Rede durch die Explosion eines Sprengsatzes in seinem Mikrofon getötet, wie sein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte. Mindestens 18 weitere Menschen seien bei dem Attentat in einer Moschee zu Beginn des islamischen Opferfests verletzt worden.

Der von der Polizei bestätigte Anschlag ereignete sich nach dem Festtags-Gebet, als Jamal sich gerade mit einer Rede an die Gläubigen wenden wollte. Er war erst seit April im Amt und galt als enger Vertrauter von Präsident Hamid Karzai, für den er 2009 als Wahlkampfmanager gearbeitet hatte. Karzai ist ein Hauptgegner der radikalislamischen Taliban im Land und ernennt alle 34 Provinzgouverneure persönlich. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Taliban fahren harte Linie

Ohne den Mordfall anzusprechen, rief Karzai die Taliban in seiner Erklärung anlässlich des höchsten islamischen Feiertags auf, ihre Angriffe einzustellen und die Entwicklung des Landes nicht länger zu behindern. Allerdings hatte Taliban-Führer Mullah Omar am Wochenende seine harte Linie bekräftigt: Die Präsidentschaftswahl im April würden seine Gefolgsleute nicht akzeptieren, weil diese von ausländischen Kräften manipuliert sei. Ausserdem würden die Taliban US-Stützpunkte auf afghanischem Boden «niemals akzeptieren» und den bewaffneten Kampf gegen die internationalen Streitkräfte noch intensiver als bislang fortführen.

Logar liegt südlich der afghanischen Hauptstadt Kabul und gilt als notorisch unsicheres Gebiet. Die Provinz ist ein Einfallstor für Taliban-Kämpfer aus dem Süden und Osten des Landes, die in Kabul Anschläge gegen die Regierung oder ausländische Truppen verüben wollen.

Zum Opferfest, das in islamischen Ländern auf der ganzen Welt begangen wird, versammeln sich Muslime in Moscheen, um den Propheten Ibrahim und dessen Bereitschaft zu würdigen, seinen Sohn auf Verlangen Gottes zu opfern. In vielen Familien werden zu diesem traditionellen Anlass Schafe und Ziegen geopfert und ihr Fleisch an Verwandte, Freunde und Arme verteilt. In Konfliktregionen sind allerdings auch die hohen islamischen Feiertage den Extremisten nicht heilig.

Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten

In der ölreichen irakischen Vielvölkerstadt Kirkuk kamen bei einem Anschlag auf eine Moschee mindestens neun Menschen ums Leben. Wie die Polizei mitteilte, explodierte die Bombe, als sunnitische Muslime das Gotteshaus nach Gebeten zum islamischen Fest verliessen. Im Irak gibt es fast täglich Anschläge und bewaffnete Übergriffe. Hintergrund ist der Machtkampf zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen in dem arabischen Land.

Festliche Ruhe herrschte hingegen in der Türkei: Mit Gebeten und der Vorbereitung auf rituelle Schlachtungen begann das Opferfest am Dienstag. Zum Kurban Bayrami – wie das Opferfest in der Türkei heisst – besuchten viele Menschen Gräber Verstorbener oder begaben sich zu Familienbesuchen.

Türkische Politiker mahnten zu Frieden und Brüderlichkeit und beklagten Chaos und Gewalt in vielen Staaten der islamischen Welt. Staatspräsident Abdullah Gül, der am Sonntag zur Pilgerfahrt nach Mekka aufgebrochen war, erklärte, die Türkei müsse innenpolitische Probleme in gegenseitiger Achtung und mit demokratischen Reformen lösen.

Furcht vor neuen Ausschreitungen

In der russischen Hauptstadt Moskau waren die muslimischen Feierlichkeiten von der Furcht vor neuen Ausschreitungen geprägt. Der Mord an einem jungen Russen hatte dort zuvor fremdenfeindliche Krawalle ausgelöst. Als Täter gesucht wird nun ein Mann aus der islamisch geprägten Südkaukasusrepublik Aserbeidschan.

Mehr als 100'000 Muslime beteten am Dienstag auf eigens abgesperrten Strassen. Für die grosse muslimische Gemeinde in der Metropole gibt es nur wenige Moscheen. Ein grosses Sicherheitsaufgebot sollte Zusammenstösse mit Ultranationalisten verhindern.

AFP/sda/mw

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