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Nepal entsendet Bergpolizisten an den Everest

Im April war am Mount Everest ein Streit zwischen Ueli Steck und Sherpas eskaliert. Nepals Behörden ziehen die Konsequenzen: Die Regeln für Bergsteiger werden strenger, das Basislager wird überwacht.

Will jetzt erst mal zur Ruhe kommen: Ueli Steck, der – kaum zu Hause – von den Medien regelrecht überrannt wird.
Will jetzt erst mal zur Ruhe kommen: Ueli Steck, der – kaum zu Hause – von den Medien regelrecht überrannt wird.
Bruno Petroni
Ueli Steck bei der diesjährigen Tour Ende April im Basislager des Mount Everest.
Ueli Steck bei der diesjährigen Tour Ende April im Basislager des Mount Everest.
zvg
Im Jahr 2009 beim Speedkletter-Training im Himalaja.
Im Jahr 2009 beim Speedkletter-Training im Himalaja.
zvg
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Nepal will den Massentourismus am höchsten Berg der Welt stärker überwachen. Im Basislager des Mount Everest werden Regierungsvertreter stationiert, die die Bergsteiger beaufsichtigen und beraten sollen. Zudem sollen künftig nur trainierte Bergsteiger in Nepal klettern dürfen.

Auch ausgefallene Rekorde könnten auf den höchsten Himalaya-Gipfeln in Nepal bald verboten werden. Die Regierung des südasiatischen Landes setzte eine Arbeitsgruppe ein, die die bisher geltenden Bergsteiger-Regeln überprüfen soll.

«Wir werden neue Kriterien in Bezug auf Erfahrung und technisches Können für die Bergsteiger setzen, das heisst nur geübte Menschen werden zukünftig Klettern dürfen», sagte Ang Chiring Sherpa vom zuständigen Komitee in Kathmandu.

Nicht mehr alle Rekorde zulassen

Im Mai wurden auf dem höchsten Berg der Welt mehrere Premieren gefeiert. Erstmals erklomm eine Frau aus Saudiarabien den Mount Everest, ausserdem standen dort ein Mann ohne Hände und Zwillingsschwestern aus Indien.

Zukünftig will die nepalesische Regierung nur noch Rekorde zulassen, die direkt mit Bergsteigen verbunden sind. Premieren wie die erste Hochzeit auf dem höchsten Punkt der Welt oder der erste Video-Anruf sollen der Vergangenheit angehören.

Gewaltsame Zwischenfälle am Berg

Die Regierung Nepals plant, ein Team von Behördenvertretern fix im Basislager zu stationieren. Das Team soll die Expeditionen überwachen und beraten, Rettungsaktionen koordinieren aber auch den Schutz der Umwelt fördern.

Der Schritt zu mehr Kontrolle steht auch vor dem Hintergrund von Zwischenfällen zwischen Bergsteigern und Sherpas am Berg. Ein solcher Zwischenfall sorgte im April internationale für Aufsehen.

Der Berner Bergsteiger Ueli Steck und zwei Begleiter wurden in der Nähe von Camp 3 auf 7470 Metern von nepalesischen Sherpas angegriffen und verletzt. Zur Ursache des Streits gibt es unterschiedliche Darstellungen: Ein Augenzeuge sagte aus, Steck und seine Begleiter hätten eine Anweisung der Sherpas nicht beachtet.

Auch ein Vertreter des Trekking-Veranstalters, der den Aufstieg organisiert hatte, sprach von einem Fehlverhalten der Bergsteiger. Ueli Steck dagegen bekräftigte, keinen Fehler gemacht zu haben.

«Unglücklicher Zufall»

Einige Tage später unterzeichneten die am Streit Beteiligten eine Vereinbarung. Darin wurde unter anderem festgehalten, dass es sich um einen «unglücklichen Zufall» handelte. Stecks italienischer Begleiter Simone Moro entschuldigte sich zudem für einen Kraftausdruck.

Die Vereinbarung war von nepalesischen Verbindungsoffizieren vermittelt worden. Nach diesem Muster soll nun auch bei dem beschlossenen fix stationierten Team der Regierung im Basislager am Everest vorgegangen werden.

Ueli Steck begrüsst grundsätzlich den Plan. Gegenüber «Blick» (Artikel online nicht verfügbar) sagt er: «Endlich handeln die Behörden. Scheinbar hat das, was uns im Frühling passiert ist, aufgerüttelt.»

Nepals Trekking-Routen werden überprüft

Neben den Plänen der nepalesischen Regierung im Zusammenhang mit dem Mount Everest sollen auch die Trekking-Routen im Land überprüft, um sie «touristenfreundlicher und sicherer für Bergsteiger» zu machen. Zurzeit sind 326 Gipfel in Nepal zugänglich.

Das Komitee kann auch die Öffnung weiterer Berge für Touristen empfehlen, wenn es die Geografie zulässt und die örtlichen Gemeinden zustimmen. Für einige Bevölkerungsgruppen in Nepal sind Berge heilig. Sie zu besteigen ist verboten. Die neuen Regeln müssen vom Kabinett verabschiedet werden und sollen im nächsten Frühjahr in Kraft treten.

SDA/kpn

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