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Nippons blutiger Mythos

Japan fängt Wale trotz Verbot – und bringt damit die Welt gegen sich auf. Warum ist für den Inselstaat diese Jagd so bedeutend?

Die Japaner wollen sich ihre angebliche Tradition nicht verbieten lassen. Darum töten sie heute Wale im Namen der Forschung. Foto: Mark Votier (Getty Images)
Die Japaner wollen sich ihre angebliche Tradition nicht verbieten lassen. Darum töten sie heute Wale im Namen der Forschung. Foto: Mark Votier (Getty Images)

Die sieben Götter der Meere lassen auf sich warten, ihre Fähre hat sich wegen des starken Windes verspätet. Als sie schliesslich in goldbesetzten Kostümen, zwei von ihnen mit langen, altchinesisch anmutenden Bärten, auf die Bühne klettern, haben viele Besucher das Walfest von Ayukawa bereits verlassen. Es ist kalt und nass an diesem Sonntag im August. Wie in den Schweizer Bergen gibt es auch auf der Oshika-Halbinsel, einer zerklüfteten Landzunge im Norden Japans, die weit in den Pazifik hinausragt, selbst im Hochsommer frostige Tage. Die sieben Götter frieren, ihr Tanz wirkt müde und steif. «Mit der Zeit vor dem Erdbeben kann man unser Fest nicht mehr vergleichen», sagt eine Frau, die in einem Containerladen Walfleisch verkauft. Tiefgekühlt und in Dosen, rot und schwarz. Für Ungeübte empfiehlt die Verkäuferin, die ihren Namen nicht nennen will – wenn es um Walfang geht, werden die Leute von Ayukawa misstrauisch –, die rote Dose. Das Fleisch des Minke-Wals schmecke wie Rindfleisch, jenes des Sei-Wals nach Tran.

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