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Kim schiesst Rakete weiter als je zuvor

Nordkorea feuert erneut ein Geschoss über Japan hinweg. Das Regime wolle so die USA auf ihrem Stützpunkt Guam in Schach halten und Sprengköpfe testen.

Ist mit seinem US-Amtskollegen Rex Tillerson in Kontakt: Der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu. (Archivbild)
Ist mit seinem US-Amtskollegen Rex Tillerson in Kontakt: Der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu. (Archivbild)
Adem Altan, AFP
Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown von den Demokraten unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Regelung, die Kalifornien zum sogenannten «Sanctuary State» macht. Der Bundesstaat begrenzt die Zusammenarbeit der Polizei mit den Bundesbehörden, wenn letztere illegale Einwanderer aufspüren wollen. (9. Juni 2010)
Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown von den Demokraten unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Regelung, die Kalifornien zum sogenannten «Sanctuary State» macht. Der Bundesstaat begrenzt die Zusammenarbeit der Polizei mit den Bundesbehörden, wenn letztere illegale Einwanderer aufspüren wollen. (9. Juni 2010)
AP Photo/Damian Dovarganes, AFP
Die Finanzmärkte reagieren bei Eskalationen der Atomkrise nervös: Nach der Warnung des US-Präsidenten sackte der Dow Jones vor Börsenschluss ab. (8. August 2017)
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Bryan R. Smith, AFP
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Nordkorea hat erneut eine Mittelstreckenrakete über Japan in den Pazifischen Ozean gefeuert. Das beobachteten die US-Streitkräfte sowie das südkoreanische Militär am Freitag. Im Norden Japans ertönten Sirenen, Warnungen wurden veröffentlicht, nachdem bereits Ende August ein Geschoss Nordkoreas über das Land hinweg geflogen war. Nach Angaben des südkoreanischen Stabschefs war die Rakete in Pyongyang gestartet worden und legte eine Strecke von rund 3700 Kilometern zurück. Sie erreichte eine maximale Höhe von 770 Kilometern.

Gemäss dem Militärexperten Joseph Dempsey ist nie zuvor ein Geschoss aus dem abgeschotteten Land weiter geflogen. Pyongyang wolle damit zeigen, dass es in der Lage ist, den 3400 Kilometer entfernten US-Stützpunkt Guam im Pazifik anzugreifen. Offen sei aber, ob die nordkoreanische Technik auch so weit ausgefeilt ist, dass eine Rakete die Insel auch sicher treffen kann.

Das US-Pazifikkommando erklärte hingegen, der Raketenstart habe weder eine Bedrohung für Nordamerika noch das US-Aussengebiet Guam dargestellt. Ähnlich hatten sich zuvor die Heimatschutz- und Verteidigungsbehörden in Guam geäussert. Nach ersten Angaben des US-Militärs handelte es sich erneut um eine Mittelstreckenrakete, wie sie Nordkorea bereits Ende des vergangenen Monats über Japan hinweg geschossen hatte.

Südkorea feuert Rakete ins Meer – UNO-Sicherheitsrat tagt

Nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats ordnete der Präsident Südkoreas, Moon Jae-in, «ernste» militärische und diplomatische Massnahmen an, um Nordkorea von weiteren Provokationen abzuhalten. Südkoreas Streitkräfte reagierten mit einer eigenen Raketenübung, bei der eine ballistische Rakete ins Meer geschossen wurde. Ein Präsidentensprecher erklärte, Moon habe das Militär zudem aufgerufen, sich besser auf mögliche Angriffe Pyongyangs mit biologischen und chemischen Waffen vorzubereiten.

Nach Waffentest von Nordkorea: Südkorea reagiert mit einer eigenen Raketenübung. (Video: Tamedia/AP)

Der Raketentest wurde international verurteilt. Der UNO-Sicherheitsrat kündigte für Freitagnachmittag eine Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen an. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe und US-Verteidigungsminister James Mattis bezeichneten den Start jeweils als rücksichtslos. Auf die Frage nach einer möglichen militärischen Reaktion der Amerikaner, sagte Mattis, darüber wolle er noch nicht sprechen. Präsident Donald Trump sei über das Geschehen informiert worden.

US-Aussenminister Rex Tillerson verurteilte die anhaltenden Provokationen aus Nordkorea. Sie trügen nur weiter zur diplomatischen und wirtschaftlichen Isolation des Landes bei.

Nato-Generalsekretär fordert «weltweite Antwort»

Jens Stoltenberg hat eine internationale Reaktion auf den jüngsten Raketentest Nordkoreas gefordert. «Nordkoreas Raketenabschuss ist ein weiterer rücksichtsloser Verstoss gegen UN-Resolutionen und eine massive Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit, was eine weltweite Antwort erfordert», schrieb Stoltenberg heute auf Twitter.

Harsche Kritik aus Japan

In Japan fiel die Kritik besonders deutlich aus: Neben Abe erklärte auch Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga, das Land werde die wiederholten und exzessiven Provokationen aus Nordkorea nicht tolerieren. Er wolle im Namen des japanischen Volkes eine «starke Wut» übermitteln.

Laut Suga flog die Rakete am Freitag über Japans nördliche Hauptinsel Hokkaido hinweg. Sie sei rund 2000 Kilometer abseits der östlichen Küste im Meer gelandet. Ende August hatte Pyongyang schon einmal einen Test einer ballistischen Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12 mit Flug über Japan vorgenommen. Am 3. September folgte nach nordkoreanischen Angaben schliesslich der Test einer Wasserstoffbombe.

Eintritt in die Atmosphäre testen

Machthaber Kim Jong-un hatte den Raketentest damals als einen «bedeutenden Auftakt» bezeichnet, um Guam in Schach zu halten. Zugleich hatte er gefordert, sein Land müsse mehr Raketen in Richtung des Pazifiks schiessen, um die Fähigkeiten der Streitkräfte auszubauen. Es ist davon auszugehen, dass mit den Flügen über Japan vor allem getestet werden soll, ob die Sprengköpfe der Raketen den Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen und technisch korrekt detonieren können.

Am Montag hatte der UNO-Sicherheitsrat neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen, die aber nicht so hart ausfielen wie von den USA gewünscht. Verboten sind ab sofort alle Textilexporte sowie etwa der Import von flüssigem Erdgas. Ausserdem darf kein Land der Welt neue Arbeitsvisa für Nordkoreaner ausstellen.

Trotz Sanktionen: Nordkorea feuert erneut Rakete über Japan hinweg. (Video: Tamedia/AFP)

dapd/chk

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