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Mindestens 80 Tote bei Anschlägen auf Moscheen in Pakistan

Extremisten haben in der pakistanischen Stadt Lahore in zwei Moscheen ein Massaker angerichtet. Ziel war eine religiöse Minderheit, die den Taliban ein Dorn im Auge sind.

Unter Beschuss: TV-Bilder von pakistanischen Polizeieinheiten, die in Deckung gehen.
Unter Beschuss: TV-Bilder von pakistanischen Polizeieinheiten, die in Deckung gehen.
Keystone

Religiöse Fanatiker haben in der ostpakistanischen Stadt Lahore während des Freitagsgebets zwei Moscheen der Ahmadiyya-Minderheit angegriffen und ein Blutbad angerichtet. Mindestens 80 Menschen starben nach Angaben der örtlichen Behörden, etwa 100 wurden verletzt. Es wurden die Leichen dreier Attentäter gefunden. Spitalmitarbeiter sprachen unterdessen von bis zu 140 Verletzten. In den Gotteshäusern beten Angehörige der Ahmadiyya, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. Zum Anschlag bekannten sich pakistanische Taliban-Milizen.

Die Angreifer warfen nach Aussagen von Zeugen zunächst Handgranaten in die Moscheen in den Stadtteilen Model Town und Gardhi Shahu. Dann eröffneten sie das Feuer auf die Gläubigen. Einige sollen auch Sprengstoffgürtel getragen und sich selbst in die Luft gesprengt haben. In Gardhi Shahu wurden laut Polizeiangaben die Leichen dreier Attentäter gefunden.

Die Polizei in Lahore konnte etwa 2000 Menschen aus den beiden Moscheen befreien. Mindestens vier Terroristen seien verletzt worde. Zwei wurden festgenommen, darunter ein Jugendlicher. Der pakistanische Regierungschef Yousuf Raza Gilani verurteilte die Angriffe und bekundete «tiefe Trauer» über die Toten. Lahore ist mit rund acht Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt Pakistans und liegt unweit der Grenze zu Indien.

Religions-Streit

Die Islamisten warfen den «Ahmadis» in einem Bekennerschreiben vor, Mohammed nicht als Propheten anzuerkennen, gegen den Heiligen Krieg zu konspirieren und gemeinsame Sache mit den Juden zu machen. Der Angriff sei die letzte Warnung an die Minderheit, Pakistan zu verlassen. Andernfalls würden sie sterben.

Die «Ahmadiyya-Muslim»-Bewegung ist eine 1889 gegründete islamische Religionsgemeinschaft, die jegliche Gewalt ablehnt. Sie hat weltweit bis zu 15 Millionen Anhänger. In Pakistan leben mehrere Millionen.

Viele pakistanische Ahmadis sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen in westliche Länder geflüchtet. Obwohl es in Pakistan gesetzlich Religionsfreiheit gibt, dürfen Ahmadis ihren Glauben dort nicht ausüben.

Lahore eine Wiege der Ahmadiyya

In den vergangenen Monaten wurde Lahore, eine Wiege der Ahmadiyya, immer öfter zum Ziel von Anschlägen. Am 12. März wurden bei einem doppelten Selbstmordattentat 57 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt. In einem Jahr kamen bei neun Anschlägen in Lahore mindestens 265 Menschen ums Leben.

Pakistan wird seit Jahren regelmässig von Anschlägen erschüttert, die oft religiös motiviert sind und meist auf Schiiten zielen. In den vergangenen drei Jahren starben bei etwa 400 Attentaten mehr als 3300 Menschen. Für die meisten Attentate werden sunnitische Taliban oder Kämpfer des Terrornetzwerkes al-Qaida verantwortlich gemacht.

ddp/afp/mt/se/jak

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