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Misshandelte Hausangestellte gewinnt wegweisenden Prozess

Schläge, Demütigung und keine Pausen: Nach monatelanger Tortur hat eine indonesische Hausangestellte ihre Arbeitgeberin in Hongkong verklagt – und vor Gericht recht bekommen.

Im «Folter-Fall» von Erwiana Sulistyaningsih bekommt die gepeinigte Hausangestellte recht: Erwiana (Mitte) verlässt zusammen mit Unterstützern und Aktivisten das Gericht. (10.2.2015)
Im «Folter-Fall» von Erwiana Sulistyaningsih bekommt die gepeinigte Hausangestellte recht: Erwiana (Mitte) verlässt zusammen mit Unterstützern und Aktivisten das Gericht. (10.2.2015)
Philippe Lopez, AFP

Richterin Amanda Woodcock sah es als erwiesen an, dass die 44 Jahre alte Angeklagte ihre Haushälterin Erwiana Sulistyaningsih unter anderem geschlagen und ihr den Schlauch eines Staubsaugers in den Mund gerammt hatte. «Ich bin sicher, dass sie die Wahrheit gesagt hat», sagte Woodcock am Dienstag.

Die Angeklagte wurde unter anderem der schweren Körperverletzung und Einschüchterung schuldig gesprochen. Vor dem Gericht demonstrierten Unterstützer von ihr. «Mir ist heute Gerechtigkeit widerfahren», sagte Sulistyaningsih nach dem Prozess zu Hongkonger Journalisten.

Sie konnte kaum noch laufen

Erwiana hielt acht Monate als Hausangestellte der Angeklagten durch. Als sie danach in ein Spital ging, war einer ihrer Zähne durch einen Schlag ihrer Chefin angebrochen, sie hatte schlimmen Ausschlag und konnte kaum laufen. Sie erzählte, dass sie in der gesamten Zeit nicht einen Tag Pause machen durfte.

Unterstützer von Erwiana vor dem Gerichtssaal.

Ihre Chefin hatte ihr mit schlimmen Konsequenzen gedroht, falls sie jemals über ihre Tortur sprechen sollte. Aber Sulistyaningsih wollte sich nicht verstecken, ging zurück nach Indonesien und machte ihr Schicksal öffentlich. Das US-Magazin «Time» setzte die Hausangestellte später auf seine Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Verbale und körperliche Angriffe an der Tagesordnung

Sulistyaningsihs Fall hatte die Situation der Putzfrauen in Hongkong international bekannt gemacht. Etwa die Hälfte der mehr als 300'000 Haushaltshilfen im wohlhabenden Hongkong sind Frauen aus Indonesien.

«Erwiana sitzt hinter mir. Hörte ruhig zu. Lächelte nach dem Urteil.»

Eine Studie der Hongkonger Behörden hatte 2013 das ganze Ausmass des Problems offenbart. Demnach haben 58 Prozent der Haushaltshilfen verbale Angriffe erdulden müssen, 18 Prozent wurden körperlich misshandelt und 6 Prozent berichteten von sexuellem Missbrauch.

Oftmals sind die Angestellten komplett abhängig

Seit den Berichten über Erwiana Sulistyaningsih sind Dutzende ähnlicher Fälle bekannt geworden. Arbeitgeber in Hongkong nutzen es demnach systematisch aus, dass die Migrantinnen aus dem Ausland schlechter gestellt sind.

Sie arbeiten seit dem wirtschaftlichen Aufschwung Hongkongs in den 70er-Jahren in der Stadt. Neben dem Haushalt kümmern sie sich um die Kinderbetreuung oder pflegen alte Menschen.

Oftmals sind sie komplett von ihren Dienstherren abhängig. Kündigen sie und finden nicht innerhalb von zwei Wochen eine neue Anstellung, müssen sie Hongkong verlassen. Menschenrechtsgruppen fordern eine Gesetzesänderung, die die Haushälterinnen besser schützt.

SDA/rsz

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