Wer in Burma wirklich das Sagen hat

Der General Min Aung Hlaing ist der mächtigste Mann in Burma. Aung San Suu Kyi könnte ihn kaum stoppen, selbst wenn sie es wollte.

Ruft die Bürger auf, sich hinter ihm zu scharen: General Min Aung Hlaing.

Ruft die Bürger auf, sich hinter ihm zu scharen: General Min Aung Hlaing. Bild: Soe Zeya Tun/Reuters

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Der UNO-Sicherheitsrat nannte keine Namen, als er vor wenigen Tagen die Gewaltexzesse im Westen Burmas verurteilte. Doch Armeechef Min Aung Hlaing wird die Botschaft aus New York vernommen haben. Zumindest antwortete er auf seine Weise. In seiner jüngsten Erklärung ging der Oberkommandierende mit keinem Wort auf die Massenflucht und das Leid Hunderttausender Vertriebener ein. Stattdessen sagte er, die Gewalt entspringe dem Versuch bengalischer Extremisten, den Norden Rakhines zu erobern. Der General zeichnet ein Bild heftiger Kämpfe. In diesem Szenario bleibt seine Truppe unverzichtbar, um den Staat und seine Grenzen zu schützen.

Was daran stimmt, lässt sich schwer beurteilen, solange die Armee unabhängige Beobachter nicht in die Krisenzone lässt. Die Darstellung des Generals reibt sich mit dem Urteil von Menschrechtsgruppen, die eine Strategie der verbrannten Erde und systematische Vertreibungen der muslimischen Minderheit anprangern. Bisher sieht es nicht so aus, als könnte die Kritik den Militärchef zügeln. Der 1956 geborene General ist der mächtigste Mann in Burma, seitdem er 2011 den früheren Juntachef Than Shwe ablöste. In eisernen Militäroffensiven gegen ethnische Minderheiten im Norden hatte er seine Härte bewiesen, sie ebneten ihm den Weg nach oben.

Nun führt er den Militäreinsatz im Westen. Analysten gehen davon aus, dass Wahlsiegerin Aung San Suu Kyi ihn kaum stoppen könnte, selbst wenn sie es wollte. Die Aussenministerin, die Burmas Führung für sich beansprucht, sprach heute Dienstag zur Nation. Der General hat vor ihr Stellung bezogen, um die Marschrichtung festzuzurren.

Er erhofft sich Rückendeckung

Min Aung Hlaing ruft die Bürger auf, sich hinter ihm zu scharen. Er hofft, dass der Armee das Ressentiment nützt, das innerhalb der buddhistischen Mehrheit gegen die Rohingya herrscht. Das Misstrauen ist durch wiederholte Zusammenstösse zwischen Muslimen und Buddhisten in Rhakine historisch gewachsen. Die Armee hat es aber auch oft gezielt geschürt.

Erst im April war Min Aung Hlaing nach Deutschland gereist. Fototermine gab es nicht, anders als drei Jahre zuvor, als Kanzlerin und Präsident mit Aung San Suu Kyi in die Kameras lächelten. Der Besuch des Generals fand wenig Beachtung, abgesehen von der Kritik einiger Menschenrechtler: «Der einzige Ort in Europa, den Min Aung Hlaing besuchen sollte, ist der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag.»

Diplomaten deuteten an, dass hinter dem Treffen der Versuch stehe, das Militär in den schwierigen Wandel einzubinden. Ein Frieden mit all den ethnischen Minderheiten in Burma könne nur mit der Armee gelingen. Nun ist die Gewalt in Rakhine trotzdem eskaliert. Manche dürften sich getäuscht fühlen vom General. Dieser inszeniert sich derweil als tapferer Hüter der burmesischen Grenzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.09.2017, 17:36 Uhr

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