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«Nicht mal der dümmste Beamte würde das tun»

In China hat der dritte Tag im Prozess gegen den gefallenen Politstar Bo Xilai begonnen. Er verteidigt sich weiter vehement gegen den Vorwurf der Korruption.

Entgeht der Todesstrafe: Bo Xilai steht in Handschellen zwischen Polizisten im Gerichtssaal. (22. September 2013)
Entgeht der Todesstrafe: Bo Xilai steht in Handschellen zwischen Polizisten im Gerichtssaal. (22. September 2013)
Keystone
Hat den Prozess verloren: Bo Xilai nimmt das Urteil entgegen. (22. September 2013)
Hat den Prozess verloren: Bo Xilai nimmt das Urteil entgegen. (22. September 2013)
AFP
... liessen die Behörden das Gerichtsgebäude weiträumig absperren.
... liessen die Behörden das Gerichtsgebäude weiträumig absperren.
AP Photo/Ng Han Guan
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Der Prozess gegen den früheren chinesischen KP-Funktionär Bo Xilai ist am Samstag mit der Aussage eines städtischen Bediensteten fortgesetzt worden. Der Zeuge sagte zu dem Vorwurf aus, Bo habe fünf Millionen Yuan (600'000 Euro) öffentlicher Mittel veruntreut. Der 64-jJährige, ehemaliges Politbüromitglied und KP-Chef der Metropole Chongqing, weist auch diesen Vorwurf zurück.

Auch am dritten Tag seines Prozesses hat sich Bo vehement gegen die Vorwürfe der Korruption verteidigt. Nicht einmal der dümmste Beamte würde über Korruption am Telefon reden, sagte Bo vor Gericht.

Er bezog sich auf die Vorwürfe eines Zeugen. Dieser hatte ausgesagt, Bo habe in Anwesenheit des Zeugen seine Frau Gu Kailai angerufen, um sie anzuweisen, Geld von einem staatlichen Bauprojekt anzunehmen. «Dies würde nicht einmal der dümmste Empfänger von Bestechungsgeld tun», sagte Bo laut dem Protokoll, welches das Gericht im Internet veröffentlichte. Ausländische Journalisten sind zu dem Verfahren nicht zugelassen.

«Ich bin ziemlich vorsichtig»

Die Vorwürfe bezogen sich auf seine Zeit als Bürgermeister der Hafenstadt Dalian in den 1990er Jahren. Bo sagte, es sei bekannt, dass er seine Gesprächspartner stets anweise, ihre Handys auszuschalten. «Ich bin ziemlich vorsichtig», sagte der 64-Jährige.

Über das verschwundene Geld sagte Bo zudem, er schäme sich und er habe ein schlechtes Gewissen, das Fehlverhalten nicht rechtzeitig behoben zu haben. Er habe nie eine Veruntreuung im Sinn gehabt, sagte er.

Der Prozess gegen das frühere Politbüromitglied, dem Korruption, Veruntreuung und Amtsmissbrauch vorgeworfen werden, fesselt die chinesische Öffentlichkeit. Das Verfahren war durch den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood ins Rollen gekommen. Der Freund der Familie Bo war 2011 vergiftet in einem Hotelzimmer der Metropole Chongqing, wo Bo KP-Vorsitzender war, aufgefunden worden. Wegen des Mordes wurde Bos Frau Gu zu lebenslanger Haft verurteilt.

In dem Prozess zeigte sich Bo überraschend wehrhaft. Nicht nur wies er die Vorwürfe vehement zurück, sondern er griff auch mehrere Zeugen scharf an. Seine Frau, die ihn am Freitag in einer vorab aufgezeichneten Videoaufnahme belastete, beschrieb er als «verrückt». Insbesondere mit dieser Aussage habe Bo einen Einblick in das Leben von Familien der Partei-Elite gegeben, sagen Prozessbeobachter. Es sei von Gier, Intrigen und Betrug geprägt.

Am Freitag wurde überraschend bekannt gegeben, dass der eigentlich für zwei Tage angesetzte Prozess am Samstag fortgeführt werden solle. Es gilt dennoch als sicher, dass Bo zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird.

AP/sda/chk

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