Zum Hauptinhalt springen

Nordkorea schürt Ängste vor einem Wasserstoffbombentest

Als Antwort auf Donald Trumps Drohungen spricht Pyongyang jetzt über ein sehr gefährliches Experiment.

Nordkorea droht, die «stärkste je gezündete» Wasserstoffbombe im Pazifik zu testen. Bid: Keystone/AP KCNA via KNS
Nordkorea droht, die «stärkste je gezündete» Wasserstoffbombe im Pazifik zu testen. Bid: Keystone/AP KCNA via KNS

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un könnte im Pazifik eine Wasserstoffbombe testen lassen, «die stärkste, die je gezündet wurde», warnte sein Aussenminister in New York an der UNO-Vollversammlung. Er beantwortete damit die Frage, was Kim gemeint habe, als er sagte, Pyong­yang werde Donald Trumps Drohung «auf höchster Ebene mit historisch harten Gegenmassnahmen vergelten». Der US-Präsident hatte am Dienstag – ebenfalls bei der UNO – gesagt, sein Land habe «keine andere Wahl, als Nordkorea völlig zu zerstören», wenn Pyonyang die US-Sicherheit gefährde. Aussenminister Ri schränkte freilich ein, er wisse nicht genau, was Nordkorea tun werde, das liege alleine an Kim. Die H-Bombe im Pazifik nannte er als mögliches Beispiel.

Die USA, Frankreich und Grossbritannien zündeten ihre Atomtests im Pazifik auf Atollen oder Inseln, die sie kontrollierten. Nordkorea verfügt über kein solches Territorium und müsste sich mit einem alten Schiff behelfen. «Wir können auch nicht ausschliessen, dass sie diese Bombe mit einer Rakete schiessen», warnte Japans Verteidigungsminister.

Atomtests sind bedrohlich, weil mit ihnen Waffen entwickelt werden, deren Einsatz das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Das gilt vor allem für H-Bomben. Ihre Sprengkraft kann das Hundert- oder Tausendfache der Bomben von Hiroshima und Nagasaki erreichen. Solche Tests sind aber auch bedrohlich, weil sie die Umwelt verseuchen. Messungen japanischer Ozeanologen ergaben, dass trotz grosser Mengen Radioaktivität, die Wind und Abwässer nach der Fukushima-Katastrophe in den Pazifik trugen, noch immer drei Viertel der Strahlenbelastung im Ozean von den Tests der USA, Englands und Frankreichs stammen.

Washington hat zwischen 1945 und 1992 mehr als tausend Tests durchgeführt, fast die Hälfte aller Atomtests überhaupt, viele davon im Pazifik. Mit sechs Explosionen gehen nur 3 Promille aller Atomtests weltweit auf das Konto von Pyongyang. Doch Nordkorea kommt zu spät. Schon 1963 einigten sich die Grossmächte auf ein Verbot oberirdischer Tests. Ein zweiter Vertrag von 1996 verbietet zwar jegliche Atomtests. Er ist aber nie in Kraft getreten, weil unter anderem die USA, China, der Iran und Israel ihn unterzeichnet, ihn jedoch nicht ratifiziert haben.

Fatales Missverständnis

Schon «Castle Bravo», der erste H-Bombentest der Amerikaner im Jahr 1954, verlief nicht nach Plan. 23 japanische Fischer und die Bewohner zweier Atolle erkrankten an akuter Strahlenkrankheit. Die Atmosphäre wurde so stark kontaminiert, dass die Strahlung auf der ganzen Welt registriert wurde. Damit stellt sich die Frage: Wäre Nordkorea überhaupt in der Lage, einen solchen Test zu kontrollieren?

Pyongyangs Atomprogramm geht auf das Jahr 1962 zurück. Damals bat Kim Il-sung, der Grossvater des heutigen Kim, Moskau um Hilfe. Die Sowjets lehnten ab. Nordkorea nahm, wie Südkorea heimlich auch, ein eigenes Programm in Angriff. Kim Jong-il, Vater des heutigen Kim, sah darin Verhandlungsmasse. Sein Sohn jedoch hält Atombomben für die billigste Lebensversicherung seines Regimes. Nach der Logik des Kalten Krieges sieht er im gegenseitigen Zerstörungspotenzial eine Garantie, dass die USA Nordkorea nicht angreifen.

Der japanische Ex-Diplomat Hitoshi Tanaka hält das für ein fatales Missverständnis: «Die Nordkoreaner meinen, wenn sie zeigen, dass sie die USA treffen könnten, vor allem das Festland, dann sei das die beste Abschreckung. Sie verstehen nicht, dass die USA nur dann entschieden reagieren, wenn sie direkt bedroht werden. Kim spiele durch seine Drohungen mit dem Feuer. «Denn die Amerikaner verstehen nicht, wie heikel der Umgang mit Nordkorea ist. Korea sah sich in seiner Geschichte ständig von grösseren Mächte drangsaliert: von Russland, China, Japan.» Der Norden reagiere deshalb auf Druck mit einer störrischen Wut.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch