O wie schön ist Ogisteg

Kasachstans Hauptstadt Astana wird zu Nursultan. Wird das weitere lebende Politiker inspirieren?

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Kasachstan wagt etwas. Es hat seine vor 20 Jahren aus dem Steppenboden gestampfte Planhauptstadt Astana in Nursultan umbenannt, zu Ehren des freiwillig aus dem Amt geschiedenen Langzeitpräsidenten Nursultan Nasarbajew (78). Der Vorschlag kam vom Nachfolger, Nasarbajew selbst wird aber mindestens eingeweiht gewesen sein. Kasachstan steht einsam da. Nach lebenden Politikern werden Städte heute kaum mehr benannt.

Nach Toten schon: Saigon in Vietnam heisst seit 1976 Ho-Chi-Minh-Stadt, nach dem 1969 verstorbenen Staatschef und Revolutionär. Washington D.C., seit 1800 Kapitale der USA, trägt den Namen des ersten Präsidenten George Washington, gestorben 1799. Ein Oikonym ehrt besser als jede Statue, hält sich scheinbar ewig auf der Karte.

Wenn Politiker aber anfangen, die Landschaft nach sich selbst zu benennen, ist das alarmierend. Solche Selbstverliebtheit erinnert an die Zeit der Entdecker und Landnehmer, an Pietro Paolo di Brazzá in Brazzaville oder James Cook auf den Cook-Inseln. Und an absolute Monarchen, die Land und Volk als Eigentum sahen, ans Haus Saud in Saudiarabien, die Liechtensteins des Fürstentums, an Leopoldstadt und Ludwigshafen. Josef Stalin war Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, als 1925 die südsowjetische Stadt Zarizyn zu Stalingrad wurde. Peter I. war Zar und 31 Jahre alt, als er seine Untertanen im Sumpf der Newa-Mündung sein steinernes Petersburg errichten liess. Ob er sich selbst oder den Apostel meinte, ist irrelevant.

Qualität setzt sich durch, Peter der Grosse wäre stolz. 

Nicht immer ist solche Verewigung von Dauer. Stalingrad wurde 1961 im Zuge der Entstalinisierung in Wolgograd umbenannt, Petersburg nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erst ins (weniger deutsch klingende) Petrograd, dann, nach dem Tode Lenins 1924, in Leningrad. Seit einer Volksabstimmung 1991 heisst die Stadt wieder Petersburg. Qualität setzt sich durch, Peter der Grosse wäre stolz.

In der Schweiz verweisen Ortsnamen auf Heilige wie Gallus, kaum aber je auf Staatsleute und Feldherren. General Henri Guisan bekam zwei Kasernen, einen Asteroiden und sehr viele Strassen, aber keine Guisanville. Kandersteg heisst nicht Ogisteg, Herrliberg nicht Blocheriberg, und im Gebirge finden wir den Piz Jenatsch, aber keine Widmer-Schlumpf-Spitze. Schön. Mag die Eitelkeit galoppieren, die Topografie bleibt verschont.

Erstellt: 04.04.2019, 18:45 Uhr

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