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Murdoch will vom Klimawandel nichts wissen

Während Buschfeuer tobten, leugneten Medien die klimaschädliche Wirkung der Kohleindustrie. Das rächt sich.

«Wir sollten nicht Windräder bauen oder solchen Müll»: Rupert Murdoch, Verleger von Australiens grösstem Medienunternehmen. Foto: AP
«Wir sollten nicht Windräder bauen oder solchen Müll»: Rupert Murdoch, Verleger von Australiens grösstem Medienunternehmen. Foto: AP

Als Emily Townsend im Dezember beim australischen Medienkonzern News Corp kündigte, verschickte sie eine Abrechnung per E-Mail an ihre Kollegen. Und an den Vorstand. Der Inhalt dieser Mail landete kurz darauf bei vielen Zeitungen des Landes.

Die Finanzangestellte hatte eine Anklage gegen ihren Arbeitgeber verfasst. «Für mich ist es unzumutbar, weiterhin in einem Unternehmen zu arbeiten, im Wissen, dass ich damit dazu ­beitrage, die Leugnung des Klimawandels und weitere Lügen zu verbreiten», schrieb sie. Die ­Berichterstattung in den News-Corp-Medien sei nicht nur unver­antwortlich, sondern gefährlich und schädlich für die ­Bevölkerung sowie den wunderbaren ­Planeten.

Raum für Leugner

Townsend hatte fünf Jahre für News Corp gearbeitet. Ihre Anklage steht sinnbildlich für die Auseinandersetzung, die in Australien derzeit geführt wird. Sind die Waldbrände, die seit Wochen grosse Teile des Landes zerstören, eine Folge des menschen­gemachten Klimawandels? Soll Australien seine ­CO2-Emissionen reduzieren, um Schlimmeres zu verhindern?

Einflussreiche Akteure im Land haben beide Fragen bislang mit Nein beantwortet. Dazu gehört die Regierung aus Liberaler und Nationaler Partei, die einen neoliberalen, rechtskonservativen Kurs fährt und den klimaschädlichen Kohlebergbau fördert.

Es sei charakteristisch für diese ­Medien, dem Klimawandel mit Skepsis zu begegnen, so Caroline Fisher, Professorin in Canberra.

Unterstützt wird sie von News Corp, dem von Rupert Murdoch kontrollierten grössten Medienunternehmen des Landes. Ihm gehören einige der populärsten Zeitungen: der landesweit verbrei­tete «Australian» sowie ­regionale Blätter wie «Daily Telegraph», «Herald Sun», «Courier-Mail» und«Adelaide Advertiser». Dazu kommen die TV-Sender Sky News und Foxtel.

«Seit langem haben die Murdoch-Medien einen starken Einfluss auf die politische Debatte in Australien», sagt Caroline Fisher, Professorin am Forschungszentrum für News und Medien der Universität Canberra. Es sei charakteristisch für diese ­Medien, dem Klimawandel mit Skepsis zu begegnen, so Fisher. Sie gäben Leugnern der menschengemachten Krise Raum, und Kommentatoren spielten das Thema regelmässig herunter.

Feuer erst auf Seite 4

Als 2018 erste Schüler am ­Freitag streikten, nannte sie der «Daily Telegraph» in Sydney «hysterische Babys». Das Blatt forderte die Regierung auf, das «fehlerhafte» Pariser Klimaabkommen zu verlassen, den Report des Weltklimarates der UNO nannte es ebenfalls «hysterisch». Darin stand bereits 2007 zu Australien: «Hitzewellen und ­Brände werden praktisch sicher an Inten­sität und Häufigkeit ­zunehmen.»

Nachdem zuletzt 11 000 Forscher vor einem Klimanotfall gewarnt hatten, sagte der News-Corp-Wirtschaftsjournalist ­Terry McCrann, den Begriff Wissenschaftler betrachte er skeptisch. Er glaube, man müsse die Adjektive «fanatisch und hysterisch» dazusetzen, um zu verstehen, wer diese Leute seien. Sein Kol­lege Andrew Bolt schrieb: «Die neueste grosse Klimaangst ist einfach ein Schwindel.»

Nun erleidet das Land die wohl schlimmste Umweltkata­strophe seiner Geschichte. Die Brände haben ein Gebiet zerstört, das zweieinhalbmal so gross ist wie die Schweiz. Mindestens 27 Menschen starben, mehr als 2000 Häuser wurden zerstört. Ökologen fürchten, dass sich manche Tierarten nicht mehr erholen werden.

Vor den Parlamentswahlen 2019 schürten die Murdoch-Medien Angst vor wirtschaftlichem Niedergang, sollte Australien seine CO2-Emissionen ernsthaft verringern wollen.

Zu Beginn bezeichneten News-Corp-Blätter die Brände als normale Naturerscheinungen. Selbst als an Silvester der Rauch dicht über Sydney, Melbourne oder Canberra hing und im Hinterland Mensch und Tier ums Überleben kämpften, berichteten ­viele Zeitungen erst auf Seite 4 darüber. Als das Inferno schliesslich nicht mehr zu ignorieren war, gab «The Australian» Brandstiftern die Schuld daran. Dies dementierte die Feuerwehr umgehend. Die nächste Volte war, Naturschützer und die Grüne Partei für die Feuer verantwortlich zu machen, weil diese angeblich verhinderten, dass im Winter Schneisen in den Wald geschlagen würden, um im Sommer die Brände unter Kontrolle zu halten. Die Grünen widersprachen, sie würden solch präven­tive Rodungen befürworten.

Die Richtung der Berichterstattung folgt weitgehend der Haltung von Rupert Murdoch. Der 88-Jährige ist in Australien geboren, inzwischen US-Staatsbürger. Mehrfach äusserte er Zweifel an der vom Menschen verursachten Erderwärmung, im Jahr 2013 riet er Australien, mit seinen Bodenschätzen wie ­Kohle die Welt mit billiger Energie zu versorgen: «Wir sollten nicht Windräder bauen oder solchen Müll.»

Alvin Stone arbeitete früher für News Corp und hat jetzt ­wieder viel mit den Murdoch-Medien zu tun – als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des staatlich finanzierten Forschungszentrums Centre of Excellence for Climate Extremes in Sydney. Er sagt, News Corp habe mit seinem Kurs ein Geschäftsmodell begründet, indem es bei der Meinungsbildung den konservativen Teil der Gesellschaft bediene.

Vor den Parlamentswahlen 2019 schürten die Murdoch-Medien im Chor mit den rechtskon­servativen Parteien Angst vor Arbeitsverlust und wirtschaftlichem Niedergang, sollte Australien seine CO2-Emissionen ernsthaft verringern wollen. Am Ende, glaubt Stone, verschaffe das dem Unternehmen exklusiven Zugriff auf Werbepartner wie die Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Doch der Druck auf News Corp steigt, sogar innerhalb der Familie Murdoch.

Der Sohn widerspricht

James Murdoch, ein Sohn von Rupert Murdoch und Mitglied im News-Corp-Aufsichtsrat, liess kürzlich der ­US-Nachrichtenseite «Daily Beast» von einem Sprecher ausrichten, dass er und ­seine Frau Kathryn frustriert ­seien über die Klimawandel-Berichterstattung durch News Corp und Fox. Die beiden seien besonders enttäuscht über die anhaltende Leugnung der Tatsachen rund um die Buschbrände in Australien.

Zuvor hatte sich der Vorstandsvorsitzende von News Corp Australien, Michael Miller, öffentlich gegen die Angriffe seiner ehemaligen Mitarbeiterin Emily Townsend gewehrt und die Berichterstattung verteidigt. Das Unternehmen werde 3,3 Millionen Franken spenden für die Opfer der Brände.

Der «Australian» schrieb einen Essay in eigener Sache und klagte, dass ihm zu Unrecht die Leugnung des Klimawandels vorgeworfen werde. «Wir geben Debatten Raum, welche die politische Spaltung in Australien ­widerspiegeln, wie der Klimawandel angegangen werden kann, ohne unsere Wirtschaft zu zerstören.»

Alvin Stone beobachtete daraufhin in den vergangenen ­Tagen eine veränderte Tonlage in den News-Corp-Medien. «Sie berichten nun tatsächlich fast unparteiisch über den Klimawandel.» Er glaubt, es sei auf Dauer schwierig, gegen etwas anzuschreiben, das die Menschen täglich fühlen und sehen können.

Tatsächlich ergeben aktuelle Umfragen, dass für die Mehrheit der Australier der Klimawandel das grösste Problem für die Zukunft des Landes sei.

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